PRO RETINA-Jugend Summer Camp 2019

Von Merle Boecking, Daniel Gulyás, Jeannine und Sebastian Sutter

Der 21. Juni markiert kalendarisch den Sommeranfang. Auf der nördlichen Erdhalbkugel ist es der längste Tag des Jahres, die Sommersonnenwende. Und so war es kein Zufall, dass wir uns an diesem Tag trafen: acht junge Leute im Alter von 22–36, das erste Mal, an diesem Sommerabend in Bonn. Wir aßen gemeinsam, gingen spontan auf das erste „Poppelsdorfer Midsommarfest“, noch so ein Anfang, die letzten leckeren Getränke genossen wir fast noch im Hellen. Ja, das war das Besondere für uns, wir sahen noch das Glas des jeweils anderen, das zum Anstoßen getroffen werden sollte. Es war nicht nur ein grandioser Sommeranfang, es war der Anfang unserer jungen Gemeinschaft von Sehbehinderten, die sich innerhalb der PRO RETINA organisieren wollen. Wir verstanden einander und genossen es, den anderen schmunzelnd zu erzählen, dass man gerade in die falsche Toilette abgebogen ist, weil man diese lieb' gemeinten Figuren an der Tür einfach nie auseinanderhalten kann.

Der Abend wurde lang, die Nacht kurz. Frühstück um acht Uhr im Hotel und weiter ging es zur Augenklinik Bonn, wo uns Kristina Heß empfing. Vorbereitet waren wir auf eine offene Fragerunde, wir konnten alles das fragen, was wir immer schon über unsere Erkrankung wissen wollten. Doch Kristina Heß und ihr Kollege Dr. Maximilian Pfau hatten erst einmal viele Fragen an uns. Dabei ging es unter anderem darum, ob bereits molekulargenetische Untersuchungen erfolgt seien, oder sie fragten nach unseren Erfahrungen mit niedergelassenen Augenärzten und den Teams der Augenkliniken der Universitäten. Im Anschluss führte uns Kristina Heß durch die Netzhautambulanz der Uniklinik Bonn und erklärte kurz den Ablauf und die verschiedenen medizinischen Geräte an den jeweiligen Stationen.

 

Ein besonderes Highlight war der Besuch der Kletterhalle BRONX ROCK in Wesseling. Was für einige in der Gruppe Routine war, stellte für die anderen die erste Begegnung mit den gewöhnungsbedürftigen Kletterschuhen dar. Schnell war klar, dass unsere beiden Coaches keinerlei Berührungsängste und einen sehr lockeren und humorvollen Umgang mit dem Thema Sehbehinderung hatten. Ausführlich erklärten sie uns, wie man sich gegenseitig an der Wand sichert und dann durften wir selbstständig loskrabbeln. Das Vertrauen, das uns von den Verantwortlichen entgegengebracht wurde, schätzten wir sehr. Unsere Coaches machten klar, dass man trotz Sehbehinderung ohne Hilfe seinen Partner sichern und ohne ständige Aufsicht eine zehn Meter hohe Wand erklimmen könne. Einige von uns wuchsen über sich hinaus, stellten sich ihren Ängsten oder gerieten in Verdacht, mit Spiderman verwandt zu sein. Getreu  dem Motto der Veranstaltung „Lass Dich nicht hängen“. Zum Schluss durften wir uns dann noch rückwärts aus 13 Metern Höhe von der Plattform fallen lassen, gesichert durch unsere Coaches natürlich. Da bekamen selbst die Schwindelfreien unter uns ein bisschen weiche Knie.

 

Am Sonntagvormittag hatten wir dann noch die Möglichkeit gemeinsam mit Fabiana alias YPSILON und Charlotte aus der Geschäftsstelle das Thema „Social Media in der PRO RETINA“ zu erörtern. YPSILON stellte ihre Erfahrungen als YouTuberin vor und animierte die Gruppe dazu, für den neuen Instagram-Kanal der PRO RETINA Video-Botschaften zu verfassen.

Teil unserer Gruppe an diesem Wochenende waren auch zwei Gäste aus der Schweiz, um die deutsche Retina-Jugend kennenzulernen. Gleichzeitig war es ein Wiedersehen mit Freunden, denn auch am vergangenen Weltkongress der „Retina International“ wurden Freundschaften geschlossen. Junge Menschen mit Netzhautdegenerationen machen weltweit oft ähnliche Erfahrungen, sehen sich mit ähnlichen Hürden konfrontiert und bekommen dieselben Sprüche und Fragen zu hören, über die man gemeinsam lachen kann.

Gruppenbild der Teilnehmer/innen
Gruppenbild der Teilnehmer/innen

 

TIPP: Der nächste internationale Kongress findet 2020 in Reykjavik statt. Bereits jetzt sammeln wir Eure Ideen für ein tolles Jugendprogramm, denn in Island gibt es echt viel zu erleben. Dass es super wird, steht außer Frage, denn ein Event voller neuer Freunde, Action und interessanten Inputs war es bisher immer.

Falls ihr also gern aktiv seid und etwas erleben wollt, sei es national oder international, meldet euch und LASST EUCH NICHT HÄNGEN!

Wir bedanken uns bei der DAK Gesundheit für die finanzielle Unterstützung im Rahmen des Jugend Summer Camps 2019.

Zuletzt geändert am 03.02.2020 10:33