Unsere Fahrt nach Bückeburg am 08.02.20 mit einer sehbehindertengerechten Führung im Hubschraubermuseum

von Christian Schulte

Am Morgen des 08.02.20 machten sich etliche sehbehinderte Menschen mit ihren Begleitpersonen aus westlichen und östlichen Himmelsrichtungen auf, um mit Regionalzügen nach Bückeburg im Landkreis Schaumburg zu fahren. Mein Vater und ich fuhren mit dem Auto von Rinteln in die etwa zehn Kilometer nördlich liegende Residenzstadt, um die Eintreffenden am Bahnsteig in Bückeburg in Empfang zu nehmen. Um 10:13 Uhr kamen die 13 Teilnehmenden aus der Regionalgruppe Bielefeld pünktlich an, wenige Minuten später eine Teilnehmerin aus Hannover mit der S-Bahn. 

Wir beschlossen, bis zur Ankunft der restlichen Teilnehmenden  aus Hannover ins Bahnhofsgebäude zu gehen. Draußen war es zwar noch etwas sonnig, allerdings wehte ein scharfer Ostwind. Schnell entwickelten sich angeregte Gespräche. Um 10:44 Uhr begrüßte ich die restlichen sechs Personen aus Hannover am Bahnsteig. Nachdem alle eine Begleitung gefunden hatten, gingen wir die lange Bahnhofsstraße entlang bis zum Hubschraubermuseum, in dem um 11 Uhr eine sehbehindertengerechte Führung beginnen sollte. Wir gingen um das aus einer großen Glasfassade bestehende Gebäude herum zum Eingang und waren pünktlich am Empfangstresen. Familie Hegeholz aus Bückeburg wartete schon auf uns.

Dann wurden wir in einen großen Raum geleitet und ließen uns auf den in vielen Reihen stehenden Stühlen nieder. Wenig später begann unser Guide Ingolf Masemann mit seinem Vortrag. Er, wie auch der später dazukommende zweite Guide Dieter Bals, waren früher auch Piloten der Heeresfliegerwaffenschule in Bückeburg-Achum. Hier werden Bundeswehr-Hubschrauberpiloten aus ganz Deutschland ausgebildet. Herr Masemann erzählte, dass es das Hubschraubermuseum schon seit 1971 gibt. Hier wurden zunächst ausrangierte Hubschrauber ausgestellt. Vor neun Jahren gab es den oben erwähnten Anbau mit der Glasfassade, in dem wir saßen. 

Zudem berichtete er über die Geschichte des Hubschraubers. Die ersten wurden in Deutschland von dem Bremer Konstrukteur Henrich Fokke in den 1940er Jahren entwickelt. Sie hatten oben zwei große, sich drehende, Rotorblätter. In den USA entwickelte Igor Sikorsky ebenfalls ein Hubschraubermodell, das oben einen großen und am Rumpf einen kleinen Rotor zur Stabilisierung hatte. Dieser Hubschrauber wurde ab den späten 1930er Jahren an den Küsten der USA zur Rettung Schiffbrüchiger eingesetzt.  Später dienten sie (leider) auch als Kriegsgerät, zum Beispiel im Vietnam-Krieg von 1966 – 1972. 

Heutzutage setzt man Hubschrauber ebenfalls in erster Linie aus zwei Gründen ein: Entweder zur Rettung von Menschenleben bei schweren Unfällen und auch Unglücken in den Bergen, sowie zur Seenotrettungen. Leider werden sie auch für militärische Zwecke genutzt. Herr Masemann berichtete, dass die nächsten Rettungshubschrauber in Bielefeld, am Flughafen in Langenhagen und an der Medizinischen Hochschule Hannover stehen. Sie können bis maximal 300 Kilometer schnell fliegen, also langsamer als Flugzeuge und haben mit höchstens 4.000 Metern Flughöhe eine deutlich niedrigere als Flugzeuge. Der Unterschied zu ihnen ist auch, dass Hubschrauber direkt dort, wo sie stehen, senkrecht aufsteigen können. Sie können auch punktgenau ohne Rollfeld landen. Wegen dieser unterschiedlichen Flugtechnik darf auch jemand, der einen sehr teuren Hubschrauberflugschein gemacht hat, kein Flugzeug fliegen. Für jedes Modell muss man übrigens eine eigene Lizenz erwerben. Die Hubschrauber sind recht kostenintensiv. Der Grund , warum auch die Flugstunden so kostspielig sind, liegt vor allem an der häufigen Wartung durch Experten, wie den sehr zeitigen Austausch von Ersatzteilen, da hier die Sicherheit groß geschrieben wird. Diese Kosten werden auf die Flugstunden umgelegt und von der Stelle, wo die Piloten dann tätig sind, übernommen. 

Außerdem erklärte Herr Masemann noch, wie die Rotorblätter aussehen müssen, damit sie Auftrieb erzeugen. Das Prinzip ist das gleiche, wie bei den Flügeln von Flugzeugen, welches Otto Liliental schon Ende des 19. Jahrhunderts erforscht hatte. Mehr dazu findet Ihr im Bericht über unsere Führung im Luftfahrtmuseum Laatzen im März 2019. Während des interessanten Vortrags konnten wir Fragen stellen.

Danach gingen wir zu einigen Tischen im Raum, auf denen einige Utensilien lagen, die etwas mit den Thema Hubschrauber zu tun hatten. Zunächst konnten wir einen Pilotenoverall ertasten und einen recht schweren Helm aufsetzen. Die anderen Gegenstände wurden uns leider nicht im Einzelnen vorgestellt. 

Jetzt ging es durch einen Gang aus Glas in das alte Gebäude mit einer großen Halle, in der sich viele ausrangierte Original-Hubschrauber befinden. Sie sind unterschiedlich groß, aus Metall mit Plexiglasscheiben und fast alle dunkelgrau. Einige von uns kletterten in einen größeren Hubschrauber und nahmen dort Platz. Später saßen ein paar von uns noch in einem kleineren Hubschrauber, in dem man den Schalthebel und die Pedale bedienen konnte. Im Raum stehen auch sowohl ein Hubschrauber aus der ehemaligen DDR, wie einer aus Russland. Ein Helikopter hatte unten Metallplatten, damit er in den Bergen bei der Rettung von verunglückten Bergsteigern nicht im hohen Schnee versinkt. Man konnte auch ein Seil anbringen, damit zum Beispiel jemand aus einer Bergschlucht geborgen und hochgezogen werden konnte. Ein anderer größerer , längerer Hubschrauber konnte 22 Personen befördern. Im der Halle sah man auch einige Triebwerke. Wir konnten viel ertasten und gerade der inzwischen hinzugekommene Dieter Bals beschrieb uns alles sehr anschaulich und lebhaft. Bei beiden Guides merkte man ihre Begeisterung für Hubschrauber. Zum Abschluss konnten wir noch einige Drohnen ertasten, die an einer Decke hängen. Sie sind deutlich kleiner und leichter als Hubschrauber, unbemannt und haben in der Mitte eine Kamera. Zum Abschluss gegen 12:50 Uhr gab es von uns noch einen Applaus und von mir ein Lob für die tolle Führung.

Jetzt gingen wir in ein nahes Lokal am Marktplatz, in dem ich Tische für uns reserviert hatte. Wir konnten uns in einem Bereich an diverse Tische setzen. Zwei Teilnehmende aus Bückeburg, die nicht bei der Führung dabei waren, erwarteten uns schon. Insgesamt nahmen 28 Personen an diesem Treffen teil. Die schon vorbestellten Gerichte wurden nach einiger Zeit serviert und schmeckten recht gut. 

Als wir gezahlt hatten gingen die Teilnehmenden aus Bielefeld noch alleine zum nahen Bückeburger Schloss, welches Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe gehört. Sie fuhren dann schon eher wieder zurück. Wir anderen schlenderten durch die Fußgängerzone mit einigen schönen Gebäuden und Fachwerkhäusern bis zur Stadtkirche. Währenddessen, und dann auch auf dem Weg zum Schloss und in den Schlossgarten, erzählten Dana Hegeholz und ich etwas zu einige Gebäuden. Nachdem am späten Vormittag Wolken aufgezogen waren, schien jetzt wieder die Sonne und es war wärmer geworden. 

Im Schlossgarten stehen vor allem viele, teils alte Bäume, dazwischen ist Rasen und es befinden sich dort Tennisplätze. Rings um das Schloss befindet sich der Schlossgraben. Über eine Brücke gelangten wir auf die „Insel“ mit einigen Gebäuden, die alle zum Schloss gehören. In einem großen Trakt ist unten die „Alte Schlossküche“, ein größeres Restaurant. Wir stillten dort unseren Durst und Hunger mit einem Getränk und teils einem Stück Torte oder Kuchen. Dabei unterhielten wir uns angeregt, nicht nur über sehbehindertenspezifische Themen.

Gegen 16:20 Uhr verabschiedeten wir uns von den Teilnehmenden aus Bückeburg und ich brachte alle aus Hannover zum Bahnhof zurück, wo sie ihre S-Bahn um 16:41 Uhr noch erreichten. Es war ein recht schöner und interessanter Tag und ich war froh, dass alle Züge planmäßig fuhren, sodass es vom Ablauf recht gut klappte. Auch den Teilnehmenden hat es gefallen.

Zuletzt geändert am 12.02.2020 15:00