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Informationen zur Vorsorge von Kurzsichtigkeit (Myopie)

Junge beim Sehtest_ Foto: iStock
Junge beim Sehtest, Foto: iStock

Die „Schulmyopie“ ist mit rund 90 Prozent der Fälle die häufigste Form einer Kurzsichtigkeit. Hierbei endet das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit im Erwachsenenalter meist bei rund -6 Dioptrin (dpt). Von einer angeborenen Kurzsichtigkeit spricht man, wenn bereits junge Kinder betroffen sind. Je früher die Kurzsichtigkeit beginnt, desto höher sind gewöhnlich die erreichten Endwerte. Diese „hohe Myopie“ ist nicht selten mit Werten von -20 dpt oder mehr verbunden. Sie betrifft in Deutschland lediglich fünf Prozent der Bevölkerung.

Eine bereits bestehende Kurzsichtigkeit kann nicht rückgängig gemacht werden. Jedoch versuchen Augenärzte der Zunahme der Kurzsichtigkeit bei Kindern entgegenzuwirken. Dies betrifft die Altersgruppen, in denen die Kurzsichtigkeit typischerweise am schnellsten fortschreitet, etwa zwischen acht und 15 Jahren. Bis zur Einschulung sind die Kinder meist weitsichtig. Häufige Naharbeit in der Schule, durch Smartphones oder Computer, fördert die Entwicklung der Kurzsichtigkeit. Man vermutet, dass durch solche Naharbeiten das Längenwachstum des Augapfels angeregt wird. Bei Kindern, deren Eltern kurzsichtig sind, ist die Gefahr einer Zunahme der Kurzsichtigkeit besonders groß.

Tageslicht

Studien zeigen, dass der Aufenthalt im Freien bei Kindern der Kurzsichtigkeit entgegenwirkt. Man vermutet, dass die besseren Lichtverhältnisse im Freien die Ausschüttung von Dopamin im Körper begünstigen. Dopamin hemmt das Augenlängenwachstum und somit die Kurzsichtigkeit. Versuche an Küken, die eine Injektion ins Auge mit einem Dopamin-Hemmstoff erhielten, hob bei ihnen den schützenden Effekt des Lichts wieder auf. Demnach vermuten Wissenschaftler, dass Kurzsichtigkeit bei Kindern negativ beeinflusst werden kann, wenn sie täglich etwa zwei bis drei Stunden lang im Freien sind.

Kontaktlinsen

Durch spezielle geformte Kontaktlinsen, die nachts getragen werden, soll das Längenwachstum des Augapfels bei hochgradig kurzsichtigen Kindern verhindert werden. Die Orthokeratologischen Kontaktlinsen sorgen dafür, dass die Hornhaut am Augenrand eine stärkere Krümmung erhält. Dadurch kann das äußere Netzhautbild scharf gestellt werden. Die Kontaktlinsen können laut Aussagen von Augenärzten bei bis zu -4 dpt wirksam sein. Eine geringe Hornhautverkrümmung bis etwa 0,75 dpt kann unter Umständen ebenfalls korrigiert werden. Beim Anwenden der Kontaktlinsen muss auf die Versorgung der Hornhaut mit Sauerstoff geachtet werden. Eine fachkundige Begleitung durch einen Augenarzt ist zwingend erforderlich.

Atropin als Therapie

Eine Alternative zu den Kontaktlinsen ist eine Therapie mit Atropin. Atropin ist ein natürlicher Bestandteil der Nachtschattengewächse wie der Tollkirsche (Atropa belladonna). In der Medizin wird Atropin schon seit Jahrhunderten verwendet. Atropin war bereits um 1860 als möglicher Hemmer der Kurzsichtigkeit in Deutschland verwendet worden und wird seit einiger Zeit wieder in der Augenheilkunde angewandt.

Um bei Kindern zwischen sechs und 14 Jahren das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit zu verlangsamen, werden abends den Kindern gering dosierte Atropin-Augentropfen (0,01 Prozent) verabreicht. Empfohlen wird die Therapie, wenn die Kurzsichtigkeit um mindestens 0,5 dpt pro Jahr zunimmt. Die Augentropfen können mit Kontaktlinsen kombiniert werden. Eine gründliche augenärztliche Untersuchung stellt die Basis der Atropin-Therapie dar. Die Kosten für diese Therapie werden nicht von den Gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Lesedauer und Leseabstand

Eine Analyse vieler Studien kam zu dem Ergebnis, dass jede “Dioptrienstunde” (Leseabstand in Dioptrien x Lesedauer) pro Woche die Wahrscheinlichkeit, kurzsichtig zu werden, um zwei Prozent erhöht. Einige Studien zeigten, dass Kinder mit einem kurzen Leseabstand häufiger kurzsichtig werden. Deshalb sollte mit größerem Leseabstand gelesen oder gearbeitet werden (30 Zentimeter oder mehr). Ein großer Computerbildschirm bietet Vorteile, indem er eine Betrachtung aus 50 Zenztimeter Entfernung oder mehr erleichtert. Ein regelmäßiger Blick in die Ferne beim Lesen soll hilfreich sein. Dennoch gilt: Die Dauer des Nahsehens sollte so gering wie möglich gehalten werden.

Sie haben Fragen, Anregungen oder wünschen eine Beratung? Wenden Sie sich bitte an den Arbeitskreis Pathologische Myopie.


Ansprechpartnerin:

Ruth Forschbach
Tel. (0 22 34) 61 15 0
ruth.forschbach@pro-retina.de

Zuletzt geändert am 13.11.2020 10:51