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Zulassung des PRIMA-Netzhautimplantats
Liebe Abonnenten,
zu dem PRIMA-System (Implantat) haben wir bereits in unserem Forschungsnewsletter berichtet, u.a. zu Studienergebnissen Anfang des Jahres. Nun gibt es Neuigkeiten.
Unter Beteiligung der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn (UKB) wurde ein Mikrochip entwickelt, der bei geographischer Atrophie die Wiederherstellung des zentralen Sehvermögens ermöglichen soll.
Ein neuartiges Netzhautimplantat eröffnet Menschen mit geographischer Atrophie erstmals die Möglichkeit, einen Teil ihres zentralen Sehvermögens zurückzugewinnen. Die Erkrankung ist eine schwere Spätform der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD).
Ein internationales Forschungsteam, u.a. mit Prof. Frank. G. Holz (Uniklinik Bonn), konnte in einer internationalen klinischen Studie nachweisen, dass die Mehrzahl der Teilnehmenden deutliche Verbesserungen der Sehschärfe zeigte. Mehr als 84 Prozent konnten nach der Implantation wieder Buchstaben, Zahlen oder Wörter erkennen. Die neuartige Netzhaut-Implantattechnologie wurde nun außerhalb von Studien für die reguläre Krankenversorgung für den europäischen Markt zugelassen.
Funktionsweise des Systems
Die für die Umwandlung des Lichts in elektrische Impulse verantwortlichen Zellen der Netzhaut sterben bei der AMD ab. Der kleine, dünne Mikrochip wird unter die Netzhaut im Rahmen eines mikrochirurgischen Eingriffs eingesetzt (subretinal). Er ersetzt die Funktion degenerierter Photorezeptoren. Über eine spezielle Brille wird Infrarotlicht auf das Implantat projiziert, das dieses in elektrische Signale umwandelt. Diese regen verbliebene, intakte Netzhautzellen an, wodurch im visuellen Cortrex des Gehirns optische Wahrnehmungen entstehen.
Diese Technik kann die Sehschärfe bereits nach zwölf Monaten signifikant verbessern – um mindestens zehn Buchstaben auf der standardisierten ETDRS-Sehtafel. Gleichzeitig bleibt das natürliche periphere Sehvermögen stabil. Das Implantat wird insgesamt gut vertragen. Die meisten Nebenwirkungen treten innerhalb der ersten acht Wochen auf. Mit dem Implantat kann erstmals das zentrale Sehvermögen teilweise zurückgewonnen werden.
Meilenstein in der Behandlung der geographischen Atrophie
„Die Therapie ist ein Paradigmenwechsel in der Therapie der geographischen Atrophie bei AMD. Erstmals wird damit für Patientinnen und Patienten ein Therapieverfahren zugänglich, mit dem eine Sehverbesserung erreicht wird. Bisherige Therapieansätze zielten lediglich auf eine Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung hin“, erklärt Holz. Er ist Direktor der Augenklinik des UKB und auch Mitglied in dem Exzellenzcluster ImmunoSensation3 der Universität Bonn.
Der jetzt zugelassene subretinale Mikrochip richtet sich an Patienten mit geographischer Atrophie mit Verlust des zentralen Sehens an beiden Augen. Nach der Implantation erfolgt eine mehrmonatige Reha, in der das Sehen und Lesen mit dem implantierten Mikrochip trainiert wird. Ein unabhängiges Gremium, das die Sicherheit überwacht, sprach sich einstimmig für eine Zulassung der Technologie aus. Die Expertengrupe kam zu dem Schluss, dass der klinische Nutzen die potenziellen Risiken überwiegt.
Neun Monate nach Veröffentlichung der klinischen Studie PRIMAvera im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ (siehe unser Newsletter Link hier), wurde im Juli 2026 die EU-Zulassung als Medizinprodukt erteilt.
Hinweis zur Kostenübernahme: Eine Zulassung bedeutet nicht automatisch, dass die Kosten von der Krankenkasse direkt übernommen werden. Wie die Implantation künftig im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung vergütet wird, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. PRO RETINA verfolgt die Entwicklung und informiert, sobald hierzu belastbare Informationen vorliegen.
Betroffene können sich bei Interesse an der neuen Netzhaut-Implantattechnologie an folgende E-Mail wenden: aug.implantat@ukbonn.de
Quelle: Geographische Atrophie: Neuartiges Netzhautimplantat zugelassen - Biermann Medizin
Auf der Herstellerwebseite finden Patienten und Fachpersonal ebenfalls Informationen und Bilder des Systems: science.xyz/prima
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Newsletter-Redaktion
eingestellt von: Julia Hübner
Klinische Studien
Dies ist eine kurze Zusammenfassung von Abläufen von klinischen Studien und Marktzulassung von Therapien (Medikamenten oder der Kostenübernahme durch die Krankenkassen).
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