Unsere Fahrt nach Paderborn am 25.05.19 – Doch der Stadtführer kam nicht von Christian Schulte

 

Schon am 24.11.18 hatten wir eine sehbehindertengerechte Stadtführung in der schönen ostwestfälischen Stadt Paderborn gemacht. Diese Unternehmung ging von der Bielefelder Regionalgruppe aus, aus unserer Gruppe nahmen nur Claudia Elia und ich teil. Da wir wegen des schlechten Wetters meistens in Gebäuden waren und relativ wenig von der Stadt gesehen hatten, beschlossen wir, eine weitere, ergänzende Stadtführung zu machen.

 

Am 25. Mai versammelten sich einige Interessierte um 10:45 Uhr vor dem Hauptbahnhof Hannover am Ernst-August-Denkmal. Julia Jander führte die Teilnehmenden zu dem Gleis, wo die S-Bahn nach Paderborn wenig später losfuhr. Während der Fahrt stiegen noch Teilnehmende in Ronnenberg und Bad Münder zu. Mit einer sehbehinderten Teilnehmerin aus Bückeburg und meinem Vater fuhr ich zunächst von Rinteln nach Hameln. Dort stiegen wir ebenfalls in die S-Bahn aus Hannover. Da wir recht nah beieinander saßen, konnten wir uns schon während der Fahrt angeregt unterhalten. War der Himmel erst noch bedeckt, so kam während der Fahrt mehr und mehr die Sonne durch und es wurde wärmer.

 

Nach unserer Ankunft am Paderborner Hauptbahnhof fanden wir ziemlich schnell Beate und Hans Woring, die aus Bielefeld mit dem Zug gekommen waren. Wir begrüßten uns freudig. Da die Führung eigentlich als gemeinsame Veranstaltung der Regionalgruppen Hannover und Bielefeld gedacht war, hatte ich eigentlich mit mehr Zuspruch aus dieser Gruppe gerechnet, zumal viele mir gegenüber ihr Interesse an einer zweiten Führung geäußert hatten. So waren wir insgesamt 15 Personen im Alter von 28 bis über 70 Jahren.  Dies hatte aber den Vorteil, dass die Gruppe eher zusammenblieb und wir mehr miteinander ins Gespräch kamen.

 

Zunächst gingen wir zur Bushaltestelle vor dem Hauptbahnhof, wo wenig später der Linienbus Richtung Innenstadt ankam. Hier erfuhren wir schnell vom Fahrer, dass die ursprünglich anvisierte Haltestelle wegen einer Veranstaltung nicht angefahren werden konnte. So hatten wir einen weiteren Fußweg zum Restaurant zurückzulegen.

 

Dank der gut sehenden Teilnehmerin Karin Kuhlmann, die in Paderborn früher zur Schule gegangen war und mit Hilfe des Smartphones fanden wir den Weg zum italienischen Lokal „LÓsteria“ recht gut. Hier hatte ich zuvor einen großen Tisch für uns reservieren lassen. Die Gerichte schmeckten gut, allerdings waren die sehr großen Pizzen teilweise nicht mehr ganz warm. Insgesamt gesehen hat es uns dort aber gut gefallen. 

 

Um 14:30 Uhr wollte uns dort eigentlich unser Stadtführer Guido Apel zu einer 90-minütigen sehbehindertengerechten Führung abholen. Nach einer Weile versuchten wir, ihn per Handy und Festnetz zu erreichen, allerdings ging er nicht ran. Auch vor dem Lokal war er nicht zu sehen. Gegen 15 Uhr waren wir uns einig, dass er wohl nicht mehr kommen würde. Der Großteil der Gruppe wartete vor dem Restaurant, während ich mit einigen anderen zur Touristik-Information ging. Da ich die Führung direkt bei Guido Apel und nicht dort gebucht hatte, könnten sie leider nichts für uns tun. Karin Kuhlmann nahm sich aber ein Info-Heft über Paderborn mit und sagte, dass sie uns jetzt selbst durch die Stadt führen wolle. Wir gingen zurück zu den anderen und die improvisierte Stadtführung konnte beginnen. 

 

Karin führte uns zunächst zu einem schönen Fachwerkhaus. Hans Woring las von einer Tafel etwas über die Historie des Hauses. Über die Straße ging es jetzt in einen Park. Hier entspringen viele Quellen des Flusses Pader, der, wie schon im letzten Bericht erwähnt, der kürzeste in ganz Deutschland ist und in die Lippe mündet. Auf einer Wiese machten wir Gruppenfotos mit einem Kloster, der ehemaligen Stadthalle, in der sich jetzt ein Museum befindet, und den Türmen des Doms im Hintergrund.

 

Als wir eine Weile durch den Park am Wasser entlanggegangen waren, kamen wir zu einer Stelle, an der lebensgroße Figuren aus Metall von Waschfrauen, teils mit Wäschekörben zu sehen und zu ertasten waren. Eine Frau wusch am Wasser kniend  die Wäsche im Gewässer. Hier standen auch die Figuren eines kleinen Jungen und von Enten, die man teilweise  bewegen konnte. 

 

Anschließend ging es wieder bergauf zum Kloster. Hans Woring las auch dort wieder etwas über die Geschichte von einer Schautafel ab. Hinter einer Glasscheibe konnten gut Sehende den ehemaligen Thron des Bischofs erkennen. Auf der anderen Seite des Weges steht die Kurpfalz, also der Sitz des früheren Bischofs.  Jetzt gingen wir einen Treppenweg hinab zum Gebäude der Stadtbibliothek. Anschließend kamen wir wieder am Kloster vorbei. Wir konnten die Mauern aus beigen Sandsteinen ertasten. Gegenüber stand noch ein Teil der alten Stadtmauer. Danach kam eine kleine Kapelle, in der ich schon bei der ersten Stadtführung war. Das Besondere hier ist die Akustik: Unsere Stimmen hallten sehr, sodass kein Mikrofon für Priester erforderlich ist. Gleich dahinter befindet sich der große Dom mit einem hohen Turm. Aus Zeitgründen gingen wir diesmal jedoch nicht hinein. Angrenzend ist der Marktplatz. Als wir hier am Mittag zum Restaurant gegangen waren, fand dort noch der Wochenmarkt statt, jetzt hatten wir einen besseren Überblick. Gar nicht weit davon entfernt sahen wir noch eine Klosterkirche. Wir merkten auch hierdurch, dass das Leben und die Geschichte Paderborns sehr katholisch geprägt ist. Von hier aus führte uns Karin zum Marienplatz mit einem großen Brunnen und einer Marienfigur. Durch die lange Fußgängerzone mit vielen kleineren und größeren Geschäften und Lokalen gingen wir nun zum Westerntor. Wir kamen an historischen Gebäuden vorbei, wie einem Franziskanerorden, daneben oder auf der anderen Straßenseite sah man aber auch viele Neubauten. Ein solcher Kontrast von Historie und moderner Architektur ist in vielen anderen Städten so nicht zu sehen.  Ebenfalls etwas ungewöhnlich sind die großen Höhenunterschiede in der Innenstadt.

 

Am Westerntor gab es ebenfalls einen großen Brunnen mit einem Wasserspiel. Hier endete die Fußgängerzone. Über eine stark befahrene Straße ging es jetzt zur Bushaltestelle. In unmittelbarer Nähe war die Herz Jesu-Kirche, wo zu der Zeit die Glocken läuteten. So kam auch noch der Hör-Sinn um Tragen. Nach einer Station waren wir schon am Hauptbahnhof. Eigentlich wollten wir im dortigen Café noch einen Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen, allerdings gingen wir aus Zeitgründen lieber zu den Gleisen und verabschiedeten uns von Beate und Hans Woring. Auch Karin Kuhlmann bekam für ihre tolle improvisierte Führung noch einen wohlverdienten Applaus. 

 

Der Zug nach Bielefeld und die S-Bahn nach Hannover starteten fast parallel. Während der Fahrt berieten wir noch, was wir das nächste Mal machen wollen und tauschten uns über diverse Themen aus. Alle kamen wieder gut nach Hause, das Wetter war für diese Unternehmung ideal und dank Karin haben wir trotz des unzuverlässigen und unprofessionellen Verhalten vom Stadtführer Guido Apel noch viel von der schönen Stadt Paderborn erlebt. Für alle war es ein schöner Tag.

 

 

Zuletzt geändert am 28.05.2019 13:48