Unsere Erkundung des Zauberwalds in Hannover am 15.05.21

von Christian Schulte

Die Idee zu diesem Ausflug kam von Manfred Bressel und Sabine Schulz. Ein Teil der Gruppe traf sich an diesem Samstag um kurz nach 13:00 Uhr am Ernst-August-Denkmal vor dem Hauptbahnhof Hannover. Das Wetter war an diesem Tag recht wechselhaft mit Regenschauern und dazwischen sonnigen Phasen und für Mai eher mäßig-warmen Temperaturen, die bei längerem Sonnenschein jedoch stiegen.

Wir begrüßten uns wegen der Corona-Regeln mit etwas Abstand und Masken. Ursprünglich wollten wir mit der Stadtbahn nach Hannover-Ricklingen fahren, um dort den Zauberwald und die schöne Natur zu erkunden und zu genießen. Wegen Bauarbeiten auf der Strecke wählten wir dann aber die S-Bahn, die um 13:25 Uhr auf Gleis 1 im Hauptbahnhof startete. Während der Fahrt stiegen noch Teilnehmende zu und auch an der Ziel-Haltestelle warteten eine Reihe von Teilnehmenden. Insgesamt waren wir 16 Personen. Das Altersspektrum reichte von Anfang Zwanzig bis Mitte Siebzig. Auch die diplom-biologin Sieglinde Fink nahm an der Natur-Erlebnistour teil.

In Kleingruppen mit dem gebotenen Abstand gingen wir zunächst durch die Stadt, dann erblickten alle, die noch etwas sehen konnten, links und rechts des Weges immer mehr Bäume, Büsche und Wiesen. Während der Wanderung hörten wir im Ricklinger Teich Frösche quaken und zwischendurch immer wieder Vögel singen. Die Wege sind breit und ebenerdig. Eine Brücke mit Holzbohlen führte uns zunächst über die gar nicht so breite Ihme und eine zweite dann über die knapp zehn Meter breite Leine. Wenig später erreichten wir das Fährhaus am Westufer des Maschsees. Normalerweise kann man dort einkehren, jetzt konnte man dort aber zumindest etwas zum Trinken und Essen für unterwegs holen und kostenlos die Toilette benutzen. In einem großen Kreis stehend stellten wir uns dann der Reihe nach vor, da einige „Neue“ dabei waren.

Als das Wetter wieder etwas freundlicher geworden war, führte uns Sabine Schulz, die in der Nähe wohnt, und die die Route zusammen mit Julia Jander für uns erkundet hatte, zunächst wieder zurück über die Leine-Brücke und dann nach links auf einen erhöhten Weg, der mich etwas an einen Deich im Kleinformat erinnerte. Links von uns floss etwas tiefer gelegen die Leine, auf der einige Ruderboote unterwegs waren. Rechts waren ein paar Meter niedriger Büsche und Sträucher zu sehen. Wir genossen die aufblühende Natur und Sieglinde zeigte uns auf dem Weg immer wieder Pflanzen, die wir aus der Nähe ertasten und riechen konnten. Dabei waren Taubnesseln mit Blüten, aber auch Kastanienblätter und –blüten.

Nach einigen hundert Metern wurden die Pflanzen auf der rechten Seite des Wegs immer höher und es sah aus wie ein „richtiger“ Wald. Um hineinzukommen, mussten wir einen schmalen Weg hinabsteigen. Im Wald gibt es verschlungene Pfade und immer wieder umgestürzte Bäume, über dessen Stämme wir klettern mussten. Zum Glück waren alle recht fit und die blinden und stark sehbehinderten Teilnehmenden hatten eine gut sehende Begleitung, sodass nichts passiert ist. Alles ist recht naturbelassen und man dachte nicht, dass dieses Gebiet zu einer Großstadt gehört. Auch hier hörten wir in Teichen Frösche quaken und Vögel zwitschern.

Nachdem wir eine Weile durch den Wald gegangen waren, entdeckten wir den sogenannten Zauberwald, welcher das Ziel unseres Ausflugs war.Der Weg dorthin ist leider nicht ausgeschildert. Der Zauberwald ist im Monet eher noch ein Geheimtipp. Hier haben Künstlerinnen und Künstler viele Figuren als Holz geschnitzt bzw. angefertigt. Wir sahen und ertasteten diverse Affenfiguren. Einer hatte sogar eine Kamera in der Hand, ein anderer ein Buch. Aber auch andere Tiere konnten wir bestaunen. Darunter waren einige rosafarbene Flamingos, ein weißer Hirsch, aber auch eine Schlange auf einem Baum und ein Zebra. Auf einem Baumstamm sind einige Musiker mit ihren Instrumenten zu sehen, wie auch Figuren, die zur Musik tanzen. Aber auch diverse afrikanischen Masken, teils mit Federn und Haaren, sind an einer Holzwand aufgehängt. Ebenfalls wurde das Thema Liebe symbolisch dargestellt, außerdem eine Märchenfigur und ein roter Feuervogel. An einer Stelle sollte eine Unterwasserwelt dargestellt werden, mit einem U-Boot auf dem Waldboden und darüber „schwimmenden“ Menschen mit Flossen und einem Sauerstoffgerät auf dem Rücken. Auch Schachbretter mit Figuren, wie auch eine Art Puppenstuben-Küche aus früheren Zeiten. Wenn es zu den Figuren Schautafeln gab, las in meiner Kleingruppe Sieglinde die Texte vor. Zu dieser Zeit regnete es zwar, aber das Blätterdach der teils sehr dicken und alten Bäume schützte uns größtenteils davor. Das wechselhafte Wetter hatte für uns aber auch den positiven Nebeneffekt, dass außer uns nur wenige Familien mit Kindern dort waren, also die Abstände gewahrt bleiben konnten.

Alle fanden die Figuren sehr schön und fantasievoll. Auch die Erblindeten unter uns konnten sich durch das Ertasten und die Beschreibungen des Aussehens etwas darunter vorstellen. Bei wieder sonnigem Wetter ging es anschließend weiter durch die Natur, bis wir nach einer Zeit wieder auf den Uferweg an der Leine kamen. Diesen gingen wir zurück und dann bei strahlendem Sonnenschein wieder zur Haltestelle „Fischerhof“. Die S-Bahn Richtung Hauptbahnhof kam leicht verspätet gegen 16:20 Uhr und ich konnte mit ihr sogar bis Bückeburg durchfahren, wo ich am dortigen Bahnhof von meinem Vater mit dem Auto abgeholt wurde. Abschließend kann ich sagen, dass es mal wieder ein schöner Nachmittag für uns war und viele sich freuten, dass wir uns nach längerer Zeit wiedersehen konnten.

Zuletzt geändert am 19.05.2021 12:21