Altersabhängige Makuladegeneration

Der nachfolgende Text stammt aus der Informationsschrift Altersabhängige Makuladegeneration - Was ist das?, Nr. 13, 07-2018, herausgegeben von der PRO RETINA Deutschland e. V.:

Wie wird eine AMD behandelt?

Eine AMD ist eine chronische Erkrankung und kann nach heutigen Erkenntnissen nicht geheilt, sondern nur teilweise aufgehalten werden. In den vergangenen 20 Jahren führten viele neue Erkenntnisse aus der Forschung zu neuen Therapien.

Es gibt bereits eine Reihe bereits erprobter und erfolgreicher Verfahren, die feuchte AMD zu lindern. Hierzu gehört vorallem die Injektion von Medikamenten direkt in das betroffene Auge. Weitere Methoden befinden sich im Stadium von Forschungsstudien, die auch schon erfolgreich angewandt werden, jedoch noch weiter entwickelt werden, um Langzeitergebnisse zu erhalten. Daher entspricht der folgende Überblick über die derzeit wichtigen Therapien und Studien dem aktuellen Stand, Änderungen sind jedoch nach Drucklegung möglich und können gegebenenfalls bei der PRO RETINA erfragt werden, beziehungsweise werden in unserer vierteljährlich erscheinenden Mitgliederzeitung "Retina aktuell" vorgestellt. Zum Seitenanfang

Therapie der trockenen AMD

Für die trockene Spätform der AMD gibtes bisher keine Therapie außer der Versorgung mit vergrößernden Sehhilfen. Zum Seitenanfang

Therapie der feuchten AMD

Bis heute stehen nur für die feuchteForm der AMD verschiedene Behandlungsformen zur Verfügung. In großen Studien gesichert ist vor allem die Wirkung der intravitrealen operativen Medikamenteneingabe (IVOM) von sog. VEGF-Hemmern. Die IVOM kann denVerlauf der Erkrankung verlangsamenund in der Regel anfangs sogar zu einerdeutlichen Sehverbesserung führen. Daher ist sie derzeit die Therapie der ersten Wahl. Ob und welche Therapie im Einzelfall in Frage kommt, muss nach einer sorgfältigen augenärztlichen Untersuchung und einer eingehenden Diskussion mit dem behandelnden Augenarzt entschieden werden.Zum Seitenanfang

Intravitreale Injektion von VEGF-Hemmern

Bei der Suche nach der Ursache der Gefäßneubildung unter der Netzhaut fandsich als wesentliche Ursache der Botenstoff VEGF (Vascular Endothelial GrowthFactor). Der Wachstumsfaktor VEGF hat im ganzen Körper wesentliche Funktionen bei der Gefäßneubildung und -regeneration. Eine überschießende Bildungvon VEGF kann zu einem krankhaftenGefäßwachstum unter der Netzhaut führen. Daher wurden Hemmstoffe gegendiesen Wachstumsfaktor entwickelt. Diese führen durch eine Abdichtung der Blutgefäße zu einer Rückbildung der Flüssigkeitsansammlung in der Netzhaut und auch zu einer gewissen Rückbildung der Gefäße. Um Nebenwirkungen im Körper zu vermeiden, werden diese Medikamente miteiner feinen Nadel direkt in das Augeninnere in den Glaskörper injiziert (IVOM). Zur Vermeidung von Infektionen mussdies unter sterilen Bedingungen wie bei jeder Augenoperation vorgenommen werden. Diese Medikamente wirken nur eine bestimmte Zeit, in der Regel sindwiederholte Injektionen erforderlich. Zum Seitenanfang

Lucentis

Lucentis blockiert alle in der Netzhaut vorkommenden Formen des Wachstumsfaktors VEGF. Lucentis wird zunächst dreimal in monatlichen Intervallen injiziert. Anschließend Wiederbehandlungen hängen vom individuellen Verlauf ab, wobei regelmäßige augenärztliche Kontrollen unabdingbar sind. Nach dem derzeitigen Stand des Wissens sollte die Entscheidung über eine erneute Behandlung von der Entwicklung der Sehschärfe und der Beurteilung eines hochauflösenden OCTs im Verlauf abhängig gemacht werden. Eine Wirksamkeit wurde in mehreren Studien nachgewiesen. Es kommt in einem sehr hohen Prozentsatz zu einer Stabilisierung des Sehvermögens und in rund 40 Prozent der Fälle zu einer Verbesserung. Lucentis ist seit Mitte 2007 in Deutschland zugelassen. Zum Seitenanfang

Eylea

Eylea blockiert alle in der Netzhaut vorkommenden Formen des Wachstumsfaktors VEGF und den Wachstumsfaktor PIGF. Eylea wird zunächst dreimal in monatlichen Intervallen injiziert. Für die weitere Behandlung wurde für das erste Behandlungsjahr ein fester zweimonatlicher Rhythmus untersucht, Experten empfehlen wie bei Lucentis Wiederbehandlungen abhängig vom individuellen Verlauf. Nach dem derzeitigen Stand des Wissens sollte die Entscheidung über eine erneute Behandlung von der Entwicklung der Sehschärfe und der Beurteilung eines hochauflösenden OCTs im Verlauf abhängig gemacht werden. Eine Wirksamkeit wurde in mehreren Studien nachgewiesen. Es kommt in einem sehr hohen Prozentsatz zu einer Stabilisierung des Sehvermögens und in rund 40 Prozent der Fälle zu einer Verbesserung. Nach dem derzeitigen Stand des Wissens ist die Wirksamkeit von Eylea und Lucentis vergleichbar, dies wird in weiteren Studien untersucht. Eylea ist seit Ende 2012 in Deutschland zugelassen.

Avastin

Avastin ist ein dem Lucentis sehr ähnliches Präparat, das als VEGF-Hemmer nicht für das Auge, sondern zur Behandlung von Darmtumoren entwickelt und zugelassen wurde. Es blockiert alle in der Netzhaut vorkommenden Formen des Wachstumsfaktors VEGF. Aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit in den Jahren 2006 und 2007 von Macugen und Lucentis wurde Avastin auch für die Behandlung der feuchten AMD eingesetzt. Da Avastin dafür nicht offiziell zugelassen ist, erfolgt diese Behandlung als Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation (sog. "off label-use"). Im Rahmen mehrerer Vergleichsstudien zwischen Lucentis und Avastin (z.B. CATT-Studie, IVAN-Studie, GEFAL-Studie) wurde inzwischen eine vergleichbare Wirksamkeit von Lucentis und Avastin nachgewiesen. Eine Vergleichsstudie zwischen Avastin und Eylea liegt noch nicht vor, da jedoch zwischen beiden Medikamenten und Lucentis kein Unterschied nachweisbar ist, ist von einer vergleichbaren Wirkung aller drei Medikamente auszugehen. Ein Einsatz von Avastin wird von vielen Augenärzten praktiziert. Pro Retina empfiehlt an dieser Stelle den Patienten zur Wahl des Medikaments die persönliche Beratung und Aufklärung durch ihren Augenarzt. Zum Seitenanfang

Was geschieht bei der intravitrealen Injektion?

Die Durchführung der intravitrealen Injektion erfolgt entsprechend den aktuellen gemeinsamen Empfehlungen der Berufsorganisationen der Augenärzte (Retinologische Gesellschaft, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Berufsverband der Augenärzte Deutschlands). Eine Weitstellung der Pupille ist erforderlich. Es erfolgt eine sterile Vorbereitung des zu behandelnden Auges mit einer entsprechenden Abdeckung in einem Operationssaal. Nach örtlicher Betäubung wird mit einer sehr feinen Nadel das Medikament seitlich in das Auge injiziert. Dies ist in der Regel nicht schmerzhaft.

Nach der Behandlung kann der Augeninnendruck ansteigen. In seltenen Fällen kann auch eine Entzündung im Augeninneren entstehen. Nachkontrollen des Auges beim Augenarzt sind wichtig, um diese Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Die Verlaufskontrolle und die Entscheidung über weitere Behandlungen erfolgt abhängig von der Entwicklung von Sehschärfe, dem Ergebnis der Augenhintergrundsuntersuchung und etwaigen weiteren Untersuchungen wie Fluoreszenz-Angiographie oder OCT. Zum Seitenanfang

Finanzierung der Injektionen

Die ambulante intravitreale Injektion istseit dem 1.10.2014 endlich eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Im Rahmen der Regelleistung werden nur die zugelassenen teuren Medikamente eingesetzt. Die für eine individualisierteAnwendung erforderlichen Untersuchungen mit dem SD-OCT werden seit Herbst 2018 ebenfalls von den Krankenkassen erstattet. Daneben haben die Augenärzte mit Krankenkassen Sonderverträge abgeschlossen. In diesen Verträgen ist geregelt,dass die Kassen die Kosten für alle Medikamente übernehmen. Im Rahmen der Verträge ist der Einsatz auch des kostengünstigeren Avastin® vorgesehen. Zum Seitenanfang

Häufigkeit der IVOM

Die aktuelle AMD-Stellungnahme der augenärztlichen Fachverbände empfiehlt ein individualisiertes Therapieschema undweicht damit in Bezug auf die Häufigkeit der Anwendung teilweise von den Zulassungen der Medikamente ab. Ziel einer individualisierten Therapie ist es, die Menge der IVOM aufgrund des insgesamt geringen (ca.1/5.000) Risikos von Entzündungen im Auge zu begrenzen. Motto:‚so häufig wie nötig, aber so selten wiemöglich‘. Eine regelhafte kontinuierlicheTherapie ist nicht sinnvoll, da dann viele Patienten zu häufig behandelt werden.Wissenschaftliche Studien haben gezeigt,dass gute Funktionsergebnisse mit möglichst wenigen IVOM erreicht werden können, wenn neben der Sehschärfe auch die Netzhautstruktur, gemessen mit dem D-OCT, in die Beurteilung zur Weiterbehandlung mit einbezogen werden. Eine alleinige Behandlung aufgrund der Sehschärfe zeigt dem gegenüber ungünstigere Ergebnisse. Grundsätzlich erfolgen nach der Erstdiagnose alle Anti-VEGF-IVOM in einem Abstand von mindestens vier Wochen für die ersten drei Injektionen. Dann gibt es zwei individualisierte Therapieschemata: Pro re nata und Treat & Extend.Zum Seitenanfang

Pro re nata

Pro re nata bedeutet ‚nach Bedarf’. Initial erfolgen zunächst drei IVOM. Die Verlaufskontrolle und die Entscheidung über weitere Behandlungen erfolgt abhängig vonder Entwicklung von Sehschärfe, dem Ergebnis der Untersuchung des Augenhintergrunds und dem SD-OCT, ggf. auch einem Fluorezenzangiogramm. In den Untersuchungen mit dem SD-OCT lassen sich Strukturveränderungen oft feststellen, bevor es zu einer Sehverschlechterung kommt. Ein erneutes Fluoreszenzangiogramm kann sinnvoll sein, wenn die Sehschärfe schlechter wird, sich im SD-OCT aber keine Erklärung zeigt. Ganz wesentlich für den dauerhaften Funktionserfolg der Therapie sind engmaschige – in den ersten sechs Monaten – vierwöchige Kontrollen nach der letzten Injektion, um eine erneute Aktivität der Erkrankung frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können. Danach kann der Abstand der Kontrollenverlängert werden.Zum Seitenanfang

Treat & Extend

Treat & Extend bedeutet, dass der IVOM-Abstand schrittweise verlängert wird, bei Bedarf natürlich auch verkürzt werden kann. Kontrollen erfolgen ebenso wie bei Pro re nata mit Beurteilung von Sehschärfe, Augenhintergrund und SD-OCT. Treat&Extendist ein neueres Individualisierungsschema, für das bisher in Deutschland weniger Erfahrung vorliegt, die Erfahrungenaus der Schweiz und den USA unterstützen solch ein Schema.-Die aktualisierte Zulassung von Lucentis®umfasst alle oben genannten Therapieschemata. Avastin®kann bei Off-LabelAnwendung ebenso individualisiert eingesetzt werden. Die Behandlung mitEylea®wird mit drei aufeinanderfolgenden monatlichen Injektionen initiiert.Das Behandlungsintervall wird danachauf zwei Monate verlängert. Der Arztkann das Behandlungsintervall aufrechterhalten oder das Dosierungsschemanach Bedarf weiter verlängern.

Grundsatz:

Für den Erfolg der Therapieist es bei jedem Therapieschema wichtig, dass die Patienten Kontrolltermine und Therapietermine einhalten. Nur dann kann die Praxis auch die guten Therapieergebnisse der Studien erreichen.Zum Seitenanfang

Lesen Sie auch die folgenden Kapitel der Informationsschrift Altersabhängige Makuladegeneration - Was ist das?:

Zuletzt geändert am 24.01.2020 10:22