Persönliche Erfahrungen

Bericht einer 68-Jährigen mit pathologischer Myopie und Makula-Degeneration

„Ich wollte um jeden Preis die schreckliche Brille loswerden.“

Lilly
Als ich mit vier Jahren die schwarzen Vögel auf dem Dach nicht zählen konnte, dachte niemand an eine Kurzsichtigkeit. Erst der Lehrerin fiel auf, dass ich mit zusammengekniffenen Augen angestrengt an die Tafel sah, obwohl ich in der vordersten Reihe saß. Der Augenarzt stellte einen Visus von -6 dpt fest. Nun musste ich zu meinem Leidwesen eine Brille mit Gläsern tragen, die von Jahr zu Jahr dicker wurden. Ich entwickelte mich zu einer Vielleserin und Stubenhockerin, die ihre Bücher dicht vor die Augen hielt.

Über Nacht kamen die grauen Wolken

Mit 17 Jahren setzte ich in den Diskotheken die Brille ab und taumelte halbblind durch eine Welt von Lichtern und schemenhaften Gesichtern. Irgendwann hatte ich die Faxen dicke und durchlitt das mehrmonatige, unangenehme Anpassungsprozedere mit den damals (1968) noch sehr großen und wenig Sauerstoffdurchlässigen Kontaktlinsen. Ich wollte um jeden Preis die hässlichen -20 dpt starken Brillengläser loswerden.

Mit 31 Jahren sah ich plötzlich, buchstäblich über Nacht, auf dem rechten Auge nur noch undurchdringliche, graue Wolken. Die Fahrradspeichen, in der Peripherie noch sichtbar, waren seltsam verzogen und verformt. Die Diagnose lautete: „Makula-Degeneration. Da kann ich leider nichts machen“, sagte der Augenarzt. Ich reagierte auf diese Aussage mit heftigem Weinen, noch in der Klinik. Mit der Zeit gewöhnte ich mich an den Zustand, zumal mir mein eigener Augenarzt versichert hatte, dass „es ganz oft nicht beide Augen erwischt“.

Mit PRO RETINA an der Seite – 30 Jahre später 

Den Begriff „Pathologische Myopie“ lernte ich erst mehr als 30 Jahre später in der PRO RETINA kennen. Ich suchte den Kontakt zur PRO RETINA, als sich auch mein sehendes Auge verschlechterte und ich Mühe hatte, Berufstätigkeit, Autofahren und Enkelhüten zu bewältigen.

Ich profitiere noch heute von dem intensiven Erfahrungsaustausch, den unterstützenden Beratungsgesprächen und dem geballten Expertenwissen, das mir in der PRO RETINA zur Verfügung gestellt wird.

Inzwischen sehe ich durch eine erfolgreiche Katarakt-OP (grauer Star) im linken Auge deutlich besser und hoffe, dass mir dieser erfreuliche Zustand trotz der degenerativen Prozesse in der Netzhaut noch einige Zeit erhalten bleibt.

 

Katrin H. ist 46 Jahre alt, Buchhalterin und leidet an pathologischer Myopie, einer seltenen, schweren Form der Kurzsichtigkeit. Im Interview spricht sie über den Alltag mit einer Sehbehinderung, ihre Ängste und die Selbsthilfe.

 

In der Broschüre „Kurzssichtigkeit – (K)Eine Gefahr für das Augenlicht?“ finden Sie weitere Erfahrungsberichte.

Zum Download im Mitgliederbereich

Das Krankheitsbild „Pathologische Myopie“

 

Suchen Sie Kontakt zu Menschen mit Kurzsichtigkeit? Wünschen Sie mehr Informationen oder haben eine konkrete Frage? Wenden Sie sich gern an den Arbeitskreis Pathologische Myopie der PRO RETINA, in dem sich betroffene Menschen für Aufklärung, Unterstützung und Hilfen stark machen. Kontaktieren Sie die unsere Ansprechpartner.

Zuletzt geändert am 13.11.2020 10:44