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Das MAKK wurde 1888 gegründet. Die Fachrichtung „Design“ entstand im 19. Jahrhundert und befasst sich mit Produkten, die aus unserem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken sind, wie z. B. Büroklammern, Salzstreuer, Sessel, Lampen, Radios und vieles mehr. Schon bald handelte es sich nicht mehr nur um die rein funktionelle Produktion solcher Gegenstände. Angestoßen durch die Aussage von Raymond Loewy „Hässlichkeit verkauft sich schlecht“ entwickelte sich die Stilrichtung „Design“, in der das Aussehen der Produkte an Bedeutung gewann.

Ein Besuch im MAKK (Museum für Angewandte Kunst Köln) am 8. Januar 2019

Pünktlich um 9:45 Uhr trafen sich ca. 15 Mitglieder unserer Regionalgruppe im Foyer des MAKK mitten in Köln. Nicht allen Teilnehmern war bewusst, dass in der Nähe von WDR, Minoritenkirche und Hohe Straße dieses Kleinod versteckt ist. Im Museum gibt es eine Cafeteria mit einem Innenhof, der sicher im Sommer noch des Öfteren Besuch von uns erhalten wird.

Frau Palm begrüßte die Anwesenden und vor allem Frau Schwering, die sich bereit erklärt hatte, diese „besondere“ Führung zu leiten. Schon gleich nach der Vorstellung kündigte sie an, dass sie später für ein Feedback der Gruppe dankbar sei. Würden ihr die Anregungen doch dabei helfen, die Probleme von sehbehinderten und blinden Menschen besser zu verstehen.

Frau Schwering informierte uns, dass sie aus der aktuellen Ausstellung „34 x Design“ einige Exponate ausgesucht hatte, die sicher von Interesse sein könnten.

Und los ging es!

In einem separaten Raum hatte die Direktorin Frau Dr. Rebbelmund, die sich zwischenzeitlich der Gruppe angeschlossen hatte, drei Designersessel für uns bereitstellen lassen. Es handelt sich um Re-Editionen, denn die Originale, die sich in der Ausstellung befinden, durften natürlich nicht berührt oder ausprobiert werden. Es handelt sich bei allen drei Ausstellungsstücken um Möbelstücke, die auch heute noch angeboten, in Serie gefertigt werden und für stolze Preise gekauft werden können.

Beim ersten Exponat handelt es sich um den „Rot-Blauen-Stuhl“ des niederländischen Architekten Gerrit Thomas Rietfeld aus dem Jahre 1918. Der verwandte Werkstoff ist Buchenholz. Die einfache Konstruktionsweise sollte diesen Armlehnstuhl zum Möbel für „Jedermann“ machen. Er wurde im Baukastenprinzip gefertigt. Der Zusammenbau sollte auch für Ungeübte möglich sein. Ob schon Anfang des letzten Jahrhunderts jemand an das skandinavische Möbelhaus mit den vier Buchstaben gedacht hatte?

Auf alle Fälle machte es großen Spaß, den Stuhl zu befühlen, die Holzstruktur zu spüren, die Steckverbindungen zu ertasten und natürlich auszuprobieren, ob dieser spartanische Sessel bequem sein konnte.

Unsere Regionalgruppenleiterin Frau Palm fühlte sich sichtlich wohl und auch das Wiederaufstehen gelang problemlos.

Der zweite Clubsessel wurde von Marcel Breuer entworfen und stammt aus dem Jahr 1926. Dieser Sessel war damals eine absolute Neuheit, bestand der Rahmen aus einem Stahlrohrstecksystem, kombiniert mit einer elastischen Lederbespannung. Er gilt als Vorläufer der heutigen „Freischwinger“, zu bewundern in der Ausstellung. Auch dieses Exponat lud zum Befühlen und Ausprobieren ein, am liebsten sogar zum längeren Verweilen.

Der Architekt Ludwig Mies van der Rohe entwarf nicht nur spektakuläre Bauten, sondern auch Möbel. Wir konnten den „Barcelona Chair“ aus dem Jahr 1929 untersuchen und einige fanden ihn so bequem, dass das Aufstehen und Weitergehen schwer fiel. Dieser Stuhl wurde für den Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona entworfen. Er weist ein kufenartiges Gestell mit gekreuzten Metallbeinen auf. Sitzfläche und Rückenlehne sind mit einer weichen Rindslederpolsterung sehr angenehm gearbeitet. Bei der Eröffnungsfeier dienten dem spanischen Königspaar diese Stühle jeweils als „Thron“, war doch diese Scherenstuhl-Bauweise schon in römischer Zeit und im Mittelalter Sinnbild für herrschaftliches Sitzen.

Nun war die Phase des Berührens vorbei und wir wurden wieder zu „normalen“ Museumsbesuchern.

Die Exponate „Patriot“ und „Aristocat“ sind Radios, die der Amerikaner Norman Bel Geddes 1940 entworfen hatte. Entgegen der damals vorherrschenden Tropfenform plante Geddes seine Radios in rechteckiger Form. Es sollten die amerikanischsten Radios aller Zeiten werden.

Genial gelöst: die Lautsprechergitter bilden die „stripes“ und auf den Drehreglern finden sich die 5-zackigen „stars“. Es wurden ausschließlich die amerikanischen Flaggenfarben rot – weiß – blau verwandt.

Auch in Deutschland gab es die Politisierung des Radios. Der Volksempfänger wurde im Volksmund „Göbbels Schnauze“ genannt.

Zum Schluß konnten wir noch einmal Exponate befühlen. Es handelte sich um „Max und Moritz“, ein Salz- und Pfefferstreuer Set, das von Wilhelm Wagenfeld 1952 entworfen wurde. Dieser wichtige deutsche Industriedesigner entwarf in der Zeit von 1950 bis 1970 viele Haushaltsgegenstände für WMF und prägte so das Alltagsbild im Haushalt.

Frau Schwering machte ihre Ankündigung wahr und bat um ein Feedback der Gruppe.

Die Verwendung eines Audio-Guide-Systems wurde angeregt. Ein weiterer Vorschlag war, dass die führende Person helle Kleidung, zumindest einen hellen Schal tragen sollte, so also für die Sehbehinderten besser zu erkennen ist.

In diesem Zusammenhang sei allen Interessierten empfohlen, sich über die App Freshmuseum zur Seite des MAKK durchzuklicken. Dort findet sich dann ein Guide für Blinde und Sehbehindete.

Nach einem herzlichen Dank von Frau Palm verabschiedete sich Frau Schwering und die Gruppe nahm gemeinsam einen kleinen Imbis in der Cafeteria ein. Bei der Gelegenheit erfuhren wir von Frau Palm, dass sie mit der Direktorin des MAKK verabredet hat, dass unsere Regionaltreffen ab dem kommenden April im Museum stattfinden werden.

Also werden wir sicher im Sommer wieder mal in dem schönen Innenhof mitten in der quirligen Stadt Köln eine Ruhepause machen.

 

von Margarete und Joachim Schulte