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Neue Behandlungsoption bei feuchter AMD: Medikamentenabgabe über ein Augenimplantat zugelassen
Liebe Abonnenten,
für Menschen mit feuchter altersbedingter Makula-Degeneration (AMD) gibt es in der Europäischen Union eine neue Behandlungsmöglichkeit. Die Europäische Kommission hat Susvimo® (Ranibizumab) zur Anwendung mit dem nachfüllbaren Augenimplantat Contivue® zugelassen. Damit kann erstmals in der EU ein VEGF-Hemmer über ein Implantat kontinuierlich über mehrere Monate in das Auge abgegeben werden.
Wie funktioniert die Behandlung?
Bei der feuchten AMD werden üblicherweise VEGF-Hemmer direkt in den Glaskörper des Auges gespritzt. Diese sogenannten IVOM-Behandlungen müssen je nach Medikament und Krankheitsverlauf regelmäßig wiederholt werden.
Bei Contivue®ist das Prinzip anders: Das etwa reiskorngroße Implantat wird einmalig unter örtlicher Betäubung bei einem chirurgischen Eingriff in das Auge eingesetzt und verbleibt dort dauerhaft. Der Eingriff wird durch einen spezialisierten Augenchirurgen in einem spezialisierten Zentrum erfolgen. Das Implantat enthält Susvimo®, eine speziell für das System entwickelte hochkonzentrierte Form des bekannten VEGF-Hemmers Ranibizumab. Der Wirkstoff wird langsam und kontinuierlich in das Auge abgegeben. Etwa alle sechs Monate wird das Implantat wieder mit dem Medikament befüllt.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Medikament und Implantat: Susvimo® ist der Handelsname des Arzneimittels mit dem Wirkstoff Ranibizumab, Contivue® der Handelsname des nachfüllbaren Implantats mit den dazugehörigen Instrumenten. Das Contivue®-System hatte bereits im September 2025 die erforderliche CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt erhalten. Mit der EU-Zulassung von Susvimo® sind damit beide Komponenten von den zuständigen Behörden zugelassen.
Für wen ist die Behandlung vorgesehen?
Die neue Therapie ist nicht für alle Menschen mit feuchter AMD vorgesehen. Zugelassen ist sie für Erwachsene mit feuchter AMD (neovaskulärer), deren Erkrankung zuvor mit einer herkömmlichen VEGF-Hemmer-Behandlung stabilisiert werden konnte.
Was zeigen die Studien?
In unterschiedlichen Studien wurde die Behandlung mit Ranibizumab über das Implantat mit monatlichen Ranibizumab-Injektionen verglichen. Mit einer regulären Nachfüllung des Implantats alle 24 Wochen konnte das Sehvermögen vergleichbar erhalten werden wie mit monatlichen Ranibizumab-Injektionen. Auch die zentrale Netzhautdicke wurde kontrolliert und verglichen. Langzeitdaten zeigen eine funktionelle und anatomische Stabilität über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren.
Nach Angaben des Herstellers benötigten rund 95 Prozent der mit dem Implantatsystem behandelten Studienteilnehmenden zwischen den vorgesehenen Nachfüllterminen keine zusätzliche Anti-VEGF-Behandlung.
Was könnte sich für Betroffene ändern?
Der entscheidende Unterschied liegt weniger im Wirkstoff als in seiner Verabreichung. Ranibizumab wird bereits seit vielen Jahren zur Behandlung der feuchten AMD eingesetzt. Neu ist, dass der Wirkstoff über ein dauerhaftes Implantat kontinuierlich abgegeben werden kann. Das könnte die Zahl der Medikamentengaben deutlich reduzieren. Allerdings ersetzt das Implantat nicht die notwendigen augenärztlichen Kontrollen. Außerdem muss das Implantat zunächst operativ eingesetzt und anschließend regelmäßig nachgefüllt werden. Ob die Behandlung für eine Patientin oder einen Patienten geeignet ist, muss deshalb individuell mit der behandelnden Augenärztin oder dem behandelnden Augenarzt besprochen werden.
Welche Risiken sind zu beachten?
Da das Implantat operativ eingesetzt wird, sind neben den bekannten Risiken einer Behandlung mit Ranibizumab auch Risiken des chirurgischen Eingriffs und des dauerhaft im Auge verbleibenden Implantats zu berücksichtigen. Welche Risiken im Einzelfall relevant sind, sollte vor der Behandlung ausführlich mit dem spezialisierten Behandlungsteam besprochen werden. Das Arzneimittel unterliegt zudem einer zusätzlichen Überwachung, damit neue Erkenntnisse zur Sicherheit möglichst schnell erkannt werden können.
Ein neuer Weg der Medikamentengabe
Mit der Zulassung des Arzneimittels zur Anwendung mit dem Implantat steht nun auch in der EU ein neuer Ansatz für die langfristige Anti-VEGF-Therapie der feuchten AMD zur Verfügung. Der Hersteller des Implantats untersucht nach eigenen Angaben zudem, ob künftig weitere Wirkstoffe über das Implantatsystem kontinuierlich in das Auge abgegeben werden könnten.
Für Patientinnen und Patienten wird nun vor allem entscheidend sein, wann und an welchen spezialisierten Zentren die Behandlung in Deutschland angeboten wird und wie die Versorgung und Kostenübernahme konkret umgesetzt werden.
Hinweis: Susvimo® und Contivue® sind geschützte Handelsnamen. Die Nennung erfolgt zur sachlichen Information und eindeutigen Bezeichnung der zugelassenen Behandlung. PRO RETINA spricht damit keine Empfehlung für ein bestimmtes Arzneimittel oder Medizinprodukt aus.
Quelle: Roche Pharma AG, Community Letter „Contivue mit Susvimo Zulassung“, 24. September 2026.
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Newsletter-Redaktion
eingestellt von: Rainer Bartels
Klinische Studien
Dies ist eine kurze Zusammenfassung der Abläufe von klinischen Studien, der Marktzulassung von Therapien sowie der anschließenden Kostenübernahme durch die Krankenkassen.
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