Bericht über unser Treffen am 06.06.20 mit einem Besuch im Tiergarten Hannover

von Christian Schulte

An diesem Samstag trafen sich einige blinde und sehbehinderte Menschen gegen 12:00 Uhr am Ernst-August-Denkmal vor dem Hauptbahnhof Hannover. Für Juni war es zwar etwas kühl, regnete zu diesem Zeitpunkt aber nicht.

Nachdem wir uns mit etwas Abstand begrüßt hatten, schaute ich, wer wen begleiten kann. Wir gingen durch die Fußgängerzone am Kröpcke vorbei bis zum Opernplatz und bogen dann zum Lokal „Bavarium“ ab. Der Kellner mit Mundschutz zeigte uns die Tische, die für uns reserviert worden waren. Wegen der Corona-Situation saßen wir an drei Tischen, die teilweise durch große Tücher getrennt waren. Silvia Adalid und Sabine Luczak erwarteten uns schon. Beim Essen waren wir insgesamt neun Personen.

Trotz der ungewohnten Situation unterhielten wir uns gut und alle waren in die Gespräche und den Erfahrungsaustausch eingebunden. Auch das bestellte Essen schmeckte fast allen gut. Unsere Namen, die Adresse und die Telefonnummer mussten wir alle in ein Formular eintragen. Zur Toilette durfte immer nur eine Person gehen. Außer uns waren noch andere Gäste dort, allerdings war es schon deutlich leerer und ruhiger als früher. So konnten wir aber besser Gespräche führen.

Während wir im Restaurant saßen, ging draußen ein starker Regenschauer nieder. Wir überlegten, ob wir anschließend, wie geplant, mit der Stadtbahn in den Stadtteil Kirchrode fahren sollten, um durch den Tiergarten zu gehen. Zum Glück hörte der Regen bald auf und es kam sogar mehr und mehr die Sonne zum Vorschein. Bis auf zwei Damen machten wir uns auf den Weg zum Tiergarten. Während der Fahrt stieg noch ein angemeldetes Pärchen zu. Manfred Bressel begrüßte uns gegen 14:50 Uhr an der dortigen Stadtbahnhaltestelle. Er sagte, dass die Diplom-Biologin Sieglinde Fink es leider doch nicht geschafft hatte, zu kommen. Auch zwei weitere Damen waren nicht dort. So gingen wir zu zehnt in den Tiergarten.

Durch eine Eisenpforte gingen wir hinein, mussten aber keinen Eintritt zahlen. Der Tiergarten ist insgesamt 12 Hektar groß und liegt im Südosten von Hannover. Manfred las von einer Schautafel ab, dass er 1678 von Herzog Johann Friedrich angelegt wurde, um hier Jagd auf Tiere zu machen. Durch seinen plötzlichen Tod ist er aber nicht mehr dazu gekommen. Der Tiergarten befand sich zwar noch eine Weile im adeligen Besitz, wurde dann aber auch für „normale“ Menschen zugänglich gemacht. Seitdem dient er vielen aus Hannover und Umgebung zur Naherholung.

Die zahlreichen Wege sind recht breit und eben, sodass hier auch sehbehinderte Menschen gut gehen können und nicht, wie sonst oft im Wald, Angst haben müssen, über Steine und Wurzelwerk zu stolpern. Ein Teil des Tiergartens ist eher parkähnlich angelegt, mit gemähten Rasenflächen und größtenteils sehr alten, dicken Bäumen. Im anderen Teil fühlte man sich wie in einem „normalen“ Wald. Die Bäume, die hier umgestürzt sind, bleiben liegen und dienen etlichen Tieren als Nahrung und teils auch als Wohnung.

Hin und wieder stehen im Parkbereich Bänke, auf denen wir uns aber nicht niederließen. Außer uns waren noch etliche andere Besucher/innen dort, oft Eltern mit Kindern. Als wir ein Stück gegangen waren, kamen wir an eine Voliere. Hierin befinden sich unterschiedliche Hühner, wie zum Beispiel Zwerghühner, aber auch ein paar Tauben. Diejenigen, die sie nicht sehen konnten, hören aber ihr Gackern und Gurren.

Nach einer Weile gelangten wir an ein eingezäuntes Gehege. In ihm befinden sich eine Reihe Wildschweine. Einen alten großen Eber, der einige Meter entfernt still dalag, hielten viele von uns zuerst für einen riesigen Stein, da sein Fell eine bräunliche Farbe hat. Mehr oder weniger weit von uns entfernt liefen noch andere Wildschweine mit ihren Frischlingen herum. Der Boden ist aus Erde/Matsch und Gras. Im Hintergrund gibt es einige kleine Holzhütten, die den Tieren als Behausung dienen. Leider durften wir die Wildschweine nicht füttern.

Nicht allzu weit davon entfernt entdeckte Manfred auf einer Rasenfläche ca. 40 bis 50 Meter von uns entfernt eine Rotwildherde, bestehend aus Rehen und Hirschen. Ich versuchte vorsichtig mich ihnen etwas zu nähern. Sie können sich frei auf dem Gelände bewegen, sind also nicht eingezäunt.

Auf dem weiteren Weg sahen wir in einiger Entfernung ein Fachwerkhaus stehen. Daneben war eine Futterstelle. Zu dieser Zeit (am Nachmittag) waren dort allerdings keine Tiere zu entdecken. Im Tiergarten gibt es auch noch diverse kleinere Tiere, wie Füchse, Dachse, Eichhörnchen oder Fledermäuse, die sich uns aber nicht zeigten. Allerdings hörten wir das Zwitschern verschiedener Vögel. Wir kamen auch an einem Gewässer vorbei.

Als wir den Tiergarten an einem anderen der insgesamt sieben Ausgänge verlassen hatten, gingen wir unter der Brücke einer Bahntrasse für Güterzüge hindurch in den angrenzenden Hermann-Löns-Park. Er ist ähnlich angelegt wie der Tiergarten. Von hier aus kamen wir wieder zu Häusern und Straßen. Da wir zwischen den Stadtbahnhaltestellen „Annastift“ und „Bleekstraße“ waren, beschlossen wir, zu letzterer zu gehen, da einige der Teilnehmenden nicht weit davon wohnen. Wir waren gegen 16:45 Uhr dort.

Fast die ganze Zeit über schien die Sonne. Die meisten von uns haben den längeren Spaziergang und aus persönliche Zusammensein mit anderen Betroffenen, trotz etwas Distanz, genossen. Einige von uns fuhren von Kirchrode aus wieder in die Innenstadt und dann weiter zum Hauptbahnhof. Auf der Rückfahrt gab es erneut einen kräftigen Regenschauer.

Zuletzt geändert am 10.06.2020 15:10