Luftschadstoffe schädigen Netzhaut und erhöhen Risiko auf altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Die Luftverschmutzung der Lebens-Umgebung ist assoziiert mit einem erhöhten Risiko für Herz- und Atemwegserkrankungen. Britische Forscher wollten nun untersuchen, ob dies auch mit einem höheren AMD-Risiko verbunden ist. Dies berichtet das Fachblatt "British Journal of Ophthalmology".

Netzhautveränderungen im OCT

Ältere Erwachsene, die an ihrem Wohnort erhöhten Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt waren, gaben in einer Querschnittstudie häufiger an, an einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) zu leiden. In einer optischen Kohärenztomografie (OCT) wurden bei diesen Studienteilnehmern laut der Publikation im British Journal of Ophthalmology vermehrt Veränderungen der Netzhaut gefunden.

Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist ein bildgebendes Verfahren zur Diagnose von Augenerkrankungen und – vereinfacht gesagt – mit einer Ultraschallaufnahme vergleichbar. Die OCT ermöglicht eine für den Patienten absolut schmerzfreie grafische Darstellung der Netzhaut und liefert hochaufgelöste Schichtbilder in einem Querschnitt. Anhand des OCT-Befunds kann der Mediziner die Netzhautschichten, zum Beispiel deren Dicke oder Feinstruktur, beurteilen. Eine optische Kohärenztomographie kommt vor allem bei der Erstdiagnostik verschiedener Netzhauterkrankungen wie der AMD zum Einsatz.

Die AMD ist in Industrienationen die häufigste Ursache von Seheinschränkungen im Alter von über 50 Jahren. Weltweit sollen 200 Millionen Menschen betroffen sein. Bis zum Jahr 2040 wird mit einem Anstieg auf rund 300 Millionen gerechnet. Zu den Risikofaktoren gehört neben dem Alter und einer genetischen Veranlagung auch das Tabakrauchen. Es ist deshalb plausibel, auch nach einem Zusammenhang mit anderen Luftschadstoffen zu suchen. Schon in einer früheren Langzeitstudie aus Taiwan war festgestellt worden, dass eine erhöhte Belastung mit Stickstoffdioxid und Kohlenmonoxid in einem Zeitraum von nur 11 Jahren das Erkrankungsrisiko nahezu verdoppeln könnte. Die Studie hatte damals den Einfluss von Feinstaub nicht untersucht, der in westlichen Ländern zu einem Problem geworden ist.

Auswertung der Daten von 500.000 Briten

Ein Team um Paul Foster vom Institute of Ophthalmology am University College London hat zu dieser Frage jetzt die Daten der UK Biobank ausgewertet. An der Studie hatten zwischen 2006 und 2010 eine halbe Million Briten im Alter von 40 bis 69 Jahren teilgenommen. Sie wurden nach Krankheiten befragt und medizinisch untersucht. Zuletzt wurde auch eine OCT durchgeführt.

Die Forscher haben die Ergebnisse von über 52000 OCTs mit der Luftverschmutzung am Wohnort der Teilnehmer in Beziehung gesetzt. Ergebnis: Eine höhere Exposition gegenüber Feinstaub sowie Stickoxiden ging mit einem dünneren retinalen Pigmentepithel (RPE-Schicht) einher. Die Schicht mit den Außensegmenten der Photorezeptorzellen, die das Licht auffangen, und die Schicht mit den Innensegmenten, wo die erste Weiterleitung der neuronalen Signale erfolgt, war dagegen verdickt.

Die RPE-Schicht ist unter anderem für den Erhalt der Photorezeptoren zuständig. Stoffwechselschlacken werden dort abgebaut und über die retinalen Blutgefäße entsorgt. Bei Funktionsstörungen können sich in dieser Schicht Ablagerungen bilden, die bei der Augenuntersuchung als Drusen sichtbar werden und ein frühes Kennzeichen der AMD sind. Die Verdickung der anderen Schichten lässt sich ebenfalls als Folge eines gestörten Stoffwechsels deuten. Die in der OCT sichtbaren Veränderungen der Netzhaut könnten deshalb einen Zusammenhang zwischen der vermehrten Schadstoffbelastung und der AMD erklären, die Foster bei einer Befragung der Teilnehmer ermittelte.

Die Forscher konnten bei ihren Berechnungen eine Reihe anderer Begleitfaktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Mangelerscheinungen, Body-Mass-Index, Raucherstatus und Refraktionsstörungen berücksichtigen. Wie immer in epidemiologischen Studien lässt sich nicht ausschließen, dass andere Ursachen übersehen wurden.

Tabakrauch als gesichterter Risikofaktor

Zu den Stärken der Studie gehört, dass die Luftverschmutzung mit den Veränderungen in der OCT assoziiert war. Da Tabakrauch bereits ein gesicherter Risikofaktor für eine AMD ist, erscheint ein Einfluss plausibel. Sollten sich diese Befunde bestätigen, könnte dies laut den Untersuchern darauf hindeuten, dass die Luftverschmutzung der Umgebung ein nicht unbedeutender, vermeidbarer Risikofaktor für eine AMD ist.

Quellen: Abstract der Studie im British Journal of Ophthalmology; EurekAlert vom 25.1.2021; University College London News; aerzteblatt.de vom 27.1.2021.

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Zuletzt geändert am 04.02.2021 15:45