Nachricht vom 18.08.2020Botond Roska – Körber-Preisträger 2020

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2020 geht an Botond Roska. Der ungarische Mediziner hat mit seiner Arbeit die Augenheilkunde revolutioniert und zählt zu den weltweit führenden Experten für die Erforschung des Sehens und der Netzhaut.

Körber Preisträger 2020 Botond Roska; Foto Friedrun Reinhold

Botond Roska hat sich zum Ziel gesetzt, Erblindeten das Augenlicht zurückzugeben. Die meisten Seherkrankungen gehen auf Defekte in der Netzhaut (Retina) zurück und sind häufig erblich oder altersbedingt. Roska hat die etwa hundert unterschiedlichen Zelltypen in der Retina aufgespürt und ihr Zusammenspiel ergründet. Nun arbeitet der Wissenschaftler daran, diese grundlegenden Einsichten für Patienten zu nutzen und deren Erkrankungen zu lindern oder zu heilen. Ein Durchbruch gelang Roska, als er einen Zelltyp im Auge so umprogrammierte, dass dieser die Funktion von defekten Lichtrezeptor-Zellen übernehmen konnte. Blinde Netzhäute konnte er damit wieder lichtempfindlich machen. Die klinische Erprobung bei blinden Menschen hat bereits begonnen.

Botond Roska, 50, studierte zunächst Cello an der Musikakademie in Budapest, musste seine Musikerkarriere aber wegen einer Verletzung aufgeben und absolvierte im Anschluss ein Medizin- und Mathematikstudium. Zusammen mit Professor Hendrik Scholl wurde er im Dezember 2017 Gründungsdirektor des Instituts für Molekulare und Klinische Ophthalmologie Basel, IOB.

Lange Zeit verliefen Innovationen in der Augenheilkunde frustrierend langsam. »Das liegt daran, dass Grundlagenforscher oft die therapeutischen Bedürfnisse in den Kliniken nicht genau genug kennen« erklärt Roska. Unter anderem, weil ihnen der unmittelbare Kontakt zu den Patienten fehlt. Die Wissenschaftsteams in den Kliniken hingegen seien meist nur unzureichend über den neuesten Stand der Grundlagenforschung informiert.

Um diese Lücke zu schließen, verfolgt das IOB seit 2017 einen interdisziplinären Ansatz, bei dem »Grundlagenforscher und Kliniker täglich Hand in Hand zusammenarbeiten«. Ein wesentlicher Faktor des Erfolges vom IOB ist der multidisziplinäre Zugriff und die Kombination von Methoden aus Genetik, Molekularbiologie, Neurowissenschaften und Informatik. Traditionell hatten Mediziner die Netzhaut des Auges vorwiegend als Gewebe untersucht. Roska und Kollegen hingegen machten sich die Mühe, erstmals intensiv die rund hundert Zelltypen in der Netzhaut und deren funktionelles Zusammenwirken zu studieren. Das Team lokalisierte und kartierte zudem Gendefekte, die zu Augenleiden führen. Damit schufen die Forscher einen Fundus an neuem Wissen, der die Augenheilkunde auf eine neue Basis stellt.

Der mit einer Million Euro dotierte Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2020 wird Roska am 7. September im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses überreicht.

Die vollständige Pressemeldung der Körber Stiftung finden Sie hier

Zuletzt geändert am 27.08.2020 15:06