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Nachricht vom 21.10.2010"PRO RETINA" kritisiert Gesundheitsminister Diskussion über die Rolle der Selbsthilfegruppen VON DANIEL GERHARDS

Aachen. Um Menschen mit starken Sehbehinderungen und Blinden im Alltag zu helfen, braucht man das Engagement vieler Akteure aus dem Gesundheitswesen. Besonders die Selbsthilfe hat dabei eine zentrale Stellung. Am vergangenen Freitag trafen sich im Haus Löwenstein auf Einladung der Patientenorganisation "PRO RETINA" Vertreter aus Ärzteverbänden, Politik, Wissenschaft sowie von Hilfsmittelherstellern und Krankenkassen.

Rund 70 Teilnehmer diskutierten etwa drei Stunden über sich wandelnde Ausgangsbedingungen für die Arbeit mit sehbehinderten Menschen. Insgesamt gab es eine Menge Lob für das Engagement der Aktiven in der Selbsthilfe.

Doch die Organisationen müssen stets am Ball bleiben. "Die Anforderungen sind höher geworden", erklärt Horst Zaar, Geschäftsführer von "PRO RETINA Deutschland". "Heute kann man sich im Internet leicht Informationen besorgen. Allerdings müssen wir uns auch gegen jede Menge Unfug wehren, der im Netz kursiert. Dafür legen wir Broschüren auf, deren Inhalt wissenschaftlich überprüft ist." Information sei für die Selbsthilfe von zentraler Bedeutung, erklärte Zaar: "Um mit dem Arzt gleichberechtigt sprechen zu können, muss man Experte für seine Krankheit sein."

Im Anschluss an die Konferenz empfing Bürgermeister Björn Jansen die Teilnehmer im weißen Saal des Rathauses. Er zeigte sich beeindruckt davon, wie gut sich die sehbehinderten und blinden Menschen in der "Welt, die so schnell ist", zurechtfinden.

Die Selbsthilfeorganisation "PRO RETINA" engagiert sich für Menschen mit Netzhautdegeneration. Insbesondere für Patienten mit Retinitis Pigmentosa, dem sogenannten Tunnelblick, und altersabhängigen Makuladegenerationen, der häufigsten Ursache für Altersblindheit. Die Organisation betreut deutschlandweit 6000 Mitglieder und hat ihren Sitz in Aachen. Ute Palm, stellvertretende Vorsitzende von "PRO RETINA Deutschland", sagte, dass ihre Organisation eine der wenigen Selbsthilfeorganisationen sei, die Geld in die Forschung stecke. So schreibe man zwei Forschungspreise und zwei Stiftungsprofessuren aus.

Nicht instrumentalisieren

Als Forderung an die Politik formulierte Christina Fasser, Präsidentin von "Retina International", dass man die Selbsthilfe nicht instrumentalisieren dürfe: "Es darf nicht sein, dass die Selbsthilfe für Dinge eingesetzt wird, die eigentlich von der Politik sichergestellt werden müssten." Ute Palm erklärte, dass "Pro Retina" dafür da sei, "Menschen nach einer niederschmetternden Diagnose aufzufangen und zu verhindern, dass die Patienten in ein tiefes Loch fallen." Die medizinische Beratung der Patienten solle hingegen von den Ärzten vorgenommen werden. Da schiebe man die Verantwortung aus Kostengründen zu schnell zur Selbsthilfe, erklärte Fasser. "Die Ärzte müssen das Geld bekommen, um ihren Job zu machen. Danach kann die Selbsthilfe ansetzen", verdeutlichte Fasser. Allerdings wolle sich gerade Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler weiter auf die Selbsthilfegruppen stützen, um Kosten zu sparen.

Weitere Informationen: www.pro-retina.de.

Gruppenfoto: Björn Jansen und Vertreter der PRO RETINABürgermeister Björn Jansen (3. von rechts) zeigt sich beim Empfang beeindruckt von der Arbeit, die Reinald von Gizycki, Ute Palm und Christina Fasser (vorne, von links) für "Pro Retina" leisten. Foto: Lachmann

Zuletzt geändert am Fr, 2010-10-22 11:21

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