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Nachricht vom 8.04.2010Werner Lechtenfeld verlässt die PRO RETINA

Von Dr. Claus Gehrig

Unser langjähriger Geschäftsführer Werner Lechtenfeld hat den Vorstand im Dezember 2009 darüber informiert, dass er die PRO RETINA Mitte des Jahres 2010 auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen verlassen wird. Er wird der PRO RETINA aber auch in der Zukunft für unterstützende Tätigkeiten zur Verfügung stehen. Seine Entscheidung ist durch seine familiäre Situation und gesundheitliche Aspekte begründet. Er will sich in Zukunft auf Aufgaben und Projekte im Umfeld von Selbsthilfe und Sehbehinderung konzentrieren. Der Vorstand bedauert die persönliche Entscheidung Werner Lechtenfelds, hat diese aber zu respektieren.

Elf Jahre enormer Arbeitseinsatz

Seit über elf Jahren unterstützt Werner Lechtenfeld die Arbeit des Vorstands, der Gremien und der gesamten Vereinigung mit enormem Arbeitseinsatz. Bewusst hat der damalige Vorstand einen starken Geschäftsführer eingestellt. Er sollte und hat, wie es Rainald von Gizycki formulierte, die PRO RETINA vor Mittelmaß bewahren und im Sehbehinderten-und Blindenwesen zu einem profilierten Verband weiterentwickeln. 1998 war absehbar, dass zahlreiche, bis dahin ehrenamtliche Aufgaben jetzt durch eine professionelle Geschäftsstelle übernommen werden sollten: die Mitgliederverwaltung, die Buchhaltung, das Rechnungswesen, die Öffentlichkeitsarbeit und die Projektbetreuung. Alle diese Aufgaben waren bis dahin ausschließlich ehrenamtlich geleistet worden, stießen aber angesichts der größer werdenden Vereinigung an die Grenzen des Ehrenamtes. Werner Lechtenfeld hat im Auftrag des Vorstandes und mit den Gremien und Aktiven zusammen die Vereinigung in der Szene als selbstständige und unabhängige Selbsthilfevereinigung profiliert. Er hat immer wieder für die beiden prioritären Aufgaben –Leben mit der Behinderung und Forschungsförderung – gekämpft.

Nachhaltiger Brückenschlag

In einem Bild hat er die PRO RETINA als Brücke zwischen den betroffenen Patienten und dem Gesundheitswesen beschrieben. Diesen Brückenschlag hat er nachhaltig weiterentwickelt und er steht bei unseren Partnern als eines der profilierten und anerkannten Gesichter der Vereinigung da. Die hohe Wertschätzung der PRO RETINA bei Ärzten, Optikern, Hilfsmittelfirmen, Gesundheitspolitikern, Medien und Sponsoren verdanken wir zu einem großen Teil auch dem enormen Einsatz und der Persönlichkeit von Werner Lechtenfeld. Zu der von ihm geprägten Entwicklung der Vereinigung gehört aber entscheidend auch die finanzielle Absicherung der immer vielfältiger gewordenen Vereinsaktivitäten durch Erschließung neuer Finanzierungsquellen. Für Medien, Presse und Fernsehen war und ist die Geschäftsstelle die erste Anlaufstelle. Werner Lechtenfeld hat die Verantwortung für die Veröffentlichungen übernommen, die von Hinnerk Menke bis 1999 betreut wurden. Zeitweise war er Redakteur nicht nur des Vereinskurier, sondern auch der Retina aktuell. Er hat die ehrenamtliche Arbeit in diesem zunehmend größer gewordenen Feld engagiert begleitet und gefördert.

Veränderungen unterstützt

In seine Zeit als Geschäftsführer fiel auch die nötig gewordene strukturelle Neuorganisation der Vereinigung von Geschäftsbereichen, für die bis dahin Vorstandsmitglieder verantwortlich waren, zu weitgehend eigenverantwortlichen Fachbereichen. Die Orientierung zu Teamarbeit, zu Aus-und Fortbildungsseminaren der Aktiven hat er unterstützt, an vielen Stellen angeregt und immer wieder finanziell abgesichert. Zu dieser strukturellen Veränderung gehörte auch die Einführung der Delegiertenversammlung als Bindeglied zwischen Vorstand und Mitgliederversammlung. Auch diese Veränderung hat er begleitet und abgesichert. Für den Vorstand war die Geschäftsführung eine Stabsstelle. Der Geschäftsführer agierte nicht nur im Auftrag des Vorstandes. Er hatte für den Vorstand die Vereinsentwicklung zu beobachten und zu beschreiben, Konzepte für die Weiterführung der Vereinigung vorzuschlagen und den Vorstand bei der Umsetzung zu unterstützen. Gerade an dieser Stelle konnte seine langjährige und vielfältige Erfahrung aus dem Vereinswesen, dem Sozialmanagement und der Erwachsenenbildung zur Unterstützung der Leitungsarbeit des Vorstandes aufgegriffen werden.

Grenzen der Belastbarkeit

Eine Vereinigung unserer Größenordnung bedarf eines lebendigen und motivierten Ehrenamts, verbunden mit einer klaren Zielorientierung und einer professionellen Unterstützung und Abwicklung ihrer Geschäfte. Diese Aufgaben stoßen aber zwangsläufig auch an ihre gegenseitigen Grenzen. So sind wir auch in der PRO RETINA immer wieder in den Teufelskreis von Überengagement und Vernachlässigung von notwendiger Kommunikation und Partizipation geraten. Geschäftsführung in einer vornehmlich ehrenamtlichen Vereinigung bewegt sich dabei immer auch im Spagat zwischen Förderung des individuellen Engagements und dem notwendigen, aber auch schwierigen Ziehen und Vermitteln von Linien und Grenzen. Werner Lechtenfeld tat dies in einem ihm eigenen Stil, der Spontaneität, Kreativität und Visionen mit den langfristigen Zielen der Vereinigung verband. Dieser fordert immer wieder ein hohes Maß an interner Kommunikation und persönlicher Akzeptanz und kann somit auch an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit und Gesundheit führen – und manchmal darüber hinaus.

Dank im Namen der Mitglieder

Für uns stehen aber im Ergebnis die Menge an Anregungen, Impulsen und die Absicherung dieser vielfältigen Arbeit durch Werner Lechtenfeld. Für ihn galt an dieser Stelle auch ein Motto, das er gerne zitiert hat: „Wer keinen Anstoß erregt, kann auch keine Anstöße geben.“ Aber auch „Poesie in den Alltag bringen“, hat er ganz wörtlich verstanden und auch praktiziert. Für ihn und seine Familie hat es sich nicht ausgeschlossen, das Leben auch mit Behinderungen zu leben und zu genießen. Mit allen guten Wünschen für ihn und seine Familie dankt der Vorstand Werner Lechtenfeld auch im Namen der Mitglieder herzlich für sein langjähriges und überaus verdienstvolles Wirken für die PRO RETINA und die Menschen mit Netzhautdegenerationen.

Ein Interview mit dem neuen Geschäftsführer Herrn Diplom-Betriebswirt  Horst Zaar erscheint in der nächsten Retina Aktuell und dann auch auf diesen Seiten.

Vorsitzender der PRO RETINA Deutschland e. V.

Dr. Claus Gehrig

Vaalser Straße 108, 52074 Aachen, Telefon (02 41) 87 00 18,

E-Mail pro-retina@t-online.de

Zuletzt geändert am Mi, 2010-04-14 08:29

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