Langstockfische in Timmendorf Ulrich Kanders - Dezember 2016

Einen Monat vor Heiligabend besuchten wir, die sich zum Mobilitätstraining in Timmendorf eingefunden hatten, die Ostseestation Priwall in Travemünde.
Der anerkannte Meeresbiologe Thorsten Walter informierte uns sachkundig und verständlich über die Lebewesen in und um die Ostsee. So ist dem unbedarften Naturfreund zum Beispiel nicht bekannt, dass in der Ostsee bis zu 34 verschiedene Haifischarten lebten. Viele dieser Arten wurden allerdings durch das berüchtigte, sehr anhängliche Neunauge in salzreichere Meere vertrieben. Heute findet man nur noch vereinzelt einige gefühlskalte, gegenüber den Annäherungsversuchen des Neunauges resistente Haifische. Diese verirren sich ab und an in die Netze der ortsansässigen Fischer. Für Abwechslung in der Region sorgt das liebenswerte Petermännchen. Ihm sollte man als naturverbundener Tourist die Hand oder zumindest den kleinen Finger reichen. Kommt es zum Kontakt, so entwickelt sich in kürzester Zeit eine innige Freundschaft, die man noch lange nach dem Ostseebesuch spüren wird.

In jüngster Zeit werden von der hiesigen Bevölkerung vermehrt auch Langstockfische wahrgenommen. Diese sind für diese Region in so großer Zahl eher untypisch. Thorsten Walter vermutet, dass einige scheue Exemplare von dem Hamburger Meeresinstitut IRIS hier, in einem für den Fisch idealen Lebensumfeld, ausgesetzt wurden. Der Langstockfisch ist ein sympathischer Genosse, der sehr wissbegierig und anpassungsfähig ist. Er ernährt sich in dieser Region hauptsächlich von schmackhafter AURA-Kost. Normalerweise bewegt sich der Fisch zielsicher und lässt sich nur schwer von seinem Weg abbringen. Dieses müssen die zunächst noch scheuen Lebewesen aber erst noch lernen. Deshalb werden diese sympathischen Fische nach einem circa einwöchigen Aufenthalt in idealer Umgebung durch die Institutsmitarbeiter wieder eingefangen. Durch eine weitere einwöchige Aussetzung in rauer, hanseatischer Nordseeluft wird die Widerstandskraft des noch unerfahrenen Langstockfisches so gestärkt, dass er sich nachher auch in Süßwasserregionen sehr gut zurechtfinden kann. Thorsten Walter begrüßt ausdrücklich die Aktivitäten des Hamburger IRIS Instituts, denn durch die harte zweiwöchige Schule verliert der Fisch langsam seine Scheu und zeigt sich selbstbewusst in der Öffentlichkeit. Aus dem heutigen Leben ist der Langstockfisch kaum noch wegzudenken. Er wird zunehmend zu einem normalen Bestandteil der aufgeklärten Gesellschaft.

Zuletzt geändert am 04.02.2019 13:55