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02.12.2025 Ein Besuch in einem Museum mitten im Herzen von Köln, das Stadtgeschichte ganz anders erzählt
Für ca. 1,5 Stunden lassen sich 16 interessierte Mitglieder der Kölner Regionalgruppe von Anke Leyendecker in Episoden der Kölner Stadtgeschichte entführen.
Dieses traditionsreiche Museum war bis vor ca. 9 Jahren im Zeughaus untergebracht. Das alte Gebäude muss saniert werden und so wurde eine Interimslösung gesucht und gefunden. Angedacht sind dafür 10 Jahre. Es ist geplant, dass das Stadtmuseum irgendwann (wann auch immer) zurück ins Zeughaus geht. Vor 1,5 Jahren eröffnete die heutige Dauerausstellung im ehemaligen Haus Sauer (1986 bis 2016), einem Kaufhaus für gehobene und exklusive Damen- und Herrenmode. Nach dem kompletten Umbau lässt sich an der geschwungenen Rundtreppe noch heute erkennen, dass die Architektur und Ausstattung des Hauses extravagant waren.
Durch den Umzug in neue Räumlichkeiten ergab sich die Chance, das Konzept für das Stadtmuseum vollständig zu überdenken. Es wurde ein Blindenleitsystem mit Leitlinien und Aufmerksamkeitsfeldern installiert (eher bekannt aus dem öffentlichen Verkehrsraum als aus Innenräumen von Gebäuden). Viele Tastmodelle wurden ausgestellt und laden zum Befühlen ein.
Im Mittelpunkt der neuen Ausstellung stehen Emotionen und Fragen wie „Was lieben wir?“ „Was verbindet uns?“ „Was bewegt uns?“ … und das alles über Jahrhunderte. Köln-Experten und -Expertinnen zeigen emotionale Objekte und erzählen private Geschichten.
Eindrucksvolle Exponate aus allen Epochen erzählen von der Liebe: zur Stadt, zur Musik oder zu den Kölner Weltmarken wie dem Dom; von Aufständen und Skandalen, die wütend machen; von der Angst vor Verfolgung, Krieg und Tod; von bewegenden oder verbindenden Momenten und vielem mehr.
Nur einige wenige Beispiele seien genannt:
Eine besonders innige Beziehung hat das Publikum zu seinem Hänneschen, dem ältesten Stock-Puppentheater Deutschlands.
Hier im Stadtmuseum ist der unmittelbare Kontakt zum Hänneschen erlaubt. Die Teilnehmer nahmen die Stockpuppe in die Hand und waren überrascht, wie schwer sie ist. Die Gruppe bekam auf diese Weise eine Vorstellung von der Leistung der Puppenspieler. Wie anstrengend muss es doch sein, diese schweren Puppen über einen längeren Zeitraum über Kopf zu bewegen.
Im ersten Stock beherrscht das Stadtmodell (9 m x 8 m) den Raum. Es zeigt den Zustand der Bebauung im Jahr 1571. Die wenigsten sehbehinderten und blinden Teilnehmer hatten eine Vorstellung von den Ausmaßen des Modells. Aber alle konnten in der Zeichenerklärung ausgewählte Gebäude ertasten, unter anderem den Gürzenich, das historische Rathaus und den Dom ohne Nordturm und Mittelschiff. Der Baubeginn des Doms lag im Jahr 1248 und die Fertigstellung im Jahr 1818, also in die Zeit Napoleons. Der zeigte sich als besorgter Landesvater, erließ Anordnungen zur Verbesserung der Hygiene und Verwaltung (z.B. Hausnummerierung), die bis heute spürbar sind.
Ein weiteres Exponat, das zum Anfassen einlädt, ist das Stadtsiegel von 1268/69. Auf dem Foto sind die Größenverhältnisse zwischen dem Modell und der tastenden Hand und eine Objekterklärung in Blindenschrift erkennbar. Das Siegel zeigt Petrus, den Stadtpatron mit den Stadtschlüsseln.
Zum Thema „Essen in Köln“ gibt es Essgeschirr aus unterschiedlichen Jahrhunderten, von denen durch Ertasten eine Vorstellung zu bekommen war. Zinn im Jugendstil oder das Kölner Ratssilber, Kölner Brauhausgeschichte oder Glanz in der bürgerlichen Stube.
Ein Exponat hat für unsere Gruppe eine besondere Bedeutung: „Dieser Stock, aber eben auch andere Hilfsmittel ermöglichen einfach trotz Erblindung ein großes Maß an Autonomie." Das sagt der Köln-Experte Michel (38) über seinen Langstock.
Durch diesen kurzweiligen Aufenthalt im Kölnischen Stadtmuseum haben sicher einige Teilnehmer Lust bekommen, dieses Museum in Eigenregie zu besuchen. Es gibt die Möglichkeit, sich QR-Codes, die sich an den Objekten befinden, mit dem Smartphone vorlesen zu lassen.
Einen herzlichen Dank für Idee und Organisation an das Leitungsteam.
(Fotos und Text: Margarete Schulte)