Depression bei Sehverlust Was ist mit Depression gemeint?

Von Dr. rer. nat. Diplom-Psychologin Nicola Janecke

Alle psychiatrischen Störungen werden in Deutschland nach dem Internationalen Klassifikationssystem für Psychische Störungen in Kategorien eingeteilt. Hierbei wurde festgelegt, welche Beschwerden in welchem Umfang und Ausmaß erfüllt sein müssen, damit eine bestimmte Diagnose gestellt werden darf. Die Depression wird in leicht, mittelgradig und schwer unterteilt und dabei müssen die Kriterien von Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Freudlosigkeit und Interessenverlust zwingend erfüllt sein. Hinzu können noch andere Symptome kommen, wie Schlafstörungen (zu wenig, aber auch zu viel Schlaf), Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust oder auch verstärkter Appetit mit Gewichtszunahme, Konzentrationsschwierigkeiten, vermindertes Selbstwertgefühl und pessimistische Gedanken für die Zukunft, Verlust der sexuellen Empfindsamkeit, Unruhe und Angst. Alle diese Symptome können auch so weit führen, dass der betreffende Mensch daran denkt, das eigene Leben zu beenden oder sogar einen Suizidversuch unternimmt. Die genannten Symptome müssen mindestens über zwei Wochen hinweg andauernd bestehen, um eine depressive Episode diagnostizieren zu können. Sind diese Episoden wiederkehrend, mit dazwischen liegenden gesunden Intervallen, wird von rezidivieren der (sich wiederholender) Depression gesprochen. Die Einteilung in leichte, mittlere oder schwere Depression kann man zum Beispiel nach der Fähigkeit zur Berufsausübung und des Pflegens sozialer Kontakte treffen. Bei einer leichten Depression merkt man dem Betroffenen die Schwermütigkeit zumeist kaum an – nach außen hin zeigen sich so gut wie keine Einschränkungen. Jemandem, der von mittlerer Depression betroffen ist, fällt es schwer, seine Berufstätigkeit weiterhin auszuüben und er zieht sich von seinem Umfeld eher zurück. Bei einer schweren Depression sind viele der genannten Symptome vorhanden und zumeist besteht Suizidalität, so dass diese Personen stationär in einer psychiatrischen Klinik aufgenommen werden müssen.

Anpassungsstörung oder Depression?

Wenn jemand die Diagnose einer Retinitis Pigmentosa erhält und ihm zugleich vermittelt wird, dass er in einigen Jahren erblinden wird, kann es häufig zunächst zu einer sogenannten Anpassungsstörung kommen – zu einer psychischen Erkrankung, die in eine andere Kategorie der psychischen Störungen als die Depressionen eingeordnet wird. Eine Anpassungsstörung ist gekennzeichnet durch subjektives Leiden und emotionale Beeinträchtigung. Das heißt, auch hier gibt es eine depressive Stimmung oder/und Angst oder/und Besorgnis. Hinzu kommt ein Gefühl, im alltäglichen Leben nicht zurechtzukommen. Diese Beschwerden beginnen oft sofort nach Mitteilung der Diagnose oder bis spätestens einen Monat danach und dauern dann sechs Monate bis maximal zwei Jahre an. Sind aber die genannten Einschränkungen sehr stark ausgeprägt und kommen Symptome hinzu, die oben bei der Depression genannt sind oder der unangenehme Zustand hält mehr als zwei Jahre an, so geht die Anpassungsstörung in eine depressive Erkrankung über.

Unbedingt soll hier betont werden, dass die genannten Stimmungsänderungen und unangenehmen Beschwerden keineswegs bei jedem Menschen nach einer gravierenden Diagnosestellung auftreten müssen.

Je mehr positive Ressourcen Sie zur Verfügung haben (siehe auch Beitrag ab Seite 21), umso eher können Sie stabil und gesund bleiben. Sollten Sie jedoch eines oder mehrere der oben genannten Symptome von sich kennen und sich damit herumplagen, dann ist es anzuraten, dass Sie sich Unterstüzung suchen. Scheuen Sie sich keinesfalls, Hilfe anzunehmen, da Sie möglicherweise wirklich unter einer Krankheit - sei es eine Anpassungsstörung oder gar Depression - leiden, die durch eine Behandlung gebessert und sogar geheilt werden kann.

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Zuletzt geändert am 02.04.2020 09:30