Bericht über die Führung durch die Natur-und Wasserwelten im Niedersächsischen Landesmuseum am 09.02.19

von Christian Schulte

An diesem windigen, wechselhaften Samstag trafen sich 18 Menschen mit einer Sehbehinderung und ihre Begleitungen um 10:10 Uhr vor dem Hauptbahnhof Hannover am Ernst-August-Denkmal. Das Altersspektrum reichte von 19 bis über 70 Jahre. Wir waren auch recht international aufgestellt: zwei junge Männer kommen ursprünglich aus dem Sudan, eine junge Frau aus Ghana, eine Dame ist in China geboren, eine weitere in der Ukraine.

Nachdem ich für alle stark seheingeschränkten eine Begleitung organisiert hatte, gingen wir bei strahlendem Sonnenschein durch die Fußgängerzone zur Bushaltestelle am Kröpcke. Wenig später kam schon der Bus, der uns in die Nähe des Landesmuseums brachte.

Da ich aus Erfahrung wusste, dass es eine Zeitlang dauerte, bis wir die sehbehindertengerechte Führung und den Eintritt gezahlt, ich die Eintrittskarten verteilt hatte, wir unsere Jacken und Taschen im Spind verstaut und einige die Toilette aufgesucht hatten, hatte ich hierfür ausreichend Zeit eingeplant.

Pünktlich um 11:00 Uhr kam unsere Führerin Kerstin Athen. Ich hatte mit ihr schon einmal Kontakt, als wir eine sehbehindertengerechte Natur-Erlebnistour am Brielinger Berg geplant hatten, die hoffentlich von der Region Hannover noch finanziert und dann durchgeführt werden kann. Da noch andere Besucher/innen im Museum waren, die sich unterhielten, bekamen wir alle auf Vorschlag von Kerstin Athen Kopfhörer mit einem dazugehörenden Funkempfänger. Sie sprach dann in ein Mikrofon, sodass wir sie immer gut hören konnten.

Über eine Rampe gingen wir dann in die tiefergelegenen Wasserwelten. Hier war es recht dunkel. Hierdurch kommen aber die gut beleuchteten Aquarien, die sich an den Wänden befinden, mit den Fischen und Korallenriffs optisch sehr gut zur Geltung. Zunächst schaffte Kerstin Athen aber einen sogenannten Rollfisch heran. Er ist recht groß und aus Holz mit einigen Schubladen. In ihm befinden sich diverse Wassertierpräparate. Diese ließ sie zum Ertasten herumgehen. Sie stammen nicht nur aus heimischen Gewässern, sondern zum Beispiel auch aus dem Atlantik. Neben einer Reihe von Fischen war es auch ein Seestern und eine Art Schwamm. Wir konnten auch das Maul eines Piranha ertasten und stellten fest, dass er sehr scharfe Zähne hat.

Anschließend gingen wir durch den Raum an den Aquarien vorbei, die wir uns leider aus zeitlichen Gründen nicht alle genau anschauen konnten. Im nächsten, helleren Raum ging es um die Naturwelten. Wir erfuhren, dass die gesamte norddeutsche Tiefebene mal ein Meer war. Aus diesem Grund ist auch der Boden mehr oder weniger sandig. Auf die Frage, warum das Meerwasser salzig ist, sagte Kerstin Athen, dass das Wasser aus Quellen im Boden stammt und so bestimmte Nährstoffe, wie zum Beispiel Salze enthält, die dann durch Flüsse ins Meer gelangen. Wir durften dann noch eine unebene, raue Kalkwand aus früheren Zeiten ertasten.

Weiter ging es zu einem mehrere Meter großen und langen Dinosaurier-Modell. Wir konnten hier auch Tierpräparate, wie einen Dachs, einen Marder und zwei Vögel ertasten und aus der Nähe betrachten und erfuhren nebenbei, dass es in den vergangenen Millionen Jahren immer Eiszeiten, aber auch wärmere Phasen gegeben hat. Die Tiere mussten sich dem anpassen. Menschen gab es zu dieser Zeit noch nicht.

Durch einen nachempfundenen Wald kamen wir dann in einen Bereich, in dem sich in einer Ecke ein Bereich mit einigen trockenen Bäumen, aber auch „lebenden“ Gewächsen, wie zum Beispiel Farn, befand. Auf einigen Ästen des Baumes saßen zwei Echsen, die genau die Farbe des Holzes hatten, sodass viele sie kaum erkennen konnten.

Außerdem sind in diesem Raum einige Sandsteinbrocken mit Spuren von Dinosauriern ausgestellt, die wir auch ertasten konnten. In Münchehagen (westlich vom Steinhuder Meer) und im Bückeberg (südlich von Obernkirchen im Landeskreis Schaumburg) gibt es heute noch Dinospuren zu erkunden. Sie bewegten sich mit den Füßen voran, konnte aber nicht fliegen, obwohl sie vermutlich auch Federn hatten und in Nestern lebten. Kerstin Athen zeigte uns dann noch ein Dino-Ei, welches noch kleiner als ein Straußenei ist. Viele hatten es sich deutlich größer vorgestellt. Es dauerte wohl einige Jahre, bis die Dinos ausgewachsen waren. Sie ernährten sich in erster Linie von Pflanzen, einige Arten machten aber auch Jagd auf ihre Artgenossen und fraßen sie auf. Dies ist aber nicht der Grund, warum sie ausgestorben sind, sondern vermutlich die mangelnde Nahrung aufgrund der klimatischen Umstellungen. In Schaukästen hinter Glas konnten, diejenigen, die noch einigermaßen gut sehen können, noch diverse Dino-Modelle betrachten.

Gegen 12:20 Uhr war die eigentlich nur für eine Stunde geplante Führung beendet. Meiner Meinung nach hätte sie noch länger dauern können, damit wir für einige interessante Dinge mehr Zeit gehabt hätten. Allerdings wurde mir im Vorfeld gesagt, das diese dann wohl für uns zu anstrengend sei (was nach meiner Erfahrung aber nur auf wenige Teilnehmende zutrifft). Auf jeden Fall bekam Kerstin Athen am Ende noch einen Applaus für ihre recht interessante Führung.

Nachdem wir unsere Sachen aus dem Spind geholt hatten, gingen wir leider im Regen zum italienischen Lokal „Bella Italia“ in der Nähe des Aegi, wo ich für uns Tische für ein Mittagessen reserviert hatte. Christine und Meik Tammhäuser erwarteten uns schon. Wir unterhielten uns angeregt, nicht nur über sehbehindertenspezifische Themen und Erfahrungen. Hier bemühten wir uns, die beiden neuen Teilnehmerinnen gut einzubinden und Fragen zu beantworten, sodass sie sich wohl fühlten und gerne wiederkommen möchten. Gegen 14:40 Uhr ging es dann zur Stadtbahn-Station „Aegi“ und für viele dann weiter um Hauptbahnhof. Es war für alle ein schöner und interessanter Tag.

 

Zuletzt geändert am 28.02.2019 17:03