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Schulprojekt trifft Konfi-Kurs

Mandy schreibt mit einer Braille-Schreibmaschine Namenskärtchen in Blindenschrift, während ihr Blindenführhund Lizzy entspannt vor ihr liegt. Daneben sitzt Aaron beim Projekttag im Konfirmandenunterricht.
Mandy schreibt mit einer Braille-Schreibmaschine Namenskärtchen in Blindenschrift, während ihr Blindenführhund Lizzy entspannt vor ihr liegt. Daneben sitzt Aaron beim Projekttag im Konfirmandenunterricht.

„Lea, Ben, Nele, nochmal Ben, Anna, Lilli …“ Mit flinken Fingern tippt unser Gast Mandy die Namen unserer 28 Konfirmand/innen in ihre Braille-Schreibmaschine und druckt für jede/n ein Namenskärtchen in Blindenschrift aus. Ihre treue Begleiterin Lizzy, ein ausgebildeter Blindenführhund, macht es sich dabei zu ihren Füßen gemütlich und blickt entspannt in die Runde.

Bei unserem Konfitreff am 3. Juli beschäftigten wir uns mit der „Welt der Blinden“. Doreen vom Verein Pro Retina e.V. hatte außer der Ehrenamtlichen Mandy und deren Hund auch noch ihren Sohn Aaron mitgebracht. Aaron ist sehbehindert und als Para-Judoka sehr erfolgreich.

Die blinde Mandy erzählte uns sehr selbstbewusst von ihrem Alltag. Seit einem Unfall vor 24 Jahren ist sie „schwarzblind“, sieht also gar nichts mehr. Dank vieler nützlicher Hilfsmittel – wie einem sprechenden Farb-Erkenner und natürlich ihrem langen Blindenstock – findet sie sich in ihrem Alltag aber sehr gut zurecht. Dabei hilft ihr vor allem die treue Lizzy. „Ich liebe mein Leben!“, betonte Mandy, und das merkt man ihr auch an!

Warum beschäftigt uns dieses Thema im Konfirmandenunterricht, fragen Sie sich jetzt vielleicht? Hat das überhaupt etwas mit Kirche und Glauben zu tun?

Einer trage des anderen Last, so werdet Ihr das Gesetz Christi erfüllen. (Galater 6,2) So steht es im Neuen Testament. Und an anderer Stelle: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

Über den eigenen Tellerrand blicken, sich in andere Menschen und ihre Probleme einfühlen und sie, wenn möglich, unterstützen – das sollen unsere Konfis neben dem Glaubensbekenntnis und dem Vaterunser bei der Vorbereitung auf ihre Konfirmation lernen. Und wie unsere große Gruppe eindrucksvoll bewiesen hat: Die Jugendlichen lassen sich gerne darauf ein. Mit viel Interesse und Respekt stellten sie Fragen an Mandy und Aaron und probierten selbst einige Dinge aus. So konnten sie sich zum Beispiel – mit Hilfe unserer Teamer/innen – gegenseitig „blind“ über den Kirchhof führen und dabei auch den Blindenlangstock testen.

Außerdem erfuhren wir, wie „richtiges“ Helfen geht: Man soll nicht einfach eine blinde Person am Arm packen und sie über die Straße führen, sondern sie zunächst fragen, ob und welche Hilfe sie benötigt. Und man sollte auf keinen Fall einen Blindenführhund auf der Straße streicheln – auch wenn er noch so süß ist. Dies würde ihn von seiner Arbeit abhalten und die blinde Person in große Gefahr bringen.

Wir haben also an diesem Nachmittag gelernt und erfahren, wie Nächstenliebe ganz praktisch aussehen kann. Aber was war die wichtigste Botschaft, die unsere Besucher uns mitteilen wollten? „Dass wir ganz normale Menschen sind!“, betonte Mandy, als wir uns am Ende für den Besuch bedankten.