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Welt im Wandel – Das Rheinland vom Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert
Am 31.10.2025 trafen sich interessierte Mitglieder der Regionalgruppe Köln in Bonn, um an einer sehbehindertengerechten Führung der Bonner Historikerin Frau Ulrike Just im LVR Landes-Museum teilzunehmen.
Im Mittelalter prägten Kirchen das Stadtbild Kölns. Wir ertasten ein Modell des Kölner Doms, die Minoritenkirche sowie ein typisches Wohnhaus jener Zeit im Größenvergleich.
Da waren doch alle Teilnehmer erstaunt, wie groß doch „unser“ Dom ist.
Das religiöse Leben war bestimmend – auch im Zisterzienserkloster Kamp, das durch die Kamper Bibel von 1312 überliefert ist. Die Mönche trugen Kleidung aus ungebleichter Wolle, bestehend aus Kutte und Schürze. Sie widmeten sich dem Schreiben und Kopieren von Büchern auf Pergament. Ihre Ernährung war einfach und streng geregelt. Alles durfte ertastet werden.
Ein weiteres Beispiel religiöser Kunst ist der Bornhofener Altar von 1415. Das Modell eines Wandelaltars zeigt, wie man durch das Öffnen und Schließen der Flügel unterschiedliche Szenen sichtbar machen konnte. Auch der dargestellte Heiligenschein, der ebenfalls ertastet werden konnte, verweist auf den starken Glauben jener Zeit.
Zwischen 1492 und 1495 entstand der sogenannte Ursulazyklus, eine Gemäldereihe, die einst in St. Severin in Köln hing. Sie erzählt die Legende der Heiligen Ursula. In den Darstellungen wird deutlich, wie sich die Kleidung wohlhabender Bürgerinnen und Bürger von der der einfachen Leute unterschied: Kostbare Stoffe aus Seide und Brokat, weite Ärmel und farbenprächtige Gewänder zeugen von Reichtum. Da feine Schuhe sehr teuer waren, trug man auf der Straße schützende Holzsandalen, sogenannte Trippen.
Ab etwa 1450 veränderte die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg die Welt grundlegend. Mit beweglichen Lettern aus Holz und später aus Blei konnten Bücher erstmals in großer Zahl hergestellt werden. Der Buchdruck trug entscheidend zur Verbreitung der Reformation bei, denn Martin Luther konnte so seine übersetzte Bibel weit verbreiten.
Auch das rheinische Steinzeug erlebte in dieser Zeit eine Blüte. In Köln, Frechen, Raeren und Siegburg stellten Töpfer Becher und Kannen aus Ton her. Porzellan war in Europa noch unbekannt, doch das rheinische Steinzeug wurde bis nach China exportiert. Die Herstellung erfolgte, indem weicher Ton in Formen gedrückt, mit Mustern verziert und anschließend im Brennofen gehärtet wurde.
Das Wiltberg-Epitaph von 1571 zeigt die Stifterfamilie von Wiltberg kniend vor einer Kreuzigungsszene. Es stammt aus Alken an der Mosel und diente dem Totengedenken. Auffällig ist, dass die Familie größer dargestellt ist als Christus selbst – ein Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins wohlhabender Bürger. Dieses Werk markiert den Übergang vom Mittelalter zur Renaissance.
Um 1600 begann die Zeit der Renaissance – der „Wiedergeburt“ der Antike und der Beginn der Neuzeit. Es war eine Zeit des Wandels: Die Reformation, der Buchdruck, die Entdeckung Amerikas und die Entstehung von Staaten und Städten veränderten die Gesellschaft. Neben Adel, Klerus und Bauern trat nun der vierte Stand, das Bürgertum, auf.
In der Kunst traten neue Themen auf, wie in der Landschaftsmalerei um 1600. Das Gemälde „Landschaft mit Grotte und Maler“ von Joos de Momper zeigt Natur und Weite – ein deutlicher Bruch mit den zuvor fast ausschließlich religiösen Motiven. Die Künstler zeichneten in der Natur und malten später ihre Ölbilder im Atelier, da sie ihre Farben noch nicht mit nach draußen nehmen konnten. Diese Werke waren sehr gefragt, und das Selbstbewusstsein der Maler wuchs – sie verstanden sich nun als Künstler, nicht mehr als Handwerker.
Im 17. Jahrhundert spielte die Seefahrt eine bedeutende Rolle – besonders in den Niederlanden. Gemälde von Pieter Mulier zeigen eindrucksvoll den Aufstieg der Niederlande zur Handelsnation. Der Fischfang und der Fernhandel ermöglichten den Export von Hering, Leinen und Käse sowie den Import exotischer Waren wie Tee, Kaffee, Gewürze und Porzellan. Auch Pieter Claesz griff dieses Thema auf: Sein Gemälde „Frühstückstisch mit Siegburg Steinzeugkanne“ zeigt eine Mischung aus chinesischem Porzellan, venezianischem Glas und rheinischem Steinzeug – ein Symbol des internationalen Handels jener Zeit. Schon seit der Römerzeit wurden in Köln Glaswaren gefertigt, darunter das bekannte Noppenglas aus dem 14. Jahrhundert.
Frau Just hat alles, was nicht ertastet werden konnte, sehr anschaulich erklärt.
Wir waren nicht das letzte Mal in Bonn!