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Lebenspraktische Fähigkeiten - Verkehrssicherheit
Am 06. September 2025 um 12:00 Uhr tragen wir uns in den gewohnten Räumen der Paritätischen, um eine Schulung zu den lebenspraktischen Fähigkeiten (LPF) im Bereich Verkehrssicherheit durchzuführen. Die Schulung umfasste sowohl einen theoretischen als auch einen praktischen Teil.
Theoretischer Teil
Die Schulung begann mit einer kurzen Vorstellungsrunde, gefolgt von einem Vortrag der Rehabilitationslehrerin Kerstin Hettrich. Sie stellte die Bodenindikatoren vor, die eine wichtige Rolle in der Verkehrssicherheit spielen. Diese weißen Indikatoren bieten einen klaren Kontrast zum Asphalt und helfen, verschiedene Bereiche zu kennzeichnen. Wir lernten wichtige Begriffe wie Richtungsfeld, Sperrfeld und Noppenfeld kennen.
Ein zentraler Punkt war die Gehwegkante für Blinde, die mit einem Langstock eine Höhe von 6 cm hat, während die Nullabsenkung für Rollstuhlfahrer vorgesehen ist. Für die Gehwegkante, die sowohl für Blinde als auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist, wurde eine Höhe von 3 cm festgelegt. Dies stellt einen Kompromiss dar, da Rollatoren und Rollstühle diese Höhe ohne Mühe überwinden können, während Blinde und Sehbehinderte sie gerade noch fühlen können.
Ein weiterer wichtiger Aspekt war die gesicherte und ungesicherte Überquerung von Straßen. Eine gesicherte Überquerung liegt vor, wenn Fußgänger grundsätzlich Vorrang haben, wie zum Beispiel am Zebrastreifen oder an Ampeln bei Grün.
Ein praktischer Tipp für die Überquerung von Straßen ist, sich mit dem Langstock an die Gehwegkante zu stellen, den Stock senkrecht in die Kante zu stecken und dann einen Schritt zurückzutreten. Vor jeder Überquerung sollte man mindestens drei Sekunden warten, auch wenn man sicher ist, dass kein Auto kommt und immer bei Verkehrsstille gehen.
Wir diskutierten die Kennzeichnungspflicht für Blinde, um im Falle eines Unfalls rechtlich abgesichert zu sein. Kerstin empfahl, sich spätestens bei der Beantragung des Blinden- oder Sehbehindertengeldes zu kennzeichnen. Die gesetzlich anerkannten Kennzeichnungen umfassen:
- Weißer Langstock (Blindenstock)
- Gelbe Behinderten-Armbinde (drei schwarze Punkte), die lediglich auf eine Behinderung hinweist.
Es ist wichtig, die Blindenarmbinde auf beiden Armen zu tragen, um die Sichtbarkeit zu erhöhen.
Wir sprachen auch über akustische Ampeln und Vibrationsampeln, die für Blinde eine wichtige Unterstützung darstellen.
Während der Diskussion schweiften wir häufig vom Thema ab. Die Teilnehmer berichteten über rücksichtslos fahrende E-Scooter-Nutzer, die ihre E-Roller mitten auf dem Weg abstellen, sowie über die Machtlosigkeit der Stadt Hagen. Zudem sprachen wir über lose Fußgänger-Pflastersteine, die die Sicherheit beeinträchtigen können. Jeder Teilnehmer erzählte seine persönliche Leidensgeschichte zu diesen Themen.
Praktische Übungen
Wenn Theorie auf praktische Übungen trifft, ist die Enttäuschung in Hagen vorprogrammiert. Die Bodenindikatoren waren zwar vorhanden und Kerstin hatte einen Langstock dabei, den diejenigen, die noch keinen Langstock in der Hand hielten, nutzen konnten. So konnte man die Leitstreifen fühlen. Allerdings erklärte Kerstin, dass viele dieser Bodenindikatoren nicht den Normen entsprechen.
Zudem gaben viele Ampeln keine akustischen Signale von sich und die Vibrationsknöpfe funktionierten nicht.
Wir sprachen über die Ampelpilot-App, die Kerstin uns vorführte.
Dabei setzten wir das, was wir in der Theorie gelernt hatten, in der praktischen Übung um. So war es viel einfacher, nachzuvollziehen, was Kerstin während der Theorie erzählt hatte.
Anschließend gingen wir gemeinsam essen, wo wir das Gelernte noch einmal durchgehen und vertiefen konnten.
Autor: Mesut Sungur