Neues Schwerpunktprogramm: Gen- und zellbasierte Therapien für die Behandlung neuroretinaler Degeneration

Professor Knut Stieger und Professor Birgit Lorenz werben ein neues Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)  „Gen- und zellbasierte Therapien für die Behandlung neuroretinaler Degeneration“ an der Universität Gießen ein. Das Programm startet im nächsten Jahr.

Menschen mit der Diagnose „erbliche Netzhautdystrophie“ droht derzeit die Erblindung aufgrund neuroretinaler Degeneration; der Verlust des Augenlichts erfolgt zum Teil bereits in jungen Jahren. Um Menschen, die von der bislang unheilbaren Augenkrankheit betroffen sind, eine Perspektive zu geben und erfolgversprechende Behandlungsmethoden zu erforschen, werden Wissenschaftler aus den Bereichen Augenheilkunde (Ophthalmologie), molekulare Biologie, Gentherapie, Zelltherapie, Pharmakologie, Immunologie und Vektorologie künftig in einem interdisziplinären Verbund zusammenarbeiten. Prof. Knut Stieger (Koordinator und Sprecher) und Prof. Dr. Birgit Lorenz (Ko-Koordinatorin) ist es gelungen, ein neues DFG-Schwerpunktprogramm an der Justus-Liebig-Universität Gießen einzuwerben.

Interdisziplinäre Ausrichtung

Das Gießener Projekt ist eines von 17 neuen Schwerpunktprogrammen. Sie sind interdisziplinär ausgerichtet und zeichnen sich durch den Einsatz innovativer Methoden aus. Die nun angenommenen Programme beschreiben jeweils das Oberthema des Schwerpunktprogramms. Für die 17 neuen Schwerpunktprogramme stehen in einer ersten Förderperiode laut DFG-Pressemitteilung in den kommenden drei Jahren insgesamt rund 100 Millionen Euro zur Verfügung. In der Regel werden die Schwerpunktprogramme für eine Dauer von sechs Jahren gefördert. Die 17 neuen Initiativen werden ihre Arbeit 2018 aufnehmen.

Das Schwerpunktprogramm SPP 2127 „Gen- und zellbasierte Therapien zur Behandlung von neuroretinaler Degeneration“ umfasst ein Konsortium von 25 Gruppen aus Deutschland, die in den nächsten drei Jahren mit etwa acht Millionen Euro – mit Aussicht auf weitere drei Jahre mit ähnlicher Förderung – auf diesem hochaktuellen Forschungsgebiet Therapien für bisher nicht behandelbare erbliche Netzhauterkrankungen entwickeln und parallel klinische Untersuchungsmethoden etablieren, mit denen die Sehfunktion in bisher nicht gekannter Detailliertheit gemessen werden kann.

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind international führend auf diesem Gebiet und haben im Rahmen dieses von der DFG geförderten Programms die Möglichkeit, in enger Kooperation die bisherigen Errungenschaften in der Therapieentwicklung gemeinsam und effektiv weiter voranzutreiben. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Verknüpfung von grundlagenbasierten und klinischen Projekten gelegt, sodass Experten aus beiden Gebieten sich gegenseitig unterstützen und die jeweilige Expertise weitergeben können. Ein weiterer Schwerpunkt des Programms liegt in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Wichtiger Impuls für deutsche Netzhautforschung

Prof. Stieger und Prof. Lorenz arbeiten seit fast zehn Jahren gemeinsam in Gießen an der Entwicklung neuer Therapieformen für erbliche Netzhauterkrankungen sowie an neuen diagnostischen Methoden, um die in klinischen Studien auftretenden therapeutischen Effekte möglichst genau morphologisch und funktionell darstellen zu können. Dabei werden neueste Methoden der Gentherapie sowie der Genom-Editierung genutzt, die vielversprechende Ansätze in der zukünftigen Behandlung von erblichen Krankheiten darstellen. Diese Fokussierung auf neueste therapeutische und diagnostische Methoden war der Grundstein für die erfolgreiche Antragstellung dieses Schwerpunktprogramms, das einen wichtigen Impuls für die therapeutische Netzhautforschung in Deutschland für die nächsten bis zu sechs Jahren bedeutet.

Sprecher dieses Schwerpunktprogramms 2127 ist Prof. Dr. Dr. Knut Stieger. Der Wissenschaftler forscht seit 2007 an der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde in Gießen und leitet dort die Arbeitsgruppe „Experimentelle Ophthalmologie“. Prof. Dr. Birgit Lorenz ist Ko-Koordinatorin des Schwerpunktprogrammes. Die Gießener Augenspezialistin hat seit 2007 die Professur für Augenheilkunde mit dem Schwerpunkt Strabologie und Neuro-Ophthalmologie inne und ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Giessen und Marburg GmbH am Standort Gießen, sowie Leiterin der der Klinik angeschlossenen staatlich anerkannten Orthoptiklehranstalt. Frau Prof. Lorenz ist auch seit vielen jahren Mitglied sowohl im "Wissenschaftlich Medizinischen Beirat" (WMB) als auch im "Arbeitskreis Klinische Fragen" (AKF) der PRO RETINA.

Quelle: Justus-Liebig-Universität Gießen

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Zuletzt geändert am 27.04.2017 10:37