Neues Forschungsprojekt zur trockenen AMD

Die Universitätskliniken Regensburg und Bern erforschen in einem neuen Verbundprojekt den Einfluss des Immunsystems auf Schädigungen der menschlichen Netzhaut. Langfristiges Ziel ist es, erstmals eine Therapieoption für die trockene AMD zu entwickeln. Finanziert wird das auf zwei Jahre angelegte Forschungsvorhaben von der Schweizer VELUX-Stiftung mit 230.000 Schweizer Franken.

Altersbedingte Makuladegeneration

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für Sehbehinderung bei älteren Menschen. Rund 34 Millionen Menschen in Europa sind von dieser unheilbaren Krankheit betroffen, die Sehzellen in der Makula zerstört. Die Makula ist der Bereich der Netzhaut der die größte Dichte an Lichtrezeptoren aufweist.

Die Betroffenen sehen nicht mehr scharf, können kaum noch lesen und keine Gesichter mehr erkennen. Risikofaktoren sind das Lebensalter, Rauchen, familiäre Vorbelastung und starke Lichteinstrahlung. Eine Fehlregulation des Immunsystems, insbesondere des Komplementsystems, wird als Hauptursache für AMD angesehen. Das Komplementsystem ist jedem Menschen angeboren und richtet sich unspezifisch also allgemein gegen Krankheitserreger und körperfremde Zellen. Die Mechanismen, die der Volkskrankheit zugrunde liegen, sind bisher nicht im Detail erforscht. Daher fehlen entsprechende Therapien vor allem bei trockener AMD.

Projektinhalte und -details

In dem Verbundprojekt „Function and Modulation of the Complement Regulator Properdin at the Retinal Pigment Epithelium“ untersuchen Dr. Diana Pauly, Biologin im Labor für Experimentelle Augenheilkunde im Universitätsklinikum Regensburg (UKR), und Professor Volker Enzmann, Forschungsleiter für Experimentelle Ophthalmologie des Universitätsspitals Bern, nun in einer präklinischen Studie die Funktion von Properdin. Properdin ist das einzig bekannte Protein, dass das Komplementsystem stabilisiert und dadurch dessen Wirkung verstärkt.

In der Studie soll die Wirkung neuartiger Antikörper gegen Properdin als innovative Therapeutika getestet werden. Im Fokus stehen dabei Zellen, die die Umgebungsbedingungen für die Lichtrezeptoren im Auge beeinflussen und intakt halten: Das retinale Pigmentepithel (RPE). Laut Dr. Pauly geht man in der Studie davon aus, dass das Komplementsystem, von dem bisher angenommen wurde, dass es nur über den Blutkreislauf wirkt, in den Zellen im Auge lokal reguliert wird. Die durch das lokal kontrollierte  Komplementsystem ausgelöste Erkrankung könnte mit einem neuartigen Antikörper erfolgreich gelindert werden.

Auf diese Weise soll die Studie helfen, eine völlig neue Strategie für die Therapie bei AMD zu finden. Zum einen wird der Einfluss bestimmter Zellen des Pigmentepithels auf die Fehlregulation des Komplementsystem untersucht. Zum anderen soll die Überaktivierung dieses Systems im Auge durch einen Antikörper gedämpft werden.

Professor Enzmann vom Universitätsspital Bern simuliert hierfür in seinem Labor an Zellkulturen des menschlichen Auges starken Lichteinfall und den Einfluss des lokalen Immunsystems. Anschließend wird überprüft, ob die Zellen Merkmale für AMD aufweisen. Die so behandelten Zellen werden dann von Dr. Pauly am Universitätsklinikum Regensburg auf bestimmte Faktoren des Immunsystems wie zum Beispiel Komplementproteine, Zytokine und Zellvitalitätsmarker geprüft und schließlich mit dem neuartigen Antikörper konfrontiert.

Mit ersten Ergebnissen rechnen Dr. Pauly und Professor Enzmann im Sommer 2019. Die Universitätskliniken Regensburg und Bern haben damit ihre bereits seit zweieinnhalb Jahren bestehende Zusammenarbeit bei der Erforschung von krankmachenden Veränderungen in der Netzhaut intensiviert.

Weitere Informationen:

Universitätsklinikum Regensburg

Quelle:

idw-online.de vom 23.02.2018

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Zuletzt geändert am 30.06.2018 20:19