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22. Usher-Café: Drei Berichte über das Leben mit Cochlea Implantaten
„Ich würde es wieder tun" – Drei CI-Erfahrungen beim 22. Usher Café
Das Usher Café lebt vom offenen Reden. Beim 22. Treffen war das wieder deutlich zu spüren. Dirk Moos, Leiter des Bereichs Usher bei PRO RETINA, begrüßte die Teilnehmenden und übergab das Wort an drei Menschen, die einfach erzählten, wie es war. Keine Kliniken, keine Hersteller – nur Erfahrungen aus dem echten Leben.
Michael: Gehörlos von Geburt an
Michael ist 31 und hat Usher Typ 1. Sein erstes CI bekam er mit zweieinhalb Jahren, 1997, als die Technik bei Kleinkindern noch vergleichsweise neu war. Das zweite kam 2020, weil die Sehverschlechterung durch Retinitis Pigmentosa das Richtungshören plötzlich unentbehrlich machte.
Kurz nach der zweiten OP kam ein Arzt ins Zimmer mit einer Nachricht, die Michael bis heute bewegt: Am Hörnerv sei Aktivität gemessen worden – obwohl dieser Nerv 26 Jahre lang nicht benutzt worden war. „Ich musste weinen. Das war einfach ein großer Moment in meinem Leben."
Bis das neue Ohr wirklich funktionierte, dauerte es zwei bis drei Jahre. Musik bleibt schwierig – das Gehirn hat dort nichts, woran es anknüpfen könnte. Sein Rat an alle, die vor der Entscheidung stehen: früh implantieren, wenn möglich. Und wer den Hörverlust erst im Laufe des Lebens erfahren hat, dem rät er klar zum CI.
Hans-Werner: Ehrlich über Licht und Schatten
Hans-Werner ist 68 und hat Usher Typ 2. Als die stärksten Phonak-Hörgeräte, die es damals gab, nicht mehr reichten, fuhr er nach Tübingen – und entschied sich 2019 für ein CI. Das erste Ergebnis begeisterte ihn so sehr, dass er ein halbes Jahr später das zweite Ohr implantieren ließ.
Dann kamen die Probleme. Beim zweiten Implantat fielen Elektroden aus, eine Reimplantation wurde nötig – und noch eine. Drei Operationen insgesamt. „Je öfter man am Ohr herumfuhrwerkt, desto schlechter wird das Ergebnis", sagt er. In ruhiger Umgebung hört er heute gut. Bei Lärm stößt er schnell an Grenzen und weicht lauten Orten aus.
Was ihn beschäftigt: „In unserem Umfeld hört man fast nur positive Berichte. Aber in CI-Selbsthilfegruppen erzählen manche, dass sie es bereut haben." Sein Rat: Hörgeräte erst ausreizen. Und wer wirklich überlegt, ein CI zu machen, sollte vorher eine örtliche CI-Selbsthilfegruppe aufsuchen – dort bekommt man beides zu hören.
Schönes gibt es auch. Das Zirpen von Grillen hatte er vor der Implantation noch nie gehört. Hörbücher mit klaren, tiefen Stimmen sind für ihn zur Freude geworden. Und Zoom-Meetings liebt er: „Online verstehe ich mehr als in Präsenz."
Frank: „Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens."
Frank ist 61 und hat Usher Typ 2. Seine CI-Geschichte begann mit einer Reihe von Hörstürzen, die ihn in kurzer Zeit in tiefe Isolation brachten. Selbst seine Frau konnte er nur noch verstehen, wenn sie direkt neben ihm stand. Familienfeiern wurden zur Qual.
Der Wendepunkt: ein Besuch bei einer Selbsthilfegruppe für CI-Träger. Im vollbesetzten Raum – für ihn war es „Höllenlärm" – unterhielten sich die meisten scheinbar problemlos. „Wow, das will ich auch", dachte er. 2018 und 2019 ließ er sich beide Ohren implantieren.
Die erste Zeit war nicht leicht. Alle Stimmen klangen gleich – roboterhaft, egal ob Mann, Frau oder Kind. Dazu kam die Diskrepanz zwischen CI-Hören und dem, was er jahrzehntelang kannte. Sein Durchbruch kam mit einer Entscheidung, die er ganz bewusst traf: „CI-Hören ist jetzt mein neues Normal. Die Vergangenheit lasse ich los."
Heute hört er Frauen- und mittlere Stimmen gut, kann bei Konzerten einzelne Instrumente auseinanderhalten, liebt klassische Musik. Im Straßenverkehr kommt er zurecht. Bei sehr tiefen Tönen – Motorenbrummen, tiefe Männerstimmen – kommen die CIs an ihre Grenzen. Sein Fazit trotzdem: „Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens."
Kein Patentrezept – aber viele Erfahrungen
Eine pauschale Antwort, wann ein CI sinnvoll ist, gibt es nicht. Die Runde war sich einig: Hörgeräte erst ausreizen. KI-gestützte Geräte wie der Phonak Audéo Sphere könnten dabei eine interessante Zwischenstation sein – auch wenn sie noch nicht für alle Gruppen verfügbar sind.
Dirk Moos berichtete außerdem vom Forschungsstand in Göttingen: Dort wird an lichtgesteuerten CIs gearbeitet, bei denen statt einer Elektrode eine Lichtleiste mit bis zu 64 Dioden deutlich präziser ansetzen kann als heutige Systeme. Wann das breiter verfügbar wird, ist noch offen – vor 2027 wohl kaum.
Das 23. Usher Café kommt bestimmt – wer dabei sein möchte, ist herzlich willkommen.
*Dieser Artikel wurde mit Unterstützung einer KI erstellt und redaktionell von einem Menschen überarbeitet.*