Geschrieben von discovering hands am 17.07.2019 im Forum: PRO RETINA Forum

Berufschance auch ohne Reha-Anspruch - Blinde Tastspezialistinnen verbessern die Brustkrebsfrüherkennung

Hochgradig sehbehinderte Menschen sind oftmals arbeitslos oder berentet. Das geht auch anders! Das Mülheimer Sozialunternehmen discovering hands hat einen ärztlichen Assistenzberuf eigens für blinde und sehbehinderte Frauen entwickelt: Als qualifizierte Medizinisch-Taktile Untersucherinnen (MTUs) verbessern sie dank ihres hochsensiblen Tastsinns die Früherkennung von Brustkrebs. Da MTUs etwa 30 % mehr und bis zu 50 % kleinere Gewebeveränderungen (6 bis 8 mm) aufspüren als Ärzte (1 bis 2 cm), können sie die Heilungschancen verbessern und sogar Leben retten.
Ab 2019 können sich erstmals auch nicht reha-fähige Frauen zur MTU weiterbilden lassen. Möglich macht das SKala, die Spenden-Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten. In Partnerschaft mit dem gemeinnützigen Analyse- und Beratungshaus Phineo fördert sie discovering hands mit fast 1,4 Mio Euro. Das Förderprojekt dient dazu, 24 Frauen, die keine Umschulung finanziert bekommen, in die zehnmonatige Qualifizierung zur MTU zu bringen und anschließend an Praxen und Kliniken zu vermitteln, in denen sie Patientinnen untersuchen. Ebenfalls neu ist, dass die Hälfte der Umschulung per E-Learning von zuhause aus verläuft.
Die 30- 60-minütige Taktilographie verläuft nach einem qualitätsgesicherten Konzept. Die MTU tastet Brust und Lymphknoten systematisch in drei Tiefenschichten ab. Sie kann keinen Krebs tasten, sondern lediglich Gewebeveränderungen aufspüren. Der Facharzt stellt aufgrund ihres Taktilogramms die Diagnose und trägt die Verantwortung.
Die Früherkennung von Brustkrebs ist äußerst wichtig. Denn solange nur das Brustgewebe betroffen ist, ist er ungefährlich. Lebensbedrohlich wird er erst, wenn der Tumor streut. Studien bestätigen die Wirksamkeit der Taktilographie und die hohe Akzeptanz der Patientinnen: 94 % würden die Tastuntersuchung erneut wahrnehmen, 99 % weiterempfehlen.
Diese Untersuchung ist in jedem Alter sinnvoll: Für Frauen ab 50 bietet sie in Kombination mit dem Mammographie-Screening und der jährlichen Untersuchung durch den Gynäkologen eine optimale Früherkennung. Jüngeren Frauen, die noch nicht zum Screening gehen, bietet sie umso mehr Sicherheit. Bereits 26 gesetzliche und alle privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten von 46,50 Euro.
Derzeit arbeiten etwa 40 MTUs für discovering hands. Sie sind tageweise bei niedergelassenen Gynäkologen tätig. Das Unternehmen sucht bundesweit Interessentinnen für die Qualifizierung sowie Ärzte/innen, die in ihrer Praxis eine MTU beschäftigen möchten.

www.discovering-hands.de

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