Stiftungsprofessur in Bonn neu besetzt

Von Maria Kretschmer

Im Jahr 2008 hatte der Stiftungsvorstand zusammen mit dem Wissenschaftlichen und Medizinischen Beirat die Idee entwickelt, zur dauerhaften Forschungsförderung eine Stiftungsprofessur zu vergeben. Nach einem Ausschreibungsverfahren waren zwei vielversprechende Kandidaten mit den Schwerpunkten Grundlagenforschung und klinische Forschung in den Fokus gerückt.

Die Professuren waren für fünf Jahre mit je 430.000 Euro dotiert. Dies bedeutete für die PRO RETINA-Stiftung zur Verhütung von Blindheit eine große finanzielle Herausforderung. Da es sich bei beiden Kandidaten um Persönlichkeiten handelte, die eine exzellente Reputation genießen, hatten wir uns darauf geeinigt, eine Ko-Finanzierung durch weitere Stiftungen anzustreben. Mit der Hilfe von Professor Eberhart Zrenner konnte schließlich die zweite Professur durch die Unterstützung von drei weiteren Stiftungen sichergestellt werden. Nach Beendigung der fünfjährigen Förderung durch die Stiftung haben sich die Universitäten Bonn und Regensburg verpflichtet, diese Stellen künftig zu finanzieren.

Die Professur in Regensburg wurde zunächst durch Professor Thomas Langmann besetzt und von Professorin Antje Grosche fortgeführt. Beide sind einem Ruf an die Universitäten Köln respektive München gefolgt und setzen ihre Forschungsarbeit dort fort. Ein Nachfolger wird gesucht. Die Professur in Bonn wurde durch Professor Peter Charbel Issa besetzt. Er ist mittlerweile nach Oxford gewechselt, um seine Forschungsarbeiten dort fortzuführen. Diese Stelle wurde jetzt durch Professor Volker Busskamp neu besetzt. Wir wünschen Professor Busskamp viel Erfolg bei seiner Tätigkeit.

Die AUTORIN Maria Kretschmer ist Vorsitzende der PRO RETINA-Stiftung zur Verhütung von Blindheit.

Im Dezember 2019 ist folgender Artikel in der Onlineausgabe von „Der Ophthalmologe“ erschienen: „Forschungsförderung durch eine Patientenorganisation. Das Beispiel der PRO RETINA und ihrer Stiftung“ von Dr. Rainald von Gizycki, Helma Gusseck und Dr. Frank Brunsmann. Der Beitrag kann als PDF-Version über springer.com erworben werden.

Ein Spezialist für die Sinneszellen im Auge

Der international renommierte Wissenschaftler Volker Busskamp hat die Professur für Degenerative Netzhauterkrankungen an der Universitäts-Augenklinik Bonn angetreten. Die Professur wurde initial als Stiftungsprofessur der PRO RETINA Deutschland von der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn eingerichtet. Professor Busskamp erforscht innovative Ansätze und entwickelt Zukunftskonzepte, wie sich Blindheit verhindern lässt. „Ich freue mich auf meine neuen Aufgaben und die Einbindung in den Forschungsstandort und die Exzellenzuniversität Bonn“, so Busskamp. Das interdisziplinäre Umfeld, insbesondere die Kollegen und Studenten, die bereits vorhandene und die geplante Infrastruktur sowie die internationale Wahrnehmung seien hervorragend, sodass sein internationales Team translationale Forschungsvorhaben effizient umsetzen könne. „Die direkte Einbindung in die Augenklinik ist ein riesiger Vorteil und eine hohe Motivation, aus experimenteller Forschung neue Therapien gegen Blindheit zu verwirklichen“, sagt der neu berufene Professor.

Seine Forschung konzentriert sich auf Photorezeptoren. Das sind Sinneszellen der Netzhaut, die Licht in elektrochemische Signale umschreiben. Diese Reize werden weiterverarbeitet und ermöglichen unser Sehen. Hochspezialisierte Photorezeptoren haben spezielle Antennen, sogenannte „Äußere Segmente“, welche sehr fragil sind, und bei vielen Erkrankungen des Auges als Erstes absterben. Busskamp befasst sich damit, wie die Struktur und Funktion solcher Photorezeptorzellen durch Genregulation und Optogenetik geschützt sowie wiederhergestellt werden können.

Proteine aus Algen, Pilzen oder Bakterien helfen Netzhautzellen

In seiner optogenetischen Forschung schleust der Wissenschaftler lichtsensitive Proteine aus Algen, Pilzen oder Bakterien in Netzhautzellen ein, um sie wieder lichtsensitiv zu machen. „Dieser Ansatz befindet sich bereits in der klinischen Erprobung“, sagt Busskamp. Wenn Photorezeptoren vollständig degeneriert sind, können Zellersatztherapien zum Einsatz kommen. Hierzu zeigt der Wissenschaftler neue Wege auf, wie sich Photorezeptoren aus Stammzellen hocheffizient gewinnen lassen. Um Mutationen zu korrigieren, die zur Degeneration von Photorezeptoren führen, arbeitet Volker Busskamp außerdem daran, Genscheren gezielt und effektiv einzusetzen.

Busskamp ist Diplom-Biotechnologe und hat an der TU Braunschweig, der Universität Genf und der Universität Basel studiert. 2010 promovierte er im Labor von Professor Botond Roska am Friedrich-Miescher-Institut in Basel und schloss sich anschließend der Arbeitsgruppe von Professor George Church an der Harvard Medical School in Boston an. Als Freigeist-Fellow der VolkswagenStiftung baute er ab 2014 erfolgreich seine Nachwuchsgruppe am Zentrum für Regenerative Therapien der TU Dresden auf, bevor er an die Augenklinik der Universität Bonn berufen wurde. Seine Forschung ist in renommierten Journalen veröffentlicht. Der Wissenschaftler hat zahlreiche Forschungspreise und Auszeichnungen erhalten, so zum Beispiel den Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Nachwuchspreis 2017 und einen ERC Starting Grant mit einer Fördersumme von 1,5 Millionen Euro.

„Wir freuen uns, mit Professor Busskamp einen international renommierten Wissenschaftler gewonnen zu haben“, sagt Professor Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik. „Seine präventiven Ansätze, die Optogenetik und Zellersatztherapien sind sehr erfolgversprechende translationale Konzepte, von denen unsere Patienten hoffentlich bald profitieren können.“

Stiftungsprofessur von PRO RETINA

Mit der Stiftungsprofessur von PRO RETINA, die nun von der Medizinischen Fakultät der Universität weitergeführt wird, konnte vor knapp acht Jahren in Bonn die Spezialsprechstunde für Patientinnen und Patienten mit seltenen erblichen Netzhauterkrankungen ausgebaut werden, ein dringend notwendiger wissenschaftlicher Schwerpunkt.

„Wir freuen uns – mit der Berufung von Professor Volker Busskamp – auf die Fortsetzung innovativer Netzhautforschung an der Bonner Universitäts-Augenklinik zum Wohle der heutigen und zukünftigen Patientengeneration“, sagt Franz Badura, Vorsitzender der PRO RETINA Deutschland e. V.

Prof. Dr. Volker Busskamp, Universitäts-Augenklinik Bonn, Tel. (0228) 28 71 36 87, E-Mail: volker.busskamp@uni-bonn.de

Quelle: Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 12.11.2019, https://www.uni-bonn.de/neues/282-2019

Zuletzt geändert am 09.07.2020 09:42