Pressemitteilung vom 24.04.2007Netzhautpatienten stehen im Regen: Kein Geld für die Rettung des Augenlichts

Die Zahl der Menschen mit der so genannten "feuchten" altersbedingten Makula-Degeneration (AMD) wird auf etwa 300 000 Menschen geschätzt. Seit einem Jahr sind erfolgreiche Therapien mit Medikamenteneinspritzung in den Glaskörper des Auges zugelassen. Aber sie kommen oft nicht zur Anwendung, weil die Finanzierung unklar ist. Bereits im September des vergangenen Jahres hat die Pro Retina Deutschland e.V., die Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen die Situation angeprangert. Zum Leidwesen der betroffenen Menschen erfolglos.

Die Patienten haben nach der Zulassung der Medikamente und deren positiver Prüfung durch die Arzneimittelzulassung einen rechtlichen Anspruch auf die neuen Therapien, aber es gibt keine Einigung zwischen Krankenkassen und Ärzten über die Finanzierung dieser Therapien. So muss zurzeit eine Anwendung per Einzelantrag bewilligt werden. Ergebnis dieser Praxis: Häufig müssen die Patienten die bis zu 2.000 Euro pro einzelner Behandlung zunächst aus eigener Tasche bezahlen, ohne zu wissen, ob die Kasse die Therapiekosten überhaupt erstattet. Wer das nicht kann, hat Pech. Das heißt in der Praxis, dass der Betroffene Gefahr läuft, dass sich aufgrund der bürokratischen Hemmnisse sein Augenlicht innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen verschlechtert, ohne sich später wieder bessern zu können. Zunehmend gehen bei der Pro Retina die enttäuschten und entsetzten Klagen Betroffener ein, denen die Finanzierung der Therapien verweigert wurde. Und viele Betroffene können die Kosten einer solchen Therapie nicht aufbringen.

"Dass so etwas in einem reichen Land wie Deutschland geschieht, halten wir für einen Skandal", beklagt Dr. Claus Gehrig, Vorsitzender der Pro Retina Deutschland e.V., die derzeitige Situation.

Medikamente, die ambulant beim Augenarzt zur Behandlung der feuchten AMD direkt ins Auge gespritzt werden, werden in Deutschland bisher nicht generell von den Gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Dass die Medikamente zugelassen sind, scheint dabei keine Rolle zu spielen.

Grund: Der Augenarzt muss, wenn er ein solches Medikament verabreicht, seine ärztliche Leistung durch eine Gebührenordnungsziffer im "Einheitlichen Bewertungsmaßstab" (EBM) abrechnen. Die ärztliche Leistung ist hier die Spritze ins Auge unter sterilen Bedingungen in einem Operationsraum. Im Katalog aller Leistungen, die durch Vertragsärzte erbracht und zu Lasten der gesetzlichen Kassen abgerechnet werden können, ist die intravitreale Injektion aber bisher nicht aufgeführt. Veränderungen in diesem Katalog, also auch die Neuaufnahme von Abrechnungsziffern, werden in Deutschland vom so genannten Bewertungsausschuss vorgenommen. Dies ist ein Gremium, das zu gleichen Teilen von Vertretern der gesetzlichen Krankenkassen und Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) besetzt ist. Informationen über den Stand der Verhandlungen sind nicht zu erhalten. Es erscheint unmenschlich und ökonomisch unverständlich, wenn den von Erblindung bedrohten Menschen durch diese Therapie mit nachgewiesener Wirkung nicht geholfen werden kann.

In Deutschland ist die AMD mit 50 Prozent die häufigste Ursache für eine schwere Sehbehinderung durch Verlust des zentralen Sehvermögens. Pro Jahr erblinden bei uns rund 5 000 Personen daran. Unterschieden wird zwischen der trockenen und der feuchten Form. Die feuchte AMD ist zwar erheblich seltener, der Krankheitsverlauf ist aber wesentlich aggressiverer. Und gerade für die feuchte AMD stehen heute verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung. Als sichere und wirksame Behandlungsmethode für bestimmte Formen der feuchten AMD anerkannt ist die Photodynamische Therapie (PDT). Die PDT wird in bestimmten Fällen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Seit Kurzem stehen aber auch so genannte "Anti-VEGF" Substanzen (Pegaptanib und Ranibizumab) zur Verfügung, deren Wirksamkeit zur Behandlung der feuchten AMD zum Teil sehr viel versprechend ist, da sie bei mehr Formen der feuchten AMD und mit besseren Ergebnissen als die PDT eingesetzt werden kann. Beide Medikamente werden, in bestimmten zeitlichen Abständen, direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt. Diese Art der Applikation wird auch als intravitreale Injektion bezeichnet.

Bei Rückfragen erteilt Auskunft:

Pro Retina Deutschland e.V.
Fachbereich Forschung
Franz Badura
Mühlgasse 1a
92224 Amberg
Tel: (0 96 21) 60 25 51

Zuletzt geändert am 20.07.2009 15:55