EYE-RISK-Projekt identifiziert Risikofaktoren für AMD

Wenn Buchstaben „tanzen“, Linien Wellen schlagen, Gesichter verschwimmen oder sich das Sehen allgemein verschlechtert, können dies Anzeichen für krankhafte Veränderungen der Netzhaut sein - auch altersabhängige Makuladegeneration (AMD) genannt.

AMD - Was ist das?

Gründe für die Erkrankung sind Stoffwechselprodukte, die sich unter der Netzhaut ablagern, genau an der Stelle des schärfsten Sehens, der Makula. Die Folge: In der Mitte des Gesichtsfeldes sieht der Betroffene zunehmend verschwommen. Bereits heute zählt die AMD mit etwa sieben Millionen Betroffenen zu den häufigsten Erblindungsursachen in Deutschland. Jeder vierte Bundesbürger im Alter von über 70 Jahren lebt mit dieser Augenkrankheit. Einige fortgeschrittene Formen sind heute schon behandelbar.

Regelmäßige Vorsorge ist deshalb wichtig!

Auch der aktuelle James Bond, Daniel Craig, ist dieser Meinung: Mit seiner Stimme macht sich PRO RETINA stark für Menschen mit AMD.

Man unterscheidet zwei Formen der AMD:

1. Die „feuchte“ AMD

Den Verlauf der feuchten Form kann man bei rechtzeitiger Diagnose durch eine Spritzenbehandlung aufhalten.

2. Die „trockene“ AMD

Diese Form der AMD wird auch „geografische Atrophie" genannt. Etwa 80 Prozent der AMD-Patienten sind davon betroffen. Für diese Form der AMD gibt es bisher keine Therapie.

EYE-RISK-Projekt identifiziert Risikofaktoren für AMD.

Um dies zu ändern und den drohenden fortschreitenden Sehverlust zu stoppen, ist PRO RETINA als einzige Patientenvereinigung Mitglied im europäischen Forschungsprojekt EYE-RISK.

Bei einer krankhaften Veränderung der Netzhaut bis hin zur Entwicklung einer AMD spielen genetische Dispositionen und Risikofaktoren (z.B. Rauchen oder Alter) zentrale Rollen. Das EYE-RISK-Projekt hat zum Ziel, diese Risikofaktoren genauer zu identifizieren und Therapieansätze zu entwickeln. Anhand von großen Datenmengen werden Algorithmen zur Risikobestimmung erstellt, um bei Menschen mit einem hohen Risiko, an AMD zu erkranken, früh eingreifen zu können. Die Ergebnisse sind von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung neuer Therapien.

AMD-Forschung erklärt: Das Europäische EYE-Risk Projekt

Gegen Erblindung im Alter kämpfen

Wie beeinflusst altersbedingte Makula-Degeneration (AMD) dein Leben? Irma und Detlef erzählen ihre Geschichte

EYE-RISK Konsortium Treffen – die Agenda aus 2018 wird präsentiert

Dr. Everson Nogoceke, PhD, Biomarker und Leitung experimenteller Medizin – Roche (Schweiz)

Ich bin überzeugt, dass wir in den nächsten zehn Jahren oder so, erhebliche Fortschritte gemacht haben werden, was das Management von AMD angeht. Beispielsweise können Patienten mit hohem Risiko identifiziert werden, aber auch auf Seiten der Behandlung wird es Fortschritt geben. So arbeiten wir zum Beispiel an der Entwicklung für eine Behandlung der feuchten, der vaskularen AMD, die weniger invasiv ist und für die Patienten weniger häufig zu einem Augenarzt gehen müssen. Außerdem werden die Therapien vorteilhafter für die größtmöglich Zahl an Patienten.

Dr. Markus Zumbansen, PhD, Chief Technology Officer – AYOXXA Biosystems GmbH (Deutschland)

Meine momentane Rolle ist die Führung des Arbeitspakets, was sich mit der Verbreitung der Ergebnisse beschäftigt. Darüber hinaus leite ich auch einige Arbeit im Arbeitspaket drei, über Biomarker. Meine Erwartungen sind, dass wir am Ende zu greifbaren Ergebnissen kommen werden, die für die wissenschaftliche, medizinische und Patientenbevölkerung von Nutzen sein werden. Ich bin frohen Mutes, dass wir durch Projekte wie diesem vorankommen werden und, vielleicht durch weiterführende Projekte, zu sehr positiven Ergebnissen kommen werden.

Eric Thee, MD, Doktorand - Erasmus MC (Niederlande)

Ich bin ein junger Forscher, ein neuer Doktorand in der Gruppe um Caroline Klaver in Rotterdam. Meine Erwartungen für das EYE-RISK Projekt sind, dass wir eine gute Kollaboration aufbauen, die sich damit beschäftigt, die Probleme mit AMD zu löse. Etwas, was ich in den letzten Tagen bei dem EYE-RISK Treffen gesehen habe ist, dass es sehr fruchtbar ist, mit so vielen Wissenschaftlern mit verschiedenen Hintergründen zu arbeiten und ich sehe nur große Schritte in der Zukunft, die wir alle gemeinsam unternehmen können. Darüber bin ich sehr positive gestimmt.

Dr. Imre Lengyel, PhD, Senior Dozent – University College London (UK)

Ich bin Imre Lengyel, einer der Hauptuntersuchungsleiter von EYE-RISK. Wir kombinieren klinische und Grundlagenforschungs-Expertise, um Antworten auf die zugrundeliegenden Mechanismen der Entwicklung von altersbedingter Makula-Degeneration zu finden. Meine größte Erwartung ist, dass wir durch das Zusammenbringen verschiedener Experten ein viel besseres Verständnis davon bekommen, wie sich die Erkrankung entwickelt. Die Tatsache, dass wir in der Lage waren, Mediziner, Grundlagenwissenschaftler, Statistiker zusammenzubringen, macht einen enormen Unterschied für unser Verständnis der Erkrankung.

Dr. Jordi Monés, PhD, Direktor - Barcelona Macula Foundation (Spanien)

Vor nicht viel mehr als 10 Jahren, war die feuchte AMD eine Katastrophe, eine unheilbare, unkontrollierbare Erkrankung, die in unseren Patienten zu Blindheit geführt hat. Mittlerweile ist die feuchte AMD eine kontrollierbare Krankheit, also haben wir es schon einmal geschafft. Ich bin sicher, dass wir innerhalb der nächsten 10 Jahre Wege finden werden, die Erkrankung, und besonders die geografische Atrophie, zu verstehen. Wir werden auch Wege finden, um der Krankheit vorzubeugen. Wir müssen uns mehr auf die frühen und mittleren Stadien der AMD konzentrieren, dann wird sich einiges ändern. Und hoffentlich werden wir unseren Teil dazu leisten können.

Prof. Tunde Peto, MD, PhD, Professorin für klinische Ophthalmologie - Moorsfields Eye Hospital NHS Foundation Trust (UK)

Meine Aufgabe bei EYE-RISK ist die Leitung des Arbeitspakets 7. Dieses Arbeitspaket untersucht die Rolle kombinierter Bilder, genetischer Daten sowie ernährungs- und epidemiologischer Analysen auf ihren Mehrwert für zukünftige Risikobestimmungs-Modelle. Außerdem können so bessere Protokolle und Perspektiven für klinische Studien erstellt werden, die es ermöglichen, zuverlässige Daten der Patienten für anstehende Studien zu erfassen.

Prof. Phil Luthert. Professor für Pathologie – University College London (UK)

Meine Hauptaufgabe für EYE-RISK ist es, Computer-Modelle zu erstellen, um die Komplexität dieser Erkrankung darzustellen. Indem all die verschiedenen Elemente verstanden werden, können wir die kritischen Faktoren erkennen und somit den Fortschritt der Erkrankung aufhalten. Ich denke das Risiko bei unabhängiger Arbeit ist, dass jeder mit einer bestimmten Perspektive darüber endet, was hinter der Erkrankung steckt, aber bei komplexen altersbedingten Krankheiten müssen wir alles verstehen. EYE-RISK ermöglicht diese bemerkenswerte Gelegenheit, dies möglich zu machen.

Dr. Cécile Delcourt, PhD, Forschungsleitung für Epidemiologie - Université de Bordeaux (Frankreich)

Ich leite das Team der Universität in Bordeaux, wir sind vier Leute, die an EYE-RISK arbeiten. Hauptsächlich entwickeln wir ein Prognose-Werkzeug für das AMD-Risiko und zudem erstellen wir eine Website die es ermöglicht, das persönliche Risiko für AMD, basierend auf einem genetischen Test, der bestellt werden kann, anhand von Fragebögen über ihren Lebensstil, also Rauchen und Ernährung, und anhand von kleinen Veränderungen der Netzhaut, zu bestimmen. Ich denke wir verstehen jetzt viel mehr, was bei AD passiert und demnach haben wir jetzt immer mehr Werkzeuge, um Präventionsmodelle zu schaffen und wahrscheinlich auch neue Behandlungen zu ermöglichen.

Prof. Luis Serrano, PhD. Direktor – Centre for Genomic Regulation Barcelona / Fundacio Centre de Regulació Genòmica (Spanien)

Meine Rolle bei EYE-RISK ist es, eine Gruppe zu leiten, die sich mit systemischer Biologie-Analyse auseinandersetzt. Das heißt, wir betrachten Protein-Netzwerke, Mutationen und überlegen, wie diese einen Einfluss auf die bestehende Prädisposition einer AMD haben können. In einer perfekten Welt würde man einen Prädiktor finden und wir könnten allen Leuten helfen, keine AMD zu entwickeln. Natürlich sind 5 Jahre dafür zu ambitioniert, aber immerhin haben wir ein gutes Verständnis entwickelt, das wird eine gute Basis sein, um in naher Zukunft effektive Therapien zu entwickeln.

Prof. Anneke den Hollander, PhD. Professorin für molekulare Ophthalmologie –Radboud UMC (Niederlande)

Ich denke, dass wir anhand der Ergebnisse des EYE-RISK Projekts einen großen Schritt auf personalisierte Risiko-Bestimmung nehmen können, sodass bestimmt werden kann, wer unter AMD-Risiko leidet, wie hoch das Risiko ist und wir können auch Ratschläge geben bezüglich, zum Beispiel, des Lebensstils. Wenn also eine Person ein hohes genetisches Risiko trägt, könnten wir dieser Person zum Beispiel raten, seinen Lebensstil anzupassen, mit dem Rauchen aufzuhören, und sich gesund zu ernähren. Das könnte das Risiko dieser Person, eine AMD zu entwickeln, erheblich reduzieren.

Prof. Caroline Klaver, MD, PhD. Ophthalmologin und Epidemiologin, Erasmus MC and Radboud UMC (Niederlande)

EYE-RISK ist ein Projekt and dem Menschen aus verschiedenen Disziplinen zusammenkommen und Antworten auf dieselben Frage suchen: Was ist die Krankheitsentwicklung und -entstehung von AMD? So haben wir Genetiker, Epidemiologen, wir haben Grundlagenwissenschaftler, wir haben Computer-Wissenschaftler die in-silico Modelle erstellen. Und die Kombination all dieser Disziplinen bringt uns wirklich so viel weiter in der Beantwortung dieser Frage. In naher Zukunft werden wir viel besser dazu in der Lage sein, Patientengruppe mit derselben Pathogenese der AMD zu definieren und ihnen entsprechende klinische Studien anzubieten, um eine Intervention zu entwickeln, die für alle Formen der AMD nützlich sein wird. Dies wird definitiv innerhalb der nächsten zehn Jahre bereitstehen.

Prof. Marius Ueffing, PhD. Direktor, Inst. für ophthalmologische Forschung– Universität Tübingen (Deutschland)

Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir ein Wissens-Framework haben, welches uns hilft, AMD besser zu verstehen. Der nächste Schritt ist, dieses Wissen in medizinische Richtlinien zu übersetzen, in die Definition von Zielen für therapeutische Interventionen, in Vorschläge, wie die Therapien sich entwickeln können und auch, wie die Diagnostik der AMD verbessert werden kann, um Ärzten Leitfäden geben zu können, die Patientenunterstützen und um Wege zu entwickeln und zu etablieren, die ein Voranschreiten in die späten Formen der AMD aufhalten kann.

 

 

Weitere Informationen zum Thema EYE-RISK unter: http://www.eyerisk.eu/

Zuletzt geändert am 08.07.2019 11:04