Charles-Bonnet-Syndrom

Das Charles-Bonnet-Syndrom ist eine psychische Erkrankung, die in Verbindung mit einer Seheinschränkung auftritt. Sie ist nur wenigen Menschen bekannt. Der Schweizer Naturwissenschaftler und Philosoph Charles Bonnet (1720-1793) entdeckte diese psychische Erkrankung durch die Sehbehinderung seines Großvaters, Charles Lullin. Er wurde am Grauen Star operiert, erblindete aber leider kurze Zeit später daran. Er berichtete seinem Enkel von lebhaften Halluzinationen. Erst später erhielt diese Erkrankung den Namen Charles-Bonnet-Syndrom (CBS).

Ursachen und Krankheitsbild

Manchmal sind sehbehinderte oder blinde Menschen vom CBS betroffen. Sie sind in der Regel psychisch unauffällig. Allerdings klagen die Betroffenen über sehr ausgeprägte immer wiederkehrende Halluzinationen. Gesichter der Gesprächspartner werden plötzlich zu angsteinflößenden Fratzen. Möbelstücke werden schief und kippen um. Lichterscheinungen wie Explosionen und Lichtblitze treten vor das Auge. Typisch sind auch klar abgegrenzte geometrische Formen.

Das Charles-Bonnet-Syndrom ist ein neurologisches psychiatrisches Syndrom. Es entsteht sowohl bei einer Schädigung des Sehnervs als auch bei einer Sehbehinderung oder Erblindung. Zu den auslösenden Erkrankungen zählen Katarakt (Grauer Star), Makula-Degenerationen, Retinitis pigmentosa, diabetische Retinopathie, Tumore und Hirnblutungen. Wissenschaftler und Ärzte vermuten, dass das Gehirn diese Halluzinationen entwickelt. Sehbehinderten und blinden Menschen fehlen Reize der Außenwelt. Untersuchungen zeigen aber, dass das Sehzentrum noch aktiv ist. Das Gehirn produziert eigene Bilder, die der Mensch als Halluzinationen wahrnimmt. Dieses Phänomen kann mit Phantomschmerzen nach einer Amputation verglichen werden. Die Häufigkeit der Erkrankung ist nur schwer zu definieren. Einige Studien berichten, dass rund die Hälfte der sehbehinderten und blinden Menschen vom CBS betroffen sind. Andere Studien sind der Meinung, dass vermehrt ältere Menschen mit einer altersabhängigen Makuladegeneration betroffen sind. Genaue Studien und Ergebnisse fehlen leider. Viele Betroffene sprechen nicht über ihre Halluzinationen aus Angst nicht ernst genommen zu werden.

Therapie

Schwierig ist, dass diagnostische Kriterien bis jetzt unzureichend bekannt sind. Wichtig ist den Betroffen, dass keine beginnende Demenz oder eine andere psychiatrische Erkrankung vorliegt. Treten die Halluzinationen immer bei Dunkelheit auf können Betroffene versuchen die Helligkeit des Raumes zu verändern. Auch durch eine geänderte Blickrichtung oder kurze Augenbewegungen kann die Halluzination verschwinden. Wichtig ist, dass die Halluzinationen vom Betroffenen als unecht und realitätsfremd erkannt werden. Die Betroffenen können sich somit besser von diesen Symptomen distanzieren.

Eine Therapie der CBS kann nur über Psychopharmaka erfolgen. Durch die Nebenwirkungen der psychopharmazeutischen Medikamente verzichten allerdings viele Betroffene auf diese Art Behandlung.

Zuletzt geändert am 19.02.2020 13:07