Nachricht vom 11.10.2016DOG 2016 – Neues aus Forschung und Therapie

Bedeutung der Augenheilkunde wächst

Berlin – Mit mehr als 4.600 Kongressteilnehmern ist die DOG 2016 erfolgreich zu Ende gegangen. „Unter dem Motto „Augenheilkunde – ein großes Fach“ informierten sich Mediziner aus 86 Ländern über neue Erkenntnisse aus Forschung, Diagnostik und Therapie. Zu den Highlights zählte neben den international besetzten Keynote Lectures die Verleihung der Albrecht-von-Graefe-Medaille an Professor Eberhart Zrenner.

Die ganze Breite und Bedeutung des Faches Augenheilkunde aufzuzeigen, war das Ziel des diesjährigen Kongresses. „Das haben wir erreicht, wie die sehr hohe Teilnehmerzahl unterstreicht, darunter allein über 2850 Fachteilnehmer“, freut sich DOG-Präsident Professor Dr. med. Horst Helbig. „Augenleiden sind Volkskrankheiten, die enorme gesellschaftliche Relevanz besitzen“, fügt der Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Regensburg hinzu. „Etwa achtzehn Millionen Deutsche sind von Augenerkrankungen betroffen, Augenoperationen zählen zu den mit Abstand häufigsten Eingriffen hierzulande.“ Nach Einschätzung der Experten wird der augenärztliche Bedarf in den kommenden zwanzig Jahren um weitere zwanzig Prozent steigen.

Herausragender wissenschaftlicher Höhepunkt war in diesem Jahr die Verleihung der Albrecht-von-Graefe-Medaille an Professor Dr. med. Dr. h.c. mult. Eberhart Zrenner, den Erfinder des elektronischen Retina-Implantats. Die DOG verleiht die Medaille nur alle zehn Jahre an bedeutende Forscher. „Ob Organersatz, Transplantationen, Gentherapie oder Netzhaut-Chips – in seiner Vorlesung konnte Eberhart Zrenner eindrucksvoll aufzeigen, dass die Augenheilkunde auf vielen medizinischen Gebieten eine Vorreiterrolle eingenommen hat“, so Helbig.

Zu weiteren wissenschaftlichen Highlights zählten die Keynote Lectures von Professor Minas Coroneo, Australien, und Professor Morten Dornonville de la Cour, Dänemark. „Diese beiden Experten hielten ihre Keynote Lectures zu ganz praktischen Themen“, erläutert Helbig. „Professor Coroneo legte dar, warum wir das Auge vor Sonnenlicht schützen sollen, und Professor Dornonville de la Cour berichtete über den Zusammenhang zwischen Grauer-Star-Operation und Netzhautablösung, ebenfalls ein hochaktuelles Thema.“

Danben kamen auch neue Formate sehr gut an. Im Symposium „Vom Saulus zum Paulus“ berichteten erfahrene Ophthalmologen, wie sie ihre Meinung zu medizinischen Standards im Laufe ihrer Tätigkeit geändert haben. Die Sitzung „Aus Fehlern lernen“ wiederum knüpfte an die in Großbritannien weitverbreitete Kultur an, über Fehlentscheidungen offen zu diskutieren – der Vortragssaal war überfüllt. „Ich danke allen Referenten für ihren Mut, sich diesen neuen Inhalten zu stellen“, so Helbig.

Ungebrochen groß war der Zulauf zum kompakten Fortbildungs-programm „DOG-Update – State of the Art“.Zum vierten Jahr in Folge stellten Experten am Samstag und Sonntag in zehn jeweils 45-minütigen Sitzungen die wichtigsten Veröffentlichungen der vergangenen zwölf Monate vor. „Dieses Format bietet den Teilnehmern eine umfassende Auffrischung ihrer Kenntnisse sowie konkrete Empfehlungen für Diagnostik und Therapie in Klinik und Praxis“, berichtet Helbig.

Weitere Zahlen zur Bilanz der DOG 2016: Das Programm bot den teilnehmenden Augenärzten insgesamt 1038 wissenschaftliche Beiträge und 249 Sitzungen – verteilt auf 69 Symposien, zehn Updates, 24 freie Vortragssitzungen, 35 Kurse, 32 Postersitzungen, drei Keynote Lectures, darunter die Albrecht-von-Graefe-Gedächtnisvorlesung. Komprimierte Informationen bot auch die Industrieausstellung*: 111 Aussteller präsentierten auf 2096 Quadratmetern Fläche ihre Produkte, zudem fanden 18 Firmenveranstaltungen statt.

Auch das Rahmenprogramm* stieß wieder auf große Resonanz. Stürmischen Applaus ernteten die Musiker des „DOG in Concert“, die ihre klassischen Meisterwerke in diesem Jahr im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie zu Gehör brachten. Die Gelegenheit zum sportlichen Ausgleich wurde beim traditionellen Benefizlauf der Stiftung Auge ebenfalls intensiv genutzt. „Viele Kongressteilnehmer gaben uns die Rückmeldung, wie wichtig es ist, sich auch in einem informellen Rahmen wiederzutreffen und Kontakte zu pflegen“, berichtet Helbig.

Der nächste DOG-Kongress findet unter der Präsidentschaft von Professor Dr. med. Thomas Kohnen statt. Der Direktor der Universitäts-Augenklinik Frankfurt hat dafür das Motto „Deutsche Augenheilkunde international“ gesetzt. Vom 28. September bis 1. Oktober 2017 tagt die DOG wieder im Berliner Estrel Congress & Messe Center. Erste Vizepräsidentin und damit Kongresspräsidentin 2018 wird Frau Professor Dr. Nicole Eter, Direktorin der Universitäts-Augenklinik Münster.

Neu in das Gesamtpräsidium gewählt wurden außerdem: Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer aus Mainz sowie Professor Dr. med. Marius Ueffing aus Tübingen, der die neu geschaffene Position des Vertreters der habilitierten ophthalmologischen Hochschullehrer übernimmt, die ausschließlich im Bereich der experimentellen Ophthalmologie tätig sind. Zum Delegierten des Berufsverbandes der Augenärzte wurde Dr. med. Peter Heinz aus Schlüsselfeld gewählt, Professor Dr. med. Burkhard Dick aus Bochum zum Delegierten der Deutschsprachigen Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation, interventionelle und refraktive Chirurgie. Professor Dr. med. Nicolas Feltgen aus Göttingen gehört dem Gesamtpräsidium künftig als Delegierter der Retinologischen Gesellschaft an, Frau Professor Dr. med. Birgit Lorenz aus Gießen als Vertreterin der Sektion DOG-Genetik.

Patientensymposium der PRO RETINA

Dr. Gliem
Dr. med. Martin Gliem, Universitätsaugenklinik Bonn

Die PRO RETINA Deutschland e. V., die bundesweit tätige Selbsthilfevereinigung für und von Menschen mit Netzhautdegenerationen hat sich mit einem Patientensymposium am Rande der DOG an Patienten und Angehörige gewandt.

Netzhaut-Patienten, zum Beispiel mit einer Retinitis Pigmentosa (RP), hoffen auf therapeutische Möglichkeiten, den fortschreitenden Sehverlust zum Stillstand zu bringen oder gar ihr Sehvermögen wiederherstellen und konnten sich so über den Stand der Forschung und neue Therapieansätze informieren.

Die Veranstaltung bot Antworten auf die Fragen: Wo stehen wir heute? Was bringt die Zukunft? und der Vorstandsvorsitzende der PRO RETINA Deutschland e. V., Franz Badura beschrieb in der Eröffnung die „Herausforderungen für die Zukunft“.

Über „Netzhautdystrophien: Kombination detaillierte augenärztliche und molekulargenetische Diagnostik: was bringt es dem Patienten?“ berichte Dr. med. Martin Gliem von der Universitätsaugenklinik Bonn.

Prof. Dr. Eter
Professor Dr. Nicole Eter, Direktorin der Universitäts-Augenklinik Münster

Frau Prof. Dr. med. Nicole Eter von der Universitätsaugenklinik in Münster erörterte das Thema „Ursachen, Prävention und therapeutische Möglichkeiten bei der trockenen und feuchten AMD - aktuelle und zukünftige Strategien“.

Die altersabhängige Makula-Degeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für schlechtes Sehen und gesetzliches Erblinden in den Industrieländern. Sie tritt überwiegend ab dem 50. Lebensjahr auf, aber auch unter 50-jährige können von einer frühen Form der Makuladegeneration betroffen sein.
Deutschlandweit gibt es rund 4 Millionen Menschen mit einer Form der Makula-Degeneration.

Zuletzt geändert am 20.11.2018 10:33