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"Als wäre es leicht" - Ein Interview mit Schauspieler David Knors

David Knors

David Knors wurde 1990 in Solingen geboren und studierte Psychologie in Münster und Barcelona. Seit seinem 7. Lebensjahr lebt er mit einer fortschreitenden Augenerkrankung und verfügt aktuell noch über einen kleinen Sehrest. Heute lebt er in Münster und gibt mit Als wäre es leicht sein Spielfilmdebüt als Hauptdarsteller.

Wie beeinflusst Ihre Netzhauterkrankung Ihr Leben?
Ich würde sagen, dass mich meine Netzhauterkrankung sowohl im Alltag als auch in meinem Lebensweg stark geprägt hat. Es ist schwer zu sagen, „was gewesen wäre, wenn“ – aber wahrscheinlich würde ich heute ein anderes Leben führen, vielleicht einen anderen Beruf haben oder andere Entscheidungen getroffen haben. Insofern ist sie einfach ein Teil von mir und meinem Weg geworden.

Was hat Sie motiviert, Psychologie zu studieren?
Das war für mich damals nach dem Abitur gar nicht so eine leichte Entscheidung. Durch meine Eltern, die als Sozialarbeiter und Sozialpädagogin gearbeitet haben, habe ich früh gesehen, dass es etwas sehr Sinnvolles sein kann, Menschen in Krisen zu unterstützen. Das hat mich auf jeden Fall geprägt.
Gleichzeitig haben mich schon immer Fragen interessiert wie: Was treibt Menschen an? Warum entwickeln sie sich so unterschiedlich? Und wie beeinflussen Lebenserfahrungen unseren Weg?
Und ganz pragmatisch wusste ich auch, dass ich diesen Beruf trotz meiner Sehbehinderung
gut ausüben kann – das hat bei der Entscheidung definitiv eine Rolle gespielt.

Wo üben Sie Ihren Beruf als Psychologe aus und welche inhaltlichen Schwerpunkte haben Sie?
Bis vor Kurzem habe ich als Therapeut auf einer psychiatrischen Station für Menschen mit Depressionen gearbeitet. Aktuell mache ich eine Weiterbildung zum psychologischen Psychotherapeuten mit dem Schwerpunkt kognitive Verhaltenstherapie. Im Rahmen dieser Ausbildung arbeite ich in Teilzeit in einer Ausbildungspraxis für angehende Psychotherapeutinnen und -therapeuten. Das macht mir viel Spaß und ist auch praktisch, weil ich mir meine Arbeit dort relativ selbstständig einteilen kann.

Wie kamen Sie zum Film?
Das war tatsächlich ein großer Zufall. Ich bin kein gelernter Schauspieler und finde es ehrlich gesagt immer noch etwas ungewohnt, mich so zu bezeichnen. Umso besonderer ist es für mich, dass ich meine erste Hauptrolle in einem Kinofilm spielen durfte. Ich habe schon immer ein großes Interesse an Filmen und Geschichten gehabt. Mich fasziniert es, mich in andere Menschen hineinzuversetzen und mir vorzustellen, wie sich bestimmte Situationen anfühlen.
Dass ich dieses Interesse jetzt auch selbst ausleben darf, kann ich manchmal noch gar nicht richtig glauben.
 

Auf dem Bild zu sehen sind eine Frau mit langen, blonden Haaren in einem gelb gestreiften Shirt und ein Mann mit kurz rasierten Haaren in einer blauen Trainingsjacke. Der Mann sitzt der Frau mit geschlossenen Augen sehr nah gegenüber und hat seine Hand gehoben, die Frau berührt mit ihrem Zeigefinger seine Finger als würde sie etwas zählen
David Knors in seiner Hauptrolle als Florian in "Als wäre es leicht"

Was hat Sie daran gereizt, in dem Film mitzuspielen?
Mich hat das Drehbuch von Anfang an einfach gepackt. Ich fand die Frage sehr spannend, wie eine Liebesbeziehung zwischen einem blinden und einem gehörlosen Menschen
aussehen könnte: Wie nähern sie sich an? Wie verlieben sie sich? Welche Hürden gibt es – und welche besonderen Momente entstehen daraus? Da wollte ich unbedingt Teil von sein.

In dem Film geht es um die Liebe zwischen einer gehörlosen Frau und einem blinden Mann. Welche besonderen Herausforderungen gab es am Set und wie haben Sie diese gemeistert?
Für den Regisseur und die Produktionsfirma war von Anfang an klar: Wir machen den Film nur, wenn die Rollen auch von selbst betroffenen Schauspielerinnen und Schauspielern gespielt werden. In der Praxis bedeutete das zum Beispiel, dass ich gemeinsam mit dem Regisseur und dem Kameramann die Szenen vorher genau durchgegangen bin, damit ich weiß, wo die Kamera ist und wie ich mich im Raum orientieren kann. Cindy Klink, die die weibliche Hauptrolle spielt, wurde am Set von Gebärdensprachdolmetschenden begleitet. Über sie hat sie Regieanweisungen bekommen und konnte auch mit uns kommunizieren.

Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern, damit Menschen unabhängig von möglichen Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben führen können?
Ich denke, dass Strukturen weiter ausgebaut und auch neu geschaffen werden müssen, die Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Es läuft schon einiges gut, aber es gibt auch noch deutlichen Handlungsbedarf. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Beschaffung von Hilfsmitteln. Ich habe selbst erlebt, dass Leistungen zunächst abgelehnt wurden und erst vor Gericht durchgesetzt werden mussten. Solche Prozesse kosten Zeit, Energie und Nerven – und sie stehen der Selbstbestimmung eher im Weg, als dass sie sie fördern. Ich würde mir wünschen, dass Systeme schneller, unbürokratischer und vor allem im Sinne der Betroffenen entscheiden – und nicht zusätzliche Barrieren entstehen durch die Institutionen, die sie eigentlich abbauen sollten.

Wo liegt Ihre berufliche Zukunft – in Film oder in der Psychologie?
Hoffentlich in beidem. Für mich passt das gut zusammen.