Möchten Sie die Darstellung der Website ihren persönlichen Bedürfnissen anpassen?
Die Einstellungen können Sie auch später noch über das Symbol
ändern.
Erfahre, wie AK-Sport-Teammitglied Mandy Kugel durch Showdown-Sport Halt, Mut und Gemeinschaft gefunden hat.
Wenn der Sport Halt gibt
PARASPORT
Es gibt Momente im Leben, die alles ver?ndern. Für Mandy Kugel aus Kronach war es das Jahr 2002, als ein Unfall ihr Augenlicht nahm. Blindentischtennis half ihr zurück ins Leben.
Von unserer Mitarbeiterin Kim-Lara van der List
Kronach. Es gab eine Zeit, da erkannte Mandy Kugel ihr Spiegelbild. Sie wusste, wie blau der Himmel an Sommertagen leuchtet und wie grau er ist, wenn Wolken aufziehen. Sie konnte das Gesicht ihres jüngeren Bruders vor sich sehen – damals, als er 16 war. Dann kam der Tag, der ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellte: Mit 20 Jahren verlor Mandy ihr Augenlicht. Ganz plötzlich, bei einem schweren Verkehrsunfall. „Als ich erfahren habe, dass ich für immer blind bleibe“, erinnert sie sich, „war das der schlimmste Tag meines Lebens.“
Damals arbeitete sie als Hotelfachfrau. Alles, was danach kam, musste sie neu lernen. Blindenschule, Umschulungen, Telefonistin und ein Umzug nach Karlsruhe. Dorthin, wo ihr damaliger Freund lebte. „Ich wollte so weitermachen wie vorher, aber das hat nicht funktioniert“, sagt sie. Die Quittung habe sie schnell bekommen: Mandy rutschte in eine Depression, verlor ihre Struktur und jeglichen Antrieb im Leben.
Showdown-Sport gibt neue Energie
Es dauerte, bis sie mit ihrem Schicksal Frieden schloss. Erst eine Therapie half ihr, wieder festen Boden unter den Füßen zu finden. Und etwas anderes: eine Aufgabe. Mandy stürzte sich ins Ehrenamt, suchte Kontakt zu anderen Betroffenen und organisierte Veranstaltungen. Parallel dazu entdeckte sie etwas, das sie bis heute begleitet: den Showdown-Sport.
„Ich war früher immer sportlich, habe Tennis gespielt, bin geschwommen und war viel draußen unterwegs. Das hat mir alles gefehlt“, sagt sie. Als sie zum ersten Mal an der Platte stand und spielte, dachte sie nur: „Das ist genial.“ Und: „Endlich wieder ein Sport, bei dem ich mich auspowern kann, ohne auf meine Blindheit reduziert zu werden.“
Dem Blindentischtennis sehr ähnlich, funktioniert aber anders: Showdown wird auf einer großen, leicht ovalen Platte gespielt, die von einer Bande umgeben ist. Der Ball, mit dem gespielt wird, enthält Metallkügelchen, sodass er rasselt. Ziel ist es, ihn unter dem mittigen Querplatte hindurch ins gegnerische Tor zu spielen. „Am Anfang sieht man viel, aber clever ist es, sich auf sein Gehör zu verlassen“, sagt Mandy.
Nach einer Zeit sind die Sinne gesch?
ärft und alles wird gefordert. Und es gibt eine weitere Besonderheit: Showdown gilt als inklusiv. Sehende können problemlos mitspielen, sie tragen einfach eine Dunkelbrille. „Das liebe ich an diesem Sport: Im Spiel sind wir alle gleich“, sagt Mandy.
Zunächst spielte die heute 44-Jährige in Nürnberg, doch bald wollte sie den Sport auch in die Region holen. Schließlich gründete sie ihre eigene Showdown-Gruppe. Erst in Kulmbach, inzwischen trainieren die begeisterten Spielerinnen und Spieler in Bamberg, in der Armee-Straße 57. Heute kommen dort regelmäßig sechs bis zehn Menschen zusammen – einige blind, andere sehbehindert, manche sehend. Der jüngste Teilnehmer ist gerade 18 Jahre alt geworden.
Ein besonderes Erlebnis hatte Mandy im vergangenen Jahr beim Inklusionssportfest in Nürnberg. Dort probierte ein blinder Mann, Anfang 60 und im Rollstuhl, zum ersten Mal Showdown aus. „Der ist richtig aus sich herausgekommen“, erinnert sich Mandy. „Wenn man solchen Menschen wieder mehr Lebensfreude geben kann, ist das Gold wert.“
Für Mandy selbst spielt Leistung im Sport keine große Rolle. Sie sagt, sie müsse nicht auf Titeljagd gehen – sie spiele, weil es ihr Spaß macht. Trotzdem trainiert sie regelmäßig, auch zu Hause an ihrer eigenen Platte gemeinsam mit ihrem Mann Daniel. Und die Fortschritte sieht sie deutlich: Erst kürzlich gewann sie gegen jemanden, der regelmäßig Turniere spielt. „Da war ich echt stolz auf mich.“
„Bei vielen Spielern ist das anders. Einige von ihnen hätten das Potenzial, auf Turnieren mitzuspielen“, sagt Mandy. „Ich freue mich, wenn sie sich einfach mal ausprobieren.“
Verlorene Unabhängigkeit
Auch wenn Mandy Kugels Unfall bereits über 20 Jahre zurückliegt – manchmal gibt es doch noch Dinge, die sie aus ihrem früheren Leben vermisst. „Das ist kein Auto mehr fahren kann – dem trauere ich schon noch hinterher.“ Die Spontanität und die Unabhängigkeit, einfach einzusteigen und loszufahren, das sei etwas Besonderes gewesen, sagt sie.
Trotzdem beschreibt sie sich heute als glücklich und zufrieden. Und das merkt man, wenn man Mandy Kugel gegenüber sitzt. Seit einigen Jahren ist sie in Rente, lebt zusammen mit ihrem Mann und ihrer Blindenhündin „Nella“ in Ludwigstadt. Ihre Lebensfreude zieht sie heute aus den Erfolgen und Freuden anderer: „Es ist schön, wenn Leute aufblühen und einfach nicht auf das Blindsein reduziert werden“, sagt sie. „Das gibt mir viel. Und darum weiß ich, warum ich das mit dem Showdown mache.“
Schiedsrichter gesucht
Aktuell fehlt der Showdown-Gruppe in Bamberg nur noch eines: ein sehender Schiedsrichter. Wer Lust hat, die Spiele zu begleiten – und vielleicht auch selbst einmal den Schläger in die Hand zu nehmen – ist herzlich willkommen. Interessierte können sich an Mandy Kugel wenden.
„Das liebe ich an diesem Sport:
Im Spiel sind wir alle gleich.“
Mandy Kugel, begeisterte Showdown-Spielerin