Non-24

Manche vollblinde Menschen sind von einer Schlafstörung namens Non-24 betroffen. Non-24 ist eine seltene, chronische Schlaf-Wach-Rhythmusstörung. Non-24 ist unabhängig von Geschlecht, Alter und Art der Erblindung.

Non-24 äußert sich in Schlafproblemen während der Nacht, wie z.B. Einschlaf– und/oder Durchschlafstörungen, und extremer Müdigkeit am Tag. Betroffene fühlen sich oftmals energielos und haben am Tag erhebliche Probleme wach zu bleiben. Dies kann zu einer Reihe von Schwierigkeiten und Problemen im beruflichen und sozialen Umfeld führen.

Zyklischer 24 Stunden Rhythmus

Der tägliche Rhythmus eines jeden Menschen dauert idealerweise 24 Stunden, um im Gleichgewicht mit dem äußeren 24-Stunden-Tag zu sein. Betroffene von Non-24 (übersetzt „nicht 24“) haben einen anderen natürlichen Schlafrhythmus als der normale 24 Stunden Tag. Bei den meisten Menschen ist die innere Uhr etwas länger als 24 Stunden. Normalerweise wird dieser Unterschied jeden Tag aufs Neue korrigiert. Die innere Uhr stellt sich automatisch auf 24 Stunden ein. Als Impulsgeber wird das Tageslicht benötigt. Vollkommen blinde Menschen sind nicht in der Lage, das Licht der Umgebung wahrzunehmen. Ein Signal an das Gehirn, welches die innere Uhr an unseren 24 Stunden Rhythmus anpasst, bleibt aus. Zu anfangs ist die innere Uhr nur um wenige Minuten verschoben. Dies summiert sich schnell auf und die Betroffenen sind tagsüber müde.

Cortisol gibt Energie

Für unseren natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus ist das Schlafhormon Melatonin und das Stresshormon Cortisol verantwortlich. Cortisol ist für den Menschen lebensnotwenig, es reguliert den Blutzuckerspiegel, ist an der Immunantwort beteiligt, sowie am Fettgewebs- und Eiweißstoffwechsel. Während einer Stresssituation wird Cortisol vermehrt gebildet, dadurch steigen die Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeiten. Der Zeitpunkt der Freisetzung entscheidet, wann wir müde und wann wir aktiv sind. Zum Problem wird Cortisol, wenn der Spiegel dauerhaft erhöht ist, besonders abends. Gegen Abend nimmt die Cortisol-Produktion normalerweise ab. Circa drei Stunden vor dem Aufwachen steigt sie wieder an und ermöglichst uns einen aktiven Start in den neuen Tag.

Melatonin lässt schlafen

Melatonin ist der Gegenspieler des Cortisols. Das Schlafhormon lässt uns abschalten und in die Welt der Träume gleiten. Es wird zum größten Teil im Gehirn, in der Zirbeldrüse gebildet. Die Drüse ist über den Sehnerv mit dem Auge verbunden und kann somit Licht wahrnehmen. Ist es hell, wird die Produktion von Melatonin unterdrückt, ist es dunkel wird Melatonin gebildet. Die Zirbeldrüse schüttet das Hormon in die Blutbahn aus, Zellen des Gehirns regulieren daraufhin die Körpertemperatur runter. Viele Organe schalten durch Melatonin vom aktiven Modus in den „Schlafmodus“ um. Gibt es durch eine vollkommene Erblindung keine Lichtwahrnehmung kann es zu einer permanenten Verschiebung der Freisetzung der beiden Hormone kommen. In der Nacht sind Non-24 Betroffene wach und finden keinen Schlaf. Tagsüber verursacht Non-24 eine starke Müdigkeit.

Gesundheitliche Auswirkungen durch Schlafmangel

Schlechter, unregelmäßiger, zu kurzer oder zu langer Schlaf kann enorme Auswirkungen auf unseren Körper, unsere Psyche und damit auf unser Leben haben. Er dient der körperlichen Regeneration und der Verarbeitung von Informationen. Wir können uns nicht mehr konzentrieren, sind gereizt oder kämpfen tagsüber mit der Müdigkeit. Krankheiten wie Depressionen, Bluthochdruck oder Diabetes sind mögliche Langzeitfolgen. Schlaf wirkt sich positiv auf unser Immunsystem, auf den Stoffwechsel, die Hormonproduktion und wichtige Organfunktionen aus.

Diagnose von Non-24

Zuerst ist es ratsam für mehrere Monate ein Schlaftagebuch zu führen. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin bietet ein Muster für ein Schlaftagebuch an. Schlaftagebuch zum Download.

Schlafexperten betrachten das Führen einer Schlafdokumentation als wichtige Voraussetzung für eine Diagnosestellung. Ein Schlaftagebuch liefert einem Facharzt für Schlafmedizin wichtige Informationen über Ihr Schlaf-Wachverhalten und dessen Ursache. Schließlich kann es sinnvoll sein, dass die Betroffenen eine Nacht im Schlaflabor untersucht werden, um andere Schlafstörungen auszuschließen.

Therapie bei Non-24

Die Möglichkeiten zur Behandlung waren bisher begrenzt. Ein einfacher Ratschlag ist die Einhaltung einer individuellen Schlafhygiene, d.h. sich an feste Zeiten beim Zubettgehen und beim Aufstehen zu halten. Auch regelmäßige körperliche Aktivitäten könnten helfen. Betroffenen wurden Hypnotika, Sedativa oder auch Antidepressiva gegen ihre Schlafstörungen verschrieben. Diese Medikamente bringen zahlreiche Nebenwirkungen mit sich. Eine nur bedingt geeignete und in Deutschland auch nicht zur Synchronisation des Schlaf-Wach-Rhythmus zugelassene Alternative ist Melatonin.

Für Betroffene mit gesicherter Non-24 Diagnose kann der Wirkstoff Tasimelteon auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse ärztlich verschrieben werden. Tasimelteon, ein Melatoninrezeptor-Agonisten, aktiviert die Produktion von Melatonin. Bei regelmäßiger Einnahme kurz vor dem Schlafengehen passt der Wirkstoff den Schlaf-Wach-Rhythmus an den gängigen 24 Stunden Rhythmus an. Für die Behandlung eines Non-24-Syndroms wenden Sie sich bitte an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Schlafmedizin mit Erfahrung zu der Schlafstörung Non-24.

Zuletzt geändert am 20.04.2020 11:29