Nachricht vom 22.10.2010Alle Facetten des Sports

Aktionswoche zum Behindertensport an der Sporthochschule Köln von Sandra Moqaddem

Vom 18. bis 22. Oktober 2010 fand an der Sporthochschule Köln die zweite Aktionswoche zum Behindertensport statt. Der Behindertensport ist Bestandteil von Forschung und Lehre an der Sporthochschule Köln. Hinter der Aktionswoche steckt die Idee, diese Aktivitäten in die Öffentlichkeit zu tragen und die Ziele des Sports für Menschen mit einer Behinderung für Zielgruppen innerhalb und außerhalb der Hochschule darzustellen. Die Aktionswoche wird von der Deutschen Sporthochschule Köln in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Behindertensportverband e. V., dem Deutschen Rollstuhlsportverband e. V. und dem Forschungsinstitut für Behinderung und Sport e. V. organisiert. Neben den praktischen und theoretischen Veranstaltungen im Laufe der Aktionswoche für die Studierenden fand am 20. Oktober 2010 die Hauptveranstaltung im Hörsaaltrakt der Deutschen Sporthochschule statt. Hier war die PRO RETINA Deutschland e. V. mit einem Informationsstand vertreten.

Ein Student am Informationsstand PRO RETINA
Ute Palm und Sandra Moqaddem am Informationsstand. Ein Sportstudent probiert einen Kantenfilter aus

Dr. Walter Tokarski, Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln, wies in seinem Grußwort auf die Behindertenrechtskonvention von 2009 hin. Teilhabe bedeutet demnach, dass Aktivitäten in allen Bereichen, die der betroffenen Person wichtig sind, ohne Beeinträchtigung ausgeübt werden können.

Sport als Katalysator

Sport wirkt hierbei als Vorreiter und als Katalysator, denn er steht für mehr Akzeptanz für die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen - dieses auch vor dem gesamtgesellschaftlich zu sehenden Hintergrund, dass lebenslange Aktivität im Leben und im Sport notwendig ist.

Die Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit bekommt für Menschen mit Beeinträchtigungen umso mehr Gewicht und zeugt von einer aktiven Teilhabe am Leben. Im Sport erfährt der Einzelne ein aktives Erleben seiner Möglichkeiten und seiner Grenzen. Er erlernt Fertigkeiten, er lernt die Fähigkeit, sein Können selbst einzuschätzen, seine Grenzen zu akzeptieren, eventuell zu überwinden und ein Stück weit zu verschieben.

Förderung des Behindertensports an der Deutschen Sporthochschule Köln

Der Außenminister a. D. Dr. Klaus Kinkel, Mitglied des Hochschulrats der Deutschen Sporthochschule Köln, legte dar, dass die Lebensfreude und den Einsatz, den Spitzenbehindertensportler zeigen, dazu beitragen, anderen behinderten Sportlern Mut zu machen. Daher sollten Behindertensportveranstaltungen auf großer, mittlerer und kleiner Ebene stattfinden.

Kinkel stellte die Frage, inwieweit die Gesellschaft angesichts des medial verzerrten Bildes von Jugend, Schönheit und Erfolg sensibel reagieren kann, wenn es um Nöte der nicht so Leistungsfähigen geht, die jeden treffen - insbesondere am Anfang und am Ende des Lebens, durch Schicksale oder durch Behinderungen. Von daher sei es umso wichtiger, das Bild wieder ein Stück weit in Richtung Vielfalt und Realität zu rücken, indem dem Behindertensport ein medialer Raum zugestanden wird.

Sport stärkt das Selbstbewusstsein und fördert die Integration in die Gesellschaft, so Kinkel. Die Sportler haben die Möglichkeit, Freundschaften zu schließen, fremde Länder kennen zu lernen, Freude und Bestätigung durch ihre Erfolge zu erfahren, was wiederum ihren Charakter formt und sich positiv auf ihre Konzentrationsfähigkeit und ihre Leistungsbereitschaft auswirkt. So erfährt der behinderte Sportler eine interessante, aufregende Welt.

Vom Nischendasein in die Öffentlichkeit

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands e. V., Friedhelm Julius Beucher, stellte fest, dass der Behindertensport in den letzten Jahren aus seiner Nische langsam in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten ist. Der Respekt für die Leistungen von Menschen mit Behinderungen zeige sich besonders gegenüber den Leistungssportlern, dann auch im Bereich des Breitensports, schließlich gäbe es 27.000 Übungsleiter in etwa 5.000 Vereinen. Ein weiteres Beispiel ist, dass die Behindertensportjugend zum ersten Mal bei "Jugend trainiert für Olympia" dabei sein konnte. Schließlich zeigte sich auch bei den Winterparalympics in Vancouver 2010, dass Deutschland mit 13 Goldmedaillen am besten abschnitt.

Die Aspekte zum Erfolg

Den Hauptvortrag hielten Verena Bentele und Thomas Friedrich, mehrfache Paralympicssieger Vancouver 2010 im Bereich Ski nordisch.

Beim Schießen im Biathlon verläßt sich die blinde Verena Bentele auf ihr Gehör und wird auf dem Bauch im Schnee liegend durch akustische Signale geleitet, um die Scheibe möglichst im Zentrum zu treffen. Skilanglauf macht Verena Bentele mit Thomas Friedrich. Er ist Absolvent der Deutschen Sporthochschule und läuft als Begleitläufer vor Verena Bentele her und kommuniziert mit ihr über prägnante Kommandos. So leitet er sie sicher durch das Gelände. Verena Bentele ihrerseits muss ein sehr gutes Vertrauen zu Thomas Friedrich haben und sich auf ihren Körper zu hundert Prozent verlassen können. Die beiden müssen als gut eingespieltes Team funktionieren, und das im Hinblick auf eine gute Fahrtechnik, Kraft und Ausdauer, eine gute Kommunikation und nach und vor dem Training oder dem Wettkampf mit Pflege und Wartung des Materials.

Die Kommunikation endet natürlich nicht bei den Kommandos und der schnellen Reaktion, sondern es werden knifflige Wettkampfsituationen einstudiert und gefestigt. Das zu befahrende Gelände muss vor dem Wettkampf kennen gelernt werden. Möglicherweise sind Verhaltensweisen oder Techniken zu ändern, so dass auch eine Diskussionskultur oder Feedbackkultur notwendig sind. Es ist eben das völlige sich aufeinander Einlassen und Mitschwingen in allen Bereichen wichtig - von Verena Bentele und Thomas Friedrich als Team.

Wo will ich hin?

Kraft, Ausdauer, Material, Trainingsplan sind schon einmal "ein Teil der Miete". Darüber hinaus ist es sehr wichtig, Motivation zu haben und mental Ziele zu definieren. "Wo will ich hin?" "Was muss ich investieren?", so Bentele und Friedrich wörtlich, die sich natürlich auch den Vortrag geteilt hatten und sich die einzelnen Passagen zuspielten.

Wo muss ich Kraft einsetzen? Ich muss die Herausforderung annehmen, dafür kämpfen. Aber gleichzeitig muss der Sport noch Spaß machen!

Die Motivation kommt von außen, beispielsweise durch die Unterstützung von Freunden, Familie und der Mannschaft. Daneben gibt es die Motivation, die dadurch entsteht, wenn man sich auf ein Ziel fokussiert. (DEN Berg da vor mir, die Distanz, das Trainingsziel will ich erreichen; diese Bewegung will ich verbessern, diese Feinheiten trainieren.) Dieses sollten natürlich nur positive, auf die Zukunft gerichtete Ziele sein. So lassen sich auch Teilsituationen auf dem Weg zum Erfolg und zum großen Ziel gut bewältigen.

Dass Verena Bentele und Thomas Friedrich ihr Ziel erreicht haben, haben sie mit fünf Mal Gold in Vancouver 2010 bestens bewiesen!

Zuletzt geändert am 13.11.2018 17:07