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VISTA-Studie bei neovaskulärer AMD: Bei schlechter Anti-VEGF-Antwort kann Wechsel zu Brolucizumab oder Faricimab helfen

Liebe Abonnenten,

bei der feuchten altersbedingten Makuladegeneration, auch als neovaskuläre AMD bezeichnet (nAMD), bilden sich krankhafte Blutgefäße unter der Netzhaut, die undicht werden. Flüssigkeit tritt aus und schädigt die Stelle des schärfsten Sehens (die Makula). Die Standardtherapie besteht aus Spritzen ins Auge (Anti-VEGF-Wirkstoffe), die das Gefäßwachstum stoppen. Doch nicht alle Personen mit einer feuchten Form der altersbedingten Makuladegeneration sprechen auf die „klassischen“ Anti-VEGF-Wirkstoffe Ranibizumab, Bevacizumab und Aflibercept in gewünschtem Maße an.

An der Universitätsaugenklinik Ulm hat bei solchen Patientinnen und Patienten der Wechsel zu Brolucizumab (BRZ) oder Faricimab (FAR) im Rahmen der „VISTA-Studie“ zu einer stabilen Sehkraft und zu einer anhaltenden Verminderung der zentralen Netzhautdicke geführt. Darüber hinaus wurde untersucht, wie stark die Anzahl der notwendigen Spritzen in das Auge reduziert werden kann, ohne das Sehvermögen zu gefährden.

Die Ergebnisse wurden von einem Team um Adnan Kilani am 12. Januar 2026 im renommierten Fachmagazin Graefe's Archive for Clinical and Experimental Ophthalmology veröffentlicht.

Ablauf der Studie

Die Forschenden untersuchten die Krankheitsverläufe von 66 Augen bei insgesamt 66 Personen, bei denen die bisherige Standardbehandlung mit den älteren Wirkstoffen nicht den gewünschten Erfolg erzielt hatte. Aufgrund dieses enttäuschenden Therapieverlaufs wurde die Medikation umgestellt, wobei 41 der Betroffenen nach durchschnittlich 22,2 Injektionen mit den Wirkstoffen Ranibizumab, Bevacizumab oder Aflibercept das Medikament Brolucizumab erhielten. Das Durchschnittsalter in dieser Gruppe lag bei 78,6 Jahren. Die restlichen 25 Personen, die im Schnitt bereits 25,8 Vorinjektionen erhalten hatten, wurden auf den Wirkstoff Faricimab umgestellt, wobei das Durchschnittsalter dieser Teilnehmenden bei 79,6 Jahren lag.

Behandlungsergebnis nach 48 Wochen

Nachdem die Patientinnen und Patienten fast ein Jahr lang mit den neuen Medikamenten behandelt wurden, zeigten die Ergebnisse der VISTA-Studie deutliche Belege für Verbesserungen. In der Gruppe, die Brolucizumab erhielt, blieb die Sehschärfe im Mittelwert mit 0,49 logMAR stabil. In der Faricimab-Gruppe verbesserte sich die Sehschärfe im Mittelwert zum Ende des Jahres deutlich auf einen Wert von 0,20 logMAR, was auf einen langfristigen Vorteil dieses Wirkstoffs beim Sehvermögen hindeutet. Ein niedrigerer logMAR-Wert bedeutet eine bessere Sehschärfe.

Erfolge bei der Gewebestruktur und der zeitlichen Entlastung

Weiterhin konnte ein positiver Einfluss auf die krankhafte Verdickung im Zentrum der Netzhaut in beiden Gruppen gemessen werden. Die Schwellung der Netzhaut verringerte sich bei den Patienten, die Brolucizumab erhielten, von einem Ausgangswert von 313 Mikrometer auf 259 Mikrometer am Ende der Studie. Unter der Behandlung mit Faricimab reduzierte sich die Netzhautdicke von ursprünglich 315 Mikrometer auf 260 Mikrometer.

Ein wichtiger Fortschritt wurde zudem bei der Behandlung der sogenannten fibrovaskulären Pigmentepithelabhebung (fvPED) erzielt. Dabei handelt es sich um eine Vorwölbung des Pigmentepithels unter der Netzhaut, die oft als besonders therapieresistent gilt. Das Pigmentepithel ist die äußerste Schicht der Netzhaut und fungiert als lebenswichtige Versorgungsstation für die Sehzellen. In der Studie zeigte Faricimab hier eine deutlich stärkere Wirkung und konnte diese Abhebungen von einem Ausgangswert von 151 Mikrometer effektiv auf 110 Mikrometer abflachen. In der Gruppe, die Brolucizumab erhielt, sank dieser Wert von 210 Mikrometer auf 160 Mikrometer zum Ende der Beobachtungsphase.

Neben diesen anatomischen Verbesserungen stand auch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten im Fokus. Ein zentrales Ergebnis dieser Studie ist, dass die Zeitspanne zwischen den notwendigen Spritzen deutlich verlängert werden konnte. Vor dem Wechsel mussten die Betroffenen im Durchschnitt etwa alle 5 Wochen zur Behandlung erscheinen. Am Ende der circa einjährigen Phase gelang es, diese Intervalle bei beiden Medikamenten erfolgreich auf durchschnittlich 9 bis 10 Wochen auszudehnen. Das bedeutet für die Patienten fast eine Verdoppelung der spritzenfreien Zeit bei gleichzeitiger Stabilität der Erkrankung.

Um diese Ergebnisse zu erreichen, waren über den Zeitraum von 48 Wochen hinweg durchschnittlich 6,3 Spritzen in der Brolucizumab-Gruppe und 7,2 Spritzen in der Faricimab-Gruppe erforderlich.

Insgesamt schlossen fast 90 Prozent der Teilnehmenden die fast einjährige Beobachtungsphase erfolgreich ab, während nur wenige Personen die Studie wegen unerwünschten Ereignissen oder dem Verlust der Nachbeobachtungsmöglichkeit vorzeitig beendeten.

Quellen:

Studie in Graefe's Archive for Clinical and Experimental Ophthalmology 2026

aerzteblatt.de vom 03.01.2026

Mit freundlichen Grüßen 
Ihre Newsletter-Redaktion
eingestellt von: Rainer Bartels 

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