Fahrt nach Wernigerode und auf den Brocken am 21.09.2019

von Christian Schulte

An diesem Samstag trafen wir uns bei strahlendem Sonnenschein am Ernst-August-Denkmal vor dem Hauptbahnhof Hannover. Einige hatten aus gesundheitlichen Gründen abgesagt, zwei Angemeldete kamen leider nicht zum Treffpunkt und waren auch sonst nicht zu entdecken. Es gelang mir aber trotzdem, für alle eine gut sehende Begleitperson zu finden, sodass auch niemand etwas für die Zugfahrten und die sonst recht teure Fahrt mit der Brockenbahn zahlen musste.

Gegen 9:40 Uhr gingen wir dann durch den Bahnhof zum Gleis. Der Zug nach Goslar startete pünktlich und war auch rechtzeitig am Ziel, sodass wir genügend Zeit hatten, den Anschlusszug nach Wernigerode zu bekommen. Während dieser Fahrt fuhren wir quasi nördlich und östlich um den Harz herum. Wernigerode liegt in Sachsen-Anhalt, also im Ostharz. Es ist dort aber noch nicht so bergig und die Stadt liegt auf einer Höhe von 234 Metern.

Am Bahnsteig nahmen uns Manfred Bressel, der hier gerade einen Wanderurlaub verbrachte, und ein Ehepaar aus Peine, das direkt dorthin gefahren war, in Empfang. Insgesamt waren wir zwölf Personen. Manfred hatte schon geschaut, wo die Harzquerbahn um 11:55 Uhr Richtung „Drei Annen Hohne“ losfuhr. In dieser historischen Bahn mit einer Dampflok fanden wir noch recht gut Sitzplätze.

Während der gut halbstündigen Fahrt wurde uns immer wieder über Lautsprecher etwas zu dem gesagt, was es links und rechts des Weges zu entdecken gab. Auch in Wernigerode hielt die Bahn noch einige Male, so auch vor der Universität (ca. 300 Studierende). Wir erfuhren, dass dies die einzige Uni ist, die eine Haltestelle mit einer Dampflok vor dem Campus hat. Weiter ging es Richtung Westen nach Hasselrode, was manche wohl wegen des Bieres kennen. Zeitweise fuhr die Bahn sehr dicht an Häusern und Gärten entlang. Bis hinter Hasselrode war der Weg noch relativ ebenerdig. Kurz darauf ging es dann in den Wald.

Bis zur Haltestelle „Drei Annen Hohne“ schnaufte die Bahn dann im Wald hinauf. Während der Fahrt konnten wir in ein Tal blicken. Als wir an der Haltestelle ankamen, waren wir schon auf einer Höhe von 543 Metern. Die Brockenbahn stand schon auf einem anderen Gleis. Ich sagte, dass wir recht schnell dorthin gehen sollten, damit wir auch hier noch einen Sitzplatz bekommen. Leider waren aber schon zuvor viele Menschen mit Autos zur Haltestelle „Drei Annen Hohne“ gekommen, die ihren Namen übrigens von einem Waldgasthaus hat. Einen dazu gehörenden Ort gibt es in diesem Waldgebiet nicht.

Wegen des sehr schönen Wetters mit ständig steigenden Temperaturen (selbst auf dem Brocken in der Sonne wohl über 20 Grad) hatten aber (leider) auch viele andere Menschen die Idee, diesen Tag mit einem Besuch auf dem Brocken zu nutzen, so dass die Brockenbahn schon an diesem Startbahnhof total überfüllt war. Deshalb gelang es uns auch nicht, zusammenzubleiben. Ich erwischte gerade noch einen Sitzplatz. Allerdings stand dann auch der ganze Gang voll, so dass ich nur zu einer Seite aus dem Fenster schauen konnte. Statt um 12:45 Uhr fuhr der Zug, wohl wegen der Überfüllung, erst zehn Minuten später los. Auf der Fahrt zum Bahnhof Schierke sah ich neben vielen grünen Bäumen leider auch immer wieder Gebiete mit abgestorbenen oder umgestürtzter Bäumen, wohl aufgrund von Stürmen und der Borkenkäferplage. Nach einer Wartezeit in Schierke kamen wir etwas später als der Fahrplan versprach, um 13:55 Uhr am Brockenbahnhof an. Er liegt auf einer Höhe von 1.125 Meter und ist der höchstgelegene Bahnhof in Deutschland.

Trotz der vielen hundert Menschen fanden wir uns am Bahnsteig relativ schnell alle wieder. Wir wollten zuerst eine Kleinigkeit essen gehen, allerdings waren alle Platze vor den Imbissbuden belegt und es hatten sich lange Schlangen an den Buden gebildet. Da wir eigentlich schon um 14:51 Uhr wieder talwärts fahren wollten, beschlossen wir, hier nichts zu essen, sondern später in Wernigerode und lieber auf dem Plateau herumzugehen. Die Wege sind hier zwar relativ breit und aus Kies, allerdings ragen überall mehr oder weniger große Steine heraus, sodass es für blinde und sehbehinderte Menschen nicht so leicht ist, hier zu gehen. Leider stürzte ich einmal, verletzte mich aber nur am Knie.

Auf dem Brocken-Plateau befinden sich ein hoher rot-weiß gestrichener Turm, eine Wetterstation, ein graues und für mich nicht gerade einladend aussehendes Hotel mit Gastronomie und ein Museum mit einer Kuppel. Am höchsten Punkt des Brockens (1.142 Meter) gibt es einen großen Stein, vor dem sich einige fotografieren ließen. Bäume existieren hier gar nicht, stattdessen liegen links und rechts der Wege viele sehr große Steine oder Felsbrocken. Man hat (wenn man noch einigermaßen gut sieht) einen recht guten Blick auf die umliegenden Berge, wie zum Beispiel den Wurmberg, den höchsten Berg Niedersachsens). Trotz des sonnigen Wetters war es aber etwas dunstig.

Da einige Teilnehmende recht schnell unterwegs waren, während andere nicht so gut vorankamen, war es für mich recht schwer, die Gruppe zusammenzuhalten, zumal sich zu dieser Zeit sicher einige Tausend Menschen dort aufhielten. Nach dem Rundgang ging es dann wieder zum Bahnsteig. Leider standen hier schon wieder einige hundert Personen, sodass es uns nicht gelang, einen Platz in dem völlig überfüllten Wagons zu finden. So beschlossenen wir (bei mir mit schwerem Herzen), einen Zug später zu fahren, also um 16:22 Uhr. Bedauerlicherweise mussten wir unter diesen Umständen unseren Bummel durch die bunte Stadt am Harz Wernigerode streichen.

Da wir jetzt zeitlich gesehen viel Luft hatten, gingen wir zu einigen draußen stehenden Holzbänken und –tischen, wo wir gerade noch Plätze fanden. Die meisten aßen und tranken hier eine Kleinigkeit. (das Angebot war etwas eingeschränkt). Einige blieben dann dort in der Sonne sitzen, während ich und andere noch einmal auf dem Brockenplateau umhergingen und uns am Ende einen Kaffee und teils ein Stück Kuchen genehmigten. Schon um kurz nach 16 Uhr machten wir uns auf zum Bahnsteig, aber auch diesmal war er schon überfüllt, obwohl der Zug noch gar nicht da war. Es gelang uns, in einem ziemlich vollen Wagon noch Platz zu finden, für einige Sehbehinderte standen sogar schon Sitzende auf. Erst ab Schierke wurde es etwas leerer.

Wir unterhielten uns aber trotz fast andauernden Babygeschreis recht gut. Am Bahnhof „Drei Annen Hohne“ mussten wir diesmal nicht umsteigen, sondern konnten die 34 Kilometer lange Strecke durchfahren. Wir waren um kurz nach 18 Uhr wieder in Wernigerode. Der Zug nach Goslar kam pünktlich um 18:18 Uhr und auch der Umstieg dort in die Bahn nach Hannover klappte problemlos. Bei Dunkelheit kamen wir dort gegen 20:15 Uhr an. Für die meisten war es wegen des Wetters aber trotz des hier und da negativen Beigeschmacks ein schöner Tag. Ich war gegen 21:40 Uhr wieder zu Hause in Rinteln, wo ich am Morgen um 8:25 Uhr gestartet war.

Zuletzt geändert am 25.09.2019 16:59