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Prävention und Primärversorgung in einer vitalen Kommune

Am 13.03.2026 nahm die Interessenvertretung von PRO RETINA Deutschland e. V. am Panel 2 „Primärversorgung in der Region“ der Veranstaltung „AOK im Dialog: Prävention und Primärversorgung in einer vitalen Kommune“ teil. 

An der hochrangig und interdisziplinär besetzten Diskussion im Panel 2 „Primärversorgung in der Region“ beteiligten sich Daniel Rinkert MdB, SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Prof. Nils Gutacker, Professor für Health Economics an der University of York und Mitglied im Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege, Prof. Dr. Viktoria Stein, Assistenzprofessorin für Population Health Management am Leiden University Medical Centre, Angela Koch, Leiterin Gesundheitsdrehscheibe Graz, Matthias Mohrmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, sowie Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. Veranstalterin war die AOK Rheinland/Hamburg.

Primärversorgung regional, patientenorientiert und praktikabel gestalten 

Im Mittelpunkt des Panels stand die Frage, wie ein zukunftsfähiges Primärversorgungssystem regional wirksam, patientenorientiert und zugleich praktikabel ausgestaltet werden kann. In der Diskussion wurde deutlich, dass es hierfür insbesondere mehr Verbindlichkeit in der Patientensteuerung, weniger Bürokratie, eine stärkere multiprofessionelle Zusammenarbeit und rasch umsetzbare Reformschritte braucht.

Klare Zugangswege und bessere Patientensteuerung 

Ein wesentlicher Diskussionsstrang betraf die Steuerung der Patientinnen und Patienten im Versorgungssystem. Betont wurde die Notwendigkeit klarer Zugangs- und Lotsenstrukturen, um Versorgungspfade besser zu koordinieren und unnötige Umwege zu vermeiden. Neben der hausärztlichen Steuerung wurden auch digitale Lösungen als mögliche Instrumente benannt, sofern sie Verbindlichkeit schaffen und die Orientierung der Patientinnen und Patienten tatsächlich verbessern.

Multiprofessionelle Zusammenarbeit als Schlüssel 

Breiten Raum nahm zudem die Diskussion über multiprofessionelle Versorgungszentren ein. Als Vorteil wurde hervorgehoben, dass unterschiedliche Berufsgruppen enger zusammenarbeiten, Fälle abgestimmt besprechen und Patientinnen und Patienten zielgerichteter begleiten können. Dabei wurde auch deutlich, dass solche kooperativen Strukturen nicht zwingend nur an einem gemeinsamen Ort entstehen müssen, sondern ebenso in regional vernetzten Versorgungsmodellen wirksam sein können.

Entlastung durch Delegation und Entbürokratisierung 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Entlastung ärztlicher Versorgung durch Delegation und Entbürokratisierung. Kritisch angesprochen wurden gewachsene Verwaltungs- und Dokumentationsanforderungen, die wertvolle Zeit in der Versorgung binden. Als Reformansatz wurde betont, ärztliche Kapazitäten stärker auf medizinisch wesentliche Aufgaben zu konzentrieren und zugleich andere Berufsgruppen systematisch in die Versorgung einzubeziehen.

Internationale Impulse: Das Beispiel Österreich 

Mit Blick auf erfolgreiche internationale Erfahrungen wurde am Beispiel Österreichs deutlich, welches Potenzial Community Health Nurses in einem multiprofessionellen und niedrigschwelligen Versorgungsansatz entfalten können. Hervorgehoben wurde insbesondere ihr Beitrag zu schneller wohnortnaher Unterstützung, zu präventiven Hausbesuchen, zur Stärkung der Gesundheitskompetenz sowie zur alltagsnahen Begleitung von Patientinnen und Patienten – etwa bei der Orientierung im Versorgungssystem, im Umgang mit Befunden und bei Fragen der Medikation. Zugleich wurde deutlich, dass solche Strukturen nicht in Konkurrenz zur ärztlichen Versorgung stehen, sondern diese gezielt ergänzen und dazu beitragen können, Versorgung frühzeitiger, passgenauer und krisenvermeidend zu gestalten.

Reformbedarf bei Finanzierung und Vergütung 

Auch die Finanzierungs- und Vergütungsstrukturen wurden als wesentlicher Reformfaktor benannt. In der Diskussion wurde deutlich, dass bestehende, stark einzelleistungsbezogene Modelle Weiterentwicklungen eher erschweren können. Zugleich wurde betont, dass Reformen nicht allein unter Einspargesichtspunkten betrachtet werden dürfen, sondern vor allem an der Frage gemessen werden müssen, wie sie Versorgung verbessern, Zugänge erleichtern und mehr Verlässlichkeit für Patientinnen und Patienten schaffen.

Von der Problembeschreibung in die Umsetzung 

Deutlich wurde schließlich auch der Wunsch, von der Problembeschreibung stärker in die Umsetzung zu kommen. Dabei wurde für schrittweise, politisch tragfähige Reformen mit kurzfristig sichtbaren Verbesserungen geworben. Zudem wurde unterstrichen, dass die Weiterentwicklung der Primärversorgung nicht nur eine strukturelle, sondern auch eine kommunikative Aufgabe ist: Veränderungen müssen als konkreter Gewinn für die Versorgung der Menschen erfahrbar werden.

Prävention und Versorgung enger zusammendenken 

Zum Abschluss wurde die enge Verknüpfung von Prävention und Versorgung betont. Prävention wurde dabei nicht als nachgelagerter Zusatz, sondern als integraler Bestandteil eines funktionierenden Versorgungssystems verstanden, das medizinische, soziale und kommunale Perspektiven stärker zusammenführt.

Fazit

Das Panel machte deutlich, dass die Herausforderungen in der Primärversorgung seit Längerem bekannt sind und der Fokus nun stärker auf praktikablen Umsetzungswegen liegen muss. Als zentrale Ansatzpunkte wurden eine verbindlichere Patientensteuerung, der Ausbau multiprofessioneller und regional vernetzter Strukturen, die Entlastung ärztlicher Kapazitäten sowie der Abbau bürokratischer Hürden herausgestellt. Zugleich wurde unterstrichen, dass eine zukunftsfähige Primärversorgung Prävention und Behandlung enger zusammenführen und für die Bürgerinnen und Bürger als konkrete Verbesserung im Alltag erlebbar machen muss.