Staphylome

Wenn das Auge zu sehr wächst, hat dies zur Folge, dass Gewebeschichten, die das Auge umgeben, dünner werden. Die Augenhülle, die Lederhaut, auch Sklera genannt, dünnt aus: Es kann zu beerenförmigen Ausbuchtungen im hinteren Bereich des Auges kommen. Die beerenförmigen Ausbuchtungen (Staphylom), die sich bei mindestens der Hälfte der stark kurzsichtigen Augen finden, gehen häufig mit Schäden im Bereich der Netzhaut und der Aderhaut einher.

Netzhautloch (Makulaforamen)

Im kurzsichtigen Auge kommt es bei jüngeren Menschen zu einer Verflüssigung und Abhebung des Glaskörpers, der den größten Teil des Augapfels ausfüllt. Während der Ablösung des Glaskörpers von der Netzhaut kann es sein, dass an einigen Stellen Anhaftungen verbleiben, an denen der Glaskörper dann an der Netzhaut zieht. Eventuell entsteht auf diese Weise sogar ein Loch oder es bilden sich Narben (epiretinale Membran, Gliose) im Bereich der Makula. Die Betroffenen nehmen dann oft Verzerrungen in der Mitte des Gesichtsfeldes wahr oder es entsteht ein blinder Fleck. Mit einer Operation (Vitrektomie), bei der der Glaskörper entfernt, anhaftende Membranen gelöst und das Makulaforamen verschlossen wird, kann das Sehvermögen vielfach wieder verbessert werden.

Netzhautablösung (Ablatio retinae)

Bei stark kurzsichtigen Augen kommt es in der Folge häufiger zu einer Degeneration am Rand der Netzhaut. Damit steigt auch das Risiko, dass sich die Netzhaut von ihrer Unterlage ablöst. Einer Netzhautablösung geht in aller Regel die Entwicklung eines Netzhautlochs voraus. Die Patienten bemerken oft Blitze, Schatten oder Rußregen.

Rechtzeitig erkannt, lässt sich ein solches Netzhautloch noch vor der Entstehung einer Netzhautablösung mit Hilfe eines Lasers oder eines Kältestiftes behandeln. Wenn die Netzhaut erst einmal abgelöst ist, muss eine Operation erfolgen, in vielen Fällen kann eine Operation mit Entfernung des Glaskörpers (Vitrektomie) notwendig werden.

Schon bei einer Kurzsichtigkeit zwischen -1 und -3 Dioptrien ist das Risiko einer Netzhautablösung viermal höher als bei normalsichtigen Augen, bei einer Myopie zwischen -3 und -6 Dioptrien ist das Risiko sogar zehnmal so hoch.

Veränderungen der zentralen Netzhaut

Myope Makuladegeneration – myope CNV

Durch das übermäßige Wachstum des Augapfels und die damit verbundene Länge sind Netzhaut und Aderhaut einer besonders hohen Spannung ausgesetzt. Als Folgeerscheinung treten häufig eine Verdünnung des Netzhautgewebes und sogenannte "Lacksprünge" auf, das sind Risse in der Bruchschen Membran. Es kann daher sein, dass sich bei stark kurzsichtigen Patienten im Bereich der Makula krankhafte Blutgefäße bilden, sogenannte myope chorioidale Neovaskularisationen (mCNV), die aus der Aderhaut in die Netzhaut einsprießen. Da diese in der Regel sehr instabil gebildet sind, geben sie meist Flüssigkeit und Blut in die Netzhaut ab, was schwerwiegende Folgen haben kann. Ein erstes Anzeichen sind meist Bildverzerrungen. Hierbei erscheinen gerade Linien, beispielsweise bei schachbrettähnlichen Mustern oder Fliesen, in welligen Formen. Diese krankhaften Gefäßneubildungen können mit Medikamenten behandelt werden, die einen Wachstumsfaktor, den „vascular endothelial growth factor“ (VEGF), hemmen. Diese Medikamente werden unter sterilen Bedingungen im Operationssaal direkt in den Augapfel injiziert. Behandelt sind die Aussichten für die Betroffenen gut, ihr Augenlicht zu erhalten. Bei einigen Patienten bildet sich ein sog. Fuchs ‘scher Fleck, in der Mitte der Makula heraus. Er beschreibt einen dunklen Fleck in der Makula und stellt das Narbenstadium einer mCNV dar.

Spaltbildung in der Netzhautmitte (myope makuläre Retinoschisis)

Durch das verstärkte Längenwachstum des Augapfels, die Aussackungen der Augenhülle (Staphylom) und zusätzlichen Zugwirkungen des Glaskörpers kann es zu einer Spaltung der Netzhautschichten im Bereich des hinteren Auges in der Makula kommen. Dies tritt bei bis zu zehn Prozent der hoch kurzsichtigen Menschen auf. Beim Fortschreiten dieser Veränderung nehmen die Netzhaut und die Photorezeptoren (Sinneszellen) Schaden. Dies führt bei längerem Bestehen zu zunehmenden Sehstörungen. Durch eine Glaskörperoperation kann dies in bestimmten Fällen verhindert werden.

Grüner Star (Glaukom)

Der Sehnerv und die Stelle, an der er ins Auge eintritt, können bei einer hohen Myopie ebenfalls betroffen sein. Die empfindlichen Nervenfasern werden im kurzsichtigen Auge häufiger geschädigt, deshalb ist bei hoher Myopie auch das Risiko für einen Grünen Star erhöht.

Grauer Star (Katarakt)

Die Eintrübung der Augenlinse wird als Katarakt bezeichnet. Im deutschen Sprachgebrauch wird die gräuliche Einfärbung einer fortgeschrittenen Katarakt als „Grauer Star“ bezeichnet. In ca. 90% der Fälle ist die Katarakt eine altersbedingte Erkrankung. Bei hochgradig Kurzsichtigen Menschen setzt diese Trübung häufig vorzeitig ein.

Schielen

Die Form des Augapfels beeinflusst auch die Augenmuskeln. Die Bindegewebsstrukturen, die als Leitschienen für die Muskeln dienen, können bei einem langen Augapfel mit den Jahren überdehnt und/oder instabil werden. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Schielens im Erwachsenenalter.

Zuletzt geändert am 10.05.2021 20:11