Unsere Natur-Erlebnistour mit der Biologin Sieglinde Fink in den Hohnhorst-Park in Lehrte am 09.06.19

von Christian Schulte

An diesem Pfingstsonntag trafen sich einige sehbehinderte und blinde Menschen, teilweise mit ihren gut sehenden Partnern und Partnerinnen, um 10:40 Uhr vor dem Hauptbahnhof Hannover am Ernst-August-Denkmal. Ich suchte für alle anderen die passende Begleitung, sodass niemand etwas für die anschließende Zugfahrt zahlen musste. Außer der Diplom-Biologin Sieglinde Fink war auch der Mobilitätstrainer Friedel Grenner dabei. Das Wetter war fast den ganzen Tag über sonnig und etwa 20 bis 25 Grad warm, also für die geplante Unternehmung nahezu ideal.

Wir gingen zum Gleis, wo die S-Bahn nach Lehrte pünktlich startete. Um 11:20 Uhr waren wir dort. Nachdem wir uns alle kurz vorgestellt hatten, gingen wir mit Sieglinde ein Stück durch die Innenstadt in einen Park mit Rasen, Büschen und vielen alten Bäumen, sowie einem Kinderspielplatz. Hier stießen noch zwei weitere Teilnehmende zu uns. Wir konnten hier die unterschiedlichen Stämme von Eichen, Buchen und Ahornbäumen ertasten, wie auch die Blätter. Zu riechen gab es die Blüten von Holunder und falschem Jasmin. Auf dem Weg durch den großen Park zum Zielort kamen wir auch an einigen Fitnessgeräten links und rechts des Weges vorbei, wie auch an Hecken, Tennisplätzen und Fischteichen, auf denen teilweise Seerosen blüten. Wir ertasteten auch die Blätter und Samenstränge von Birken, sowie die unterschiedlichen Blätter der Korkenzieher- und Trauerweiden.

Nach ca. 1,2 Kilometern kamen wir um kurz vor 12:30 Uhr am Hohnhorst-Park an. Hier fand an diesem Tag die Glanzlicht-Veranstaltung „Summende Gärten“ zum zehnjährigen Bestehen der Gartenregion Hannover statt. Auf einer großen Wiese befanden sich Stände mit Getränken, Speisen vom Grill, veganen Gerichten, Waffeln und Kaffee, sowie Eis, aber auch eine Hüpfburg für Kinder. In der Mitte standen einige Holzbänke und Tische unter Sonnenschirmen. Nachdem wir uns etwas zu essen und zu trinken besorgt hatten, nahmen wir hier Platz und tauschten uns hierbei aus. Überraschenderweise stieß auch noch das Ehepaar Bressel zu uns, das mit dem Tandem von Hannover nach Lehrte gefahren war. So waren wir insgesamt 15 Teilnehmende.

Nachdem wir uns gestärkt hatten, ging es mit Sieglinde über die Wiese zu diversen Info-Ständen, zum Beispiel vom NABU und vom BUND. Bei einem Stand waren auf zwei Tischen verschiedenen Tierpräparate platziert, die wir ertasten konnten. Dabei waren ein kleines Wildschwein, ein Eichhörnchen, ein Hase, ein Kaninchen und ein Fuchs. Ganz in der Nähe startete der Sänger und Gitarrist Isaak Guderian ein Konzert, welches wir eine Weile aus der Nähe verfolgen konnten. Er sang englischsprachige Coversongs, aber auch einen eigenen Titel.

Danach führte uns Sieglinde zu einem Teil des Parks, in dem es hohe Bäume und größtenteils wild wachsenden Rasen gab. Die Wege waren aber breit und eben aus Splitt. Über eine gemähte Wiese ging es jetzt zu einem Aktionsstand, an dem man selbst Wildkräutersalz herstellen konnte. Auf den Tischen standen einige Schraubgläser. Eine Dame erzählte uns zunächst etwas über die Wildkräuter Brennnesseln, Taubnesseln, Giersch und Beifuß. Die geernteten Blätter werden zunächst getrocknet und dann mit einem Mixer oder per Hand kleingerieben. Diese standen schon in den Schraubgläsern auf den Tischen, wie auch leere Gläser und Teelöffel. Wir nahmen von jedem zerkleinerten Kraut eine bestimmte Menge und taten dann Salz dazu. Dies mussten wir schütteln und hatten so das Wildkräutersalz, welches wir mitnehmen durften.

Nicht weit davon entfernt begann um 15 Uhr der Tierstimmenimitator Uwe Westphal mit seinem Vortrag. In erster Linie ging es hierbei um Vögel. Er sagte, dass er 130 Vogelarten nachmachen könne. Herr Westphal startete mit der Amsel, zu deren Gattung auch die Schwarzdrossel gehört. Er erklärte auch, was die verschiedenen Töne bedeuten und dass die Vogeleltern ihre Jungen schon kurz nach dem Schlüpfen in einigen Nestern im Garten verteilen, sodass sie nicht alle von Katzen gefressen werden können. Sie werden aber mit Futter versorgt und als Mensch sollte man sie nicht berühren. Aber auch über viele andere heimische Vögel wusste er viel zu berichten und konnte sie gut nachmachen. Dafür bekam er immer wieder Applaus. Meistens singen nur die Männchen, um Weibchen anzulocken.

Jetzt ging es zu einigen Gehegen mit Tieren. In ihnen befanden sich Ziegen, Schafe, Heidschnucken und Hühner. Sie gaben zwar Laute von sich, ließen sich aber nicht streicheln. Auf dem Gelände soll es auch Hängebauchschweine geben, die wir aber nicht sahen.

Dann gingen wir über einen Weg aus Rindenmulch. Es ist ein anderes, weicheres Gefühl, im Gegensatz zu Splitt, Asphalt oder Beton. Rechts des Weges, etwas abseits des übrigen Geschehens, waren einige Büsche und Bäume kreisförmig gepflanzt. Durch eine Öffnung konnten wir hineintreten. Der Innenraum hatte etwa einen Durchmesser von gut zwei Metern. Auf den Boden lagen Decken, auf denen schon zwei Damen mit Märchenbüchern saßen. Auch wir ließen uns darauf nieder und bekamen von ihnen drei Märchen vorgelesen, in denen es in erster Linie um die Kräuter Fenchel, Brennnesseln und Knoblauch ging. Sie waren nicht schlecht und auch für Erwachsene gedacht.

Anschließend führte uns Sieglinde zu einer Teerstraße, auf der wir relativ schnell wieder dorthin kamen, wo die Stände mit Nahrungsmitteln waren. Wir kauften uns Getränke, Waffeln oder Eis und ließen uns wieder auf den Holzbänken nieder. Sänger und Gitarrist Issak Guderian stellte sich in die Nähe und gab jetzt auch einige deutsche Coversongs, wie „Lieblingsmensch“ und „Über den Wolken“ zum Besten. Schon den ganzen Tag waren außer uns noch andere Interessierte auf dem Gelände, es war aber nicht zu voll.

Um 17:30 Uhr starteten wir mit dem Rückweg. Jetzt gingen wir aber aus Zeitgründen nicht wieder durch den Park, sondern auf Gehwegen neben den Straßen in die Innenstadt zum Bahnhof. So schafften wir ohne Probleme den Regionalzug um 18:01 Uhr, der zehn Minuten später schon in Hannover war. Für alle war es ein schöner, interessanter und vielseitiger Tag, bei dem wieder einmal alle Sinne zum Tragen kamen.

Zuletzt geändert am 16.06.2019 16:02