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Karneval in Köln: Pro Retina feiert bei der "Blindensitzung" mit

Foto: Links auf dem Bild ist Ludwig Sebus, ein älterer Mann mit weißem Haar. Er trägt ein rotes Jacket, an welches ein Karnevalsorden angesteckt ist und einen weiteren Orden um den Hals. Gerade schüttelt er die Hand von Ute Palm (links), welche ebenfalls einen Orden angesteckt hat und ein Kostüm mit einem karierten Hut trägt
Auf der Blindensitzung 2024: Ute Palm im Gespräch mit Ludwig Sebus, der als karnevalistisches Urgestein mit seinen 98 Jahren auf über 70 aktive und erfolgreiche Jahre im Kölner Karneval kommt

Am 23. Januar war es wieder so weit: das Kölner Festkomitee und der Muuzemändelcher 1949 e.V. luden zum 69. mal zur „Blindensitzung.  Wenn wenig oder nichts gesehen wird, muss um so mehr beschrieben werden. Die Moderatoren Dagmar Weber-Eichberg und Ralf Schlegelmilch, in Vertretung von Christoph Kuckelkorn, führten beredt durch das bunte Programm.

„Bunt“ war dabei wörtlich und im übertragenen Sinne  zu verstehen: beispielsweise bei der, selbst für Kölner Verhältnisse, besonderen Milljöh-Tanzgruppe „De Pänz us dem Ahle Kölle“. Bis zu 40 Mitglieder, im Alter zwischen geschätzt vier Jahren und Ende zwanzig, kamen zum Tanzen  und Singen auf die Bühne. Ihre Kostüme, in den Grundfarben weiß, rot und schwarz, sind der Kleidung der einfachen Leute um 1900 nachempfunden. Im Gegensatz zu anderen Tanzgruppen, die von Fahnenträgern geleitet werden, führt ein orange gekleideter Till die „Pänz“ an. Dabei schwingt er fröhlich einen mit vielen bunten Bändern geschmückten Stab. Auf jedem Band steht der Name einer der aktuellen Tänzerinnen und Tänzer und auf einem zweiten Stab der Name der Ehemaligen.

Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt der „KG Treuer Husar Blau Gelb von 1925 e.V.“, die in ihrem begeisternden Auftritt u.a. akrobatischen Kosaken-Tanz mit modernem Break-Dance verbanden.

Diese KG stellt aktuell auch das Kölner Dreigestirn, dessen Auftritt, gemeinsam mit dem Kinder-Dreigestirn, traditionell den Höhepunkt des Abends bildet. Zwar heißt es in Köln „Jeder Jeck ist anders“, doch kam diesmal selbst das fastelovend-erfahrene Publikum kurz ins Grübeln, als es hieß, der Prinz sei der Sohn der Jungfrau. Es gibt Sachen, die sind wohl nur in Köln möglich!

Nach ihren jeweiligen Darbietungen mischten sich beide Dreigestirne gemeinsam unter das Publikum, um blinden und sehbehinderten Menschen das „Sehen“ des Ornats mit den Fingern zu ermöglichen.

 

Ein Höhepunkt folgte auf den anderen. Der unvergessene Kölner Komponist Hans Knipp schrieb viele Lieder für die „Bläck Fööss“. Die Musikgruppe „Knippschaft“, in der auch Gründungsmitglieder der „Fööss“ spielen, riß das Publikum mit, mit alten Hits wie „Mir schenke der Ahl e paar Blömcher“ oder „Uns Tante Klara“. Als sie zum Abschluss ihres Auftritts das Lied „Unser Stammbaum“ anstimmten, der Kölner Hymne für Vielfalt, Toleranz und Gemeinsamkeit, sang der ganze Saal mit!

Es gab noch viele andere Künstlerinnen und Künstler, die uns mit ihren Darbietungen erfreuten. So auch Markus Quodt, der mit seiner Band für den musikalischen Rahmen sorgte und immer den richtigen Ton traf.

Selbst eine hinreißende, und manchmal auch nachdenklich stimmende, Karnevalssitzung geht einmal zu Ende. Mancher oder manche sang vielleicht noch auf dem Heimweg leise vor sich hin: „Su simmer all he hinjekumme, … mir Jecke am Rhing …“

Kölle alaaf!