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Erfahrungen im Umgang mit RP von Thomas Britsch

Die RP wurde bei mir 1980 erstmals definitv festgestellt. Damals war ich 18 Jahre alt. Dazu war es gekommen, weil ich eine Schreiner-/Tischler-Ausbildung begonnen hatte, bei der man sehr schnell bemerkte, dass das für mich viel zu gefährlich ist. Wie, darauf gehe ich jetzt gar nicht ein, kann sich eh jeder Betroffene ausmalen. Vorher hatte ich stets verdrängt, was Sache war, meine Eltern hatten es auch getan und so bin ich halt bis dahin mit Nachtblindheit als maßgeblicher Einschränkung irgendwie zurecht gekommen.

1980 wurde dann also amtlich festgestellt, dass ich RP habe, nachtblind bin und über ein Gesichtsfeld von ca. 10 Grad verfüge. Natürlich habe ich daraufhin keinen Führerschein gemacht, war auch besser so. Die Werte sind bis heute so wie damals. Damit bin ich natürlich eine Ausnahme, denn es ist keine Progression erkennbar. Ebenso bei meiner 9 Jahre älteren, in den USA lebenden Schwester. Natürlich habe ich das damals noch nicht gewusst und bin (wohl keine Übertreibung) unter der Ankündigung, wahrscheinlich blind zu werden, so was wie seelisch zusammengebrochen. Jedenfalls habe ich in den nächsten ca. 15 Jahren meinen Frust in Alkohol ertränkt und wundere mich heute noch darüber, dass ich da nicht wirklich abhängig geworden bin, denn ich habe schon eine ganze Menge (und oft) weggekippt. Zum Seitenanfang

Mit den Jahren, ich hatte inzwischen Verwaltung studiert, beim Land Baden-Württemberg zu arbeiten begonnen und war auch schon privatisiert worden, hatte ich endlich in der Arbeit ein wenig Erfolg - jedenfalls positives Feedback. Das hat mich dazu gebracht, vom "Absturz" weg zu kommen. Und glücklicherweise konnte ich die Kurve noch kratzen ... Dann habe ich auch zu Rauchen aufgehört und statt dessen wieder ein Fahrrad gekauft, um ein bisschen fitter zu werden. Das war so zu sagen, der erste Streich, dann kam der zweite: Radfahren ging also noch und ist (abgesehen von Großstadtverkehr, den ich vermeide) für mich noch kalkulierbar bzw. möglich, vertretbar.

Thomas Britsch auf Fahrrad-Tour Nachdem ich die ersten zwei Jahre nach Erwerb meines Drahtesels nur so hier in der Gegend und im nahegelegenen Schwarzwald herumgetourt war, habe ich 1996 erstmals eine mehrtägige Tour gewagt - und zwar ohne zu wissen, wo ich dann jeweils abends unterkomme. RP-Betroffene müssten die Angst vor der Nacht ja kennen. Bei Tag geht das alles noch, aber wenn es dunkel wird brauche ich einen "sicheren Ort": Bett, Dusche, Lichtschalter (!). Es ging gut, nach drei Tagen war ich mitten in Bayern, in Regensburg. Die Stadt wollte wohl ihrem Namen alle Ehre machen, jedenfalls musste ich dort wetterbedingt abbrechen und mit dem Zug nach Hause fahren. 1997 habe ich dann erstmals das Ultimative gewagt und mir gesagt: Fahr einfach immer nach Süden, bis die Alpen kommen, mal sehen ob du es schaffst. Und so kam es, dass ich in diesem Jahr zum ersten Mal mit meiner gesamten Reisebagage einen über 2.000 m hohen Alpenpass überquert habe (Pass dal Fuorn/Ofenpass, Schweiz, 2.149m) und mich plötzlich in Italien wiederfand. Das war der "Kick" - jetzt war ich für mich selbst etwas Besonderes, das machte nicht jede/r... Seitdem fahre ich jedes Jahr von hier aus über die Alpen. Meist durchquere ich die Schweiz, um nach Italien zu kommen und fahre über Österreich wieder zurück. Unterwegs sammliche Pässe ... Dieses Jahr habe ich vor, über die Schweiz und das italienische Aostatal nach Frankreich zu fahren, wo die höchsten Pässe sind.... schau´n m´r mal ...

Welche Probleme meistere ich dabei und welche nicht? Mal abgesehen von der körperlichen Belastung, besteht ein Hauptproblem in der Durchquerung von Tunneln. Solange die sehr gut beleuchtet sind, wie meistens in der Schweiz, nur kurz und am besten kerzengerade (damit man die Öffnung am anderen Ende sieht) und wenig befahren, geht das ganz gut - ist aber sicherlich ein gewisses Risiko. Das muss ich jedesmal aufs neue entscheiden. Und es kann dazu führen, dass ich eine Route abbrechen muss. Mancherorts, zum Beispiel in einer Ecke des schweizerischen Kantons Graubünden, in der Schinschlucht, wo ich öfter vorbeikomme, geht dann aber nichts mehr. Dort sind mehrere jeweils über einen Kilometer lange, relativ schlecht beleuchtete und vor allem SEHR STARK befahrene Tunnels. Deswegen nehme ich dort für 10 km die Rhätische Bahn von Thusis nach Tiefenkastel und steige dort wieder aufs Rad. Bisher bin ich jedenfalls überall hingekommen... und ein Quartier hat sich auch immer finden lassen. Seit ich das mache, seit ich meinem Problem nicht mehr aus dem Weg gehe (bzw. es zu ertränken versuche), komme ich wesentlich besser zurecht, vor allem seelisch. Endlich gibt es etwas, das auch viele Leute, die in jeder Hinsicht (nicht nur Augen) viel fitter wären als ich, nicht machen. Und das baut auf. Es ist mir natürlich klar, dass ich mit meinen Befunddaten noch zu denen gehöre, die relativ gut dran sind - vor allem weil sich nichts bewegt (hoffentlich auch in Zukunft). Zum Seitenanfang

Meine "Botschaft" wäre jedoch vor allem die:

Bei Befund RP folgende Aussagen/Fragen:

  1. Sch...
  2. nochmal Sch....
  3. von mir aus: abermals Sch...
  4. OK, noch geht das und das - und das halt nicht (z.B. Nachtwanderung durch den Wald ohne Begleitung)
  5. Was mache ich jetzt damit? (irgend etwas suchen, was Befriedigung/Selbstbestätigung verschafft und das Gefühl der Minderwertigkeit aufhebt - bei mir das fanatische Velo-Touren)
  6. Machen, Machen, Machen.
  7. AUF KEINEN FALL: den Kopf in den Sand (oder die Flasche oder Ähnliches) stecken.
  8. Nicht auf Hilfe anderer warten - die kommt nie und wenn: ist es Mitleid, das Schädlichste was es gibt. Vielleicht hilft dieser kleine Bericht ja dem/der einen oder anderen. Ansonsten: Kampf den RP-Genen!

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Zuletzt geändert am Mi, 2010-11-03 11:25

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