Vorbeugung von Myopie: „Die Kinder müssen raus“

Es sind nicht nur die Augen Erwachsener, denen die Arbeit am Bildschirm, gerade im Homeoffice, Schwierigkeiten bereitet. Gerade junge Menschen müssen öfter ins Freie, will man einer Kurzsichtigkeit vorbeugen.

Ob zuvor schon klassische Leseratte mit Buch oder ständig am Handy – durch Heimarbeit und Homeschooling verbringen Erwachsene wie Kinder in der Pandemie noch mehr Zeit mit Sehen im Nahbereich. Diese Dauerbeanspruchung der Augen kann Kurzsichtigkeit fördern, da der Augapfel wächst, um in der Nähe nicht ständig akkommodieren zu müssen. Hinauszugehen, sich und seine Augen zu bewegen und diese durch den Blick in die Ferne zu entspannen, sei daher gerade für Kinder und Jugendliche „ganz, ganz wichtig,“ betonte Professor Norbert Pfeiffer, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und Direktor der Universitäts-Augenklinik, Mainz bei einer DOG-Pressekonferenz.

Ein Drittel der Menschen in Deutschland ist kurzsichtig

Derzeit sei ein Drittel der Menschen in Deutschland kurzsichtig. „Das ist in asiatischen Ländern ganz anders: Da gibt es schon Rekruten-Jahrgänge, bei denen über 90 Prozent eine Kurzsichtigkeitsbrille haben.“ Das habe nicht nur genetische Ursachen, sondern liege auch am Verhalten, mit frühem Schuleintritt und sehr viel Naharbeit. „Wenn das Auge immer in die Nähe schauen muss, dann macht es sich die Arbeit leichter, dadurch, dass es wächst und dadurch einen Einstellungszustand hat, der für die Nähe geeignet ist.“ Pfeiffer und seine Kollegen haben in einer bevölkerungsbasierten Studie an über 15.000 Menschen in Mainz und Umgebung herausgefunden, dass der Einfluss aller 30 bekanntermaßen mit Kurzsichtigkeit assoziierten Gene weniger Einfluss hatte, als die Dauer der Schulausbildung. „Für jedes Jahr, das wir in die Schule gehen, werden wir immer ein bisschen kurzsichtiger.“ Die Myopie entsteht überwiegend in der Schulzeit, setzt sich aber nach Erkenntnissen Pfeiffers auch im Berufsleben noch fort. „Früher hat man gedacht, dieser Prozess ist mit 16-18 Jahren abgeschlossen [...] Wahrscheinlich sind wir eben doch erst mit 25 oder 30 ausgewachsen, im Bezug auf das Sehsystem.“

Täglich zwei Stunden im Freien

Seien Kinder täglich zwei Stunden im Freien, trete der Effekt der Myopisierung nicht ein, so der Ophthalmologe. „Die Kinder müssen raus“, forderte Pfeiffer. Ob dabei vor allem der Blick in die Ferne, die Bewegung oder Lichtexposition den Ausschlag gibt, sei unklar. Die Beleuchtung in Wohnräumen betrage etwa 200 Lux, draußen seien es an trüben Tagen 2000-3000, und an sonnigen Tagen etwa 20.000-30.000 Lux. Da Myopie langfristig auch die Entstehung von grünem und grauen Star, sowie von altersabhängiger Makuladegeneration und Netzhautablösungen begünstigt, ist das durchaus relevant.

Quelle: aerztezeitung.de, 21.05.2021

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Zuletzt geändert am 16.06.2021 16:10