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In Erinnerung an Prof. Andreas Gal (1947-2026)
Mit Prof. Andreas Gal hat die Forschung zu erblich bedingten Netzhauterkrankungen einen ihrer prägenden Vertreter verloren. Über viele Jahrzehnte hat er die Aufklärung der genetischen Ursachen u. a. von Retinitis Pigmentosa maßgeblich mitgestaltet und damit Grundlagen geschaffen, die bis heute für Diagnostik und Forschung von großer Bedeutung sind.
Als Humangenetiker gehörte Prof. Gal zu jener Generation von Wissenschaftlern, die die molekulargenetische Erforschung erblicher Netzhauterkrankungen entscheidend voranbrachten. Durch seine Arbeiten zur Identifizierung und Charakterisierung krankheitsverursachender Gene trug er wesentlich dazu bei, die genetische Diagnostik bei erblichen Netzhauterkrankungen weiterzuentwickeln und betroffenen Familien neue Perspektiven zu eröffnen. So zählte er zu den Erstbeschreibern einer Krankheitsverursachenden Mutation im RPE65-Gen, für die inzwischen seit wenigen Jahren die erste Gentherapie für eine Netzhautdystrophie zur Verfügung steht.
Über viele Jahre wirkte er im Medizinisch-Wissenschaftlichen Beirat (WMB) der PRO RETINA Deutschland mit. Hier hat Prof. Gal mit seiner großen wissenschaftlichen Kompetenz, gepaart mit seinem Feingefühl für die Situation junger Nachwuchsforscher, maßgeblich an den Förderempfehlungen des WMB für die PRO RETINA-Stiftung zur Verhütung von Blindheit mitgewirkt.
Darüber hinaus engagierte er sich langjährig im Scientific and Medical Advisory Board von Retina International. Sein besonderes Anliegen war es, die Zusammenarbeit von Forschenden, Ärztinnen und Ärzten sowie Patientenorganisationen zu fördern und den Austausch über Ländergrenzen hinweg zu stärken.
Sein Einsatz wurde auch international sehr anerkannt. Sichtbaren Ausdruck fand dies unter anderem im Retina International World Congress 2012 in Hamburg, dessen wissenschaftlicher Gastgeber er gemeinsam mit Prof. Zrenner war.
Den Anliegen der von einer Netzhautdegeneration betroffenen Menschen war Prof. Gal stets eng verbunden. So unterstützte er die Arbeit der PRO RETINA bei zahlreichen Patientenveranstaltungen und Seminaren nicht nur mit seinem Fachwissen und seiner Erfahrung, sondern auch mit aufmerksamer und verständnisvoller Zugewandtheit.
Mit Prof. Andreas Gal verlieren die Netzhautforschung und die Selbsthilfe einen Wissenschaftler, der die Entwicklung seines Fachgebiets über Jahrzehnte hinweg begleitet und geprägt hat. Die dankbare Erinnerung an ihn lebt fort in den wissenschaftlichen Fortschritten, die er mit angestoßen hat, und in den vielfältigen Aktivitäten für Menschen mit erblich bedingten Netzhauterkrankungen.
Dr. Frank Brunsmann
Dr. Claus Gehrig
PRO RETINA Deutschland e. V.